noch an dem südlichen kleinern Halbkreise vorhanden. Der östliche Halb-kreis ist der noch am besten erhaltene Theil. In ihm befinden sich noch2 Reihen großer Fenster übereinander, deren kreisförmige Wölbung nuraus Ziegelsteinen besteht. In den Gang um den östlichen Halbkreis führ-ten 3 Schuh breite Thüren.
Die Idee, daß diese Ruinen von Thermen herrührten, wurde vondem schon erwähnten Architekten Peyre aufgestellt. Indeß waren zu sei-ner Zeit diese Ruinen zu wenig ausgegraben, als daß man mit Sicher-heit auf ihre frühere Bestimmung hätte schließen können. In ihremietzigen Zustande lassen sie eher ihren ursprünglichen Zweck vermuthen.In Folge genauer Untersuchungen hält Herr Stcininger dies Gebäude fürein Pantomimen-Theater. Andere Forscher find der Meinung, diese Rui-nen seien von jeher ein Thor gewesen mit dem Namen der »lb->,im Gegensatze zu der I»ort-> nigr». Seit dem tl. Jahrhundert warübrigens hier beständig ein Thor, Altthor genannt, bis 1817 bei denneue» Ausgrabungen dieses Thor geschlossen und in einiger Entfernungdavon das Weberbacher-Thor eröffnet wurde. Die Neberrcste wurden da-mals an den offenen Seiten mit Pallisaden umgeben, und daneben einHäuschen für einen Aufseher erbaut. Neben dem Thore stand früher dieDreifaltigkcits-Kirche, die aber schon im 16. Jahrhundert niedergerissenwurde. Besonders viel litten diese Ueberreste, als Kurfürst Philipp Chri-stoph von Sötern 1646 hier Befestignngswerke anlegen ließ. Ein Theilder Ueberreste wurde sogar zu Wegebauten verwendet.
Bon dem Palastplatze gelangen wir durch 2 Zugänge in die Weber-bachstraße , eine Fortsetzung der aus der Grabenstraße in südöstlicherRichtung fortlaufenden Palaststraße. Die Weberbachstraße führt in ziemlichgerader Richtung nach Süden dem Weberbachthore zu. Außer der in derNähe dieses Thores liegenden Agneten-Kaserne und dem von dem letztenKurfürsten erbauten Clementinischen Priester-Seminar, das aber weiterzurück in der Nähe des Palastes liegt, finden sich in dieser Straße keinebemerkenswerthen Gebäude. Sie hat ihren Namen von dem, dieselbedurchströmenden Weberbach, der aber überdeckt und der Art geleitet ist,daß man einen großen Theil der Stadt damit unter Wasser setzen kann,eine Einrichtung, die bei dem etwaigen Ausdrucke einer Feuersbrunst undfür das Reinigen der Straßen von großem Vortheil ist.
An das Clcmentinische Seminar stößt mit seiner südöstlichen Eckedas Gpmnafialgebäude, das mit seinem südlichen Flügel an dem engen,aus der Fahrgasse blos zum Seminar führenden Engelsgäßchen fich hin-zieht. Die westliche Hälfte, so weit sie sich über das durch den andernFlügel gebildete Quadrat bis zur Brodstraße hin erstreckt, ist später alsdie übrigen Gebäude, im Jahre 1610 erbaut worden. Leider mußten zudiesem Bau die Ueberreste des Triumphbogens Valentinians und Gratians,der an der Moselbrücke bei der Vorstadt St. Barbara stand, meistentheilsdas Material liefern. Der nördliche Flügel dieses Quadrats ist die so-genannte Jesnitcnkirche, jetzt die Kirche der evangelischen Gemeinde,die aber, sobald die Kirche zu Marimin zum protestantischen Gottesdiensteingerichtet sein wird, wieder an das Seminar und Gymnasium zurück-fällt. Wann sie erbaut worden, ist eben so wenig zu bestimmen, als dieErbauungszeit der 3 übrigen Flügel des Gebäudes. Von 1223 an hattendie Mönche des Minoriten-Ordens hier ihr Kloster, und von ihnen istwahrscheinlich die Kirche mit den andern Gebäuden errichtet worden. DieKirche hat 3, beinahe gleich hohe Schiffe. Das Portal ist besonders be-merkenswerth. Im Jahre 1570 wurden von dem Erzbischofe Jakob vonElz diese Gebäulichkeiten an die Jesuiten verschenkt, die Minoriten muß-ten dagegen in das Lokal der Brüder zum heiligen German, die jetzigeSt. Gervasiuskirche in der Nähe des Neuthores wandern. Die Jesuitenhielten jedoch noch ihre Vorlesungen in dem Univerfitätsgebäude in derDietrichsgasse in der Bursc. Erst nachdem der erwähnte Flügel, der auchjetzt noch zu Sckulsälen dient, erbaut war, wurden auch die Schulenhierher verlegt. Das Erdge'choß der übrigen 3 Flügel dient als Natura-lienkabinct, als Museum und als Bibliothek. Die obern Stockwerkewerden zu Lehrcrwohnungen benutzt. Die Bibliothek hat über 94,000 Bände,unter denen fich viele Jncunabeln befinden. Die größte Merkwürdigkeit der-selben ist der kollex »urciiü. der die 4 Evangelien aus Pergament mit Gold-schrift enthält. Seinen obern Deckel ziert ein herrlicher Onyr. in dem5 Köpfe, vielleicht die Familie des Augustus darstellend, ausgeschnitten
find. Zwei Adler befinden fich ebenfalls auf dem Steine. Die Seitender Deckel schmücken Edelsteine und eigenthümliche Darstellungen derEvangelisten. Im tlollex steht vor jedem Evangelium in lebhaften Far-ben das Bild des betreffenden Evangelisten. Ada, eine Schwester Karl'sdes Großen, soll ihn der Abtei St. Marimin geschenkt haben.
Neben dem Gymnasium steht das Gasthaus zum Trierschen Hof, des-sen westliche Spitze an rie Brodstraße grenzt, dessen Hauptflügel aberfich in nordöstlicher Richtung die Hosengasse hinauf erstreckt. Vom Gym-nasium trennt ihn das Jesuitengäßchen.
Die Brodstraße, in die wir nun gekommen find, läuft zugleich mitder Palaststraße von der Grabenstraße aus. Sie behält ganz die südlicheRichtung und ist für eine Hauptstraße sehr eng. Sie erstreckt sich biszum Gpmnafialgebäude. Ungefähr in ihrer Mitte steht sie durch die vomKurfürsten Johann Philipp angelegte Johann-Philipps-Straße mit demKornmarkt in Verbindung. Dieser große viereckige Platz stößt mit seinerwestlichen Seite an die Fleischstraße, die, wie wir schon angeführt haben,fast parallel mit der Brodstraße vom Hauptmarkte ausläuft.
In der Mitte des Kornmarktes steht der schöne St. Georgs-Brnnnen,zu dem am 2. Juni 1750 unter dem Kurfürsten Franz Georg mit großenFeierlichkeiten der Grundstein gelegt wurde. Den großen steinernen Was-serbehälter umgibt ein eisernes Gitter. Aus diesem erhebt fich eine Säule,an deren Basis die symbolischen Figuren der 4 Jahreszeiten mit ihrenAttributen in mehr als natürlicher Größe angebracht sind. Auf der Spitzeder Säule steht der heilige Georg. Unter und an den 4 großen Figurenspringt aus vielen kleinen Röhrchen das Wasser hervor. Um den Korn-markt liegen die Post, das schöne Casino, die Gebäude der Oberbürger-meistern und das alte Kaufhaus.
In der Fleischstraßc und zwar in dem Theile, welcher fich zwischendem Haupt- und Kornmarkte befindet, liegt auch, auf der westlichenSeite derselben, das ehemalige Carmeliter-Kloster. Seine Hauptfronteerstreckt sich durch das Böhmergäßchen nach Westen. Die zu dem Klostergehörige Kirche ist niedergerissen. Die noch vorhandenen Gebäulichkeitengeben der Gewerbschule, der höhern Bürgerschule, der protestantischen,der jüdischen und der Pfarrschule von St. Gangolph den nöthigen Raum.
Vom Kornmarkte läuft die Fleischstraße noch fort bis dahin, wo dieaus der Brodstraße herabkommende Nagelstraße in dieselbe einmündet. Danämlich, wo die Brodgasse aufhört, und die Neugasse, als Fortsetzungdieser, anfängt, geht in westlicher Richtung die Fahrgasse ab, die sichaber gleich wieder in drei Nebengassen theilt. Die nördliche dieser Ne-bengassen ist die oben genannte Nagelgasse, die mittlere die in dieBrückenstraße, die als Verlängerung der Fleischstraße in südwestlicherRichtung nach der Brücke hinläuft, einmündende Jüdemergasse, die dritteendlich, oder die eigentliche Fahrgasse führt auf den Viehmarkt.
Der Biehmarkt ist ein großer, freier rundum mit einer Akazien-Allee bepflanzter, und in der Mitte mit einem colossalen Brunnen ver-zierter Platz. Diesen Raum nahmen früher die Gebäulichkeiten des Ka-puziner-Klosters und der Garten desselben ein. Die 1764 vollendete, andie Fahrgasse ihrer Länge nach anstoßende Kirche der Kapuziner dientjetzt als Theater. An der westlichen Seite des Viehmarktes ziehen sichbis zur Jüdemerstraße schone und geschmackvolle neue Häuser hin.
Zwischen dem Viehmarkt und der Jüdemergasse steht die St. Antonius-Pfarrkirche. Außer zweien schönen Altären, von denen der eine dem hei-ligen Johannes dem Täufer gewidmet, der andere aber der Mariä-Him-melfahrts-Altar ist, ist Nichts in derselben zu bemerken.
Auch mit der Neugasse steht der Viehmarkt durch ein kleines Gäßchenin Verbindung. Das Ende der Neugasse bildet das Neuthor. Es istwahrscheinlich schon 1192 bei der damaligen Ummauerung der Stadt un-ter Erzbischof Johann I. errichtet worden. Nach der Landseite stehenüber dem Thore drei große Figuren, von denen die mittlere, Christusseine Hände segnend über den zu seiner Rechten stehenden St. Peter undden zu seiner Linken stehenden St. Eucharius ausstreckt. In goldenenBuchstaben stand ehedem über dem Bilde: T'revinienm plebem Vominusbenellieat et urbein *)z und unter den Figuren: 8nneta Ireviris. DieLöcher, in welchen die Buchstaben befestigt waren, find noch zu sehen.
») Der Herr segne das Trieeische Volk und die Stadt!