Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Aus dem Hauptschiffe führt zu dem durch ein eisernes Gitter abge-schlossenen Chöre eine schöne steinerne Treppe. Auf jeder Seite der Treppesteht ein Al'ar und neben diesen die Übergoldeten Statuen Co "stanti»sund der heiligen Helena. Im hintern Theile des Chores steht der Hoch-altar, klein und ans Holz gearbeitet. Hinter dem Hochaltare führt einehohe, schön gearbeitete Marmortrcppe in die Schatz ammer. Die imChöre angebrachten Stühle für die Domherrn find ebenfalls künstlich ausHolz verfertigt. Auf der linken Seite des Chores ist noch eine kleinereOrgel angebracht, die gewöhnlich an den Wochentagen gespielt wird.Unter dem Chöre befindet sich eine Krypta.

Unter den Reliquien, die im Dome aufbewahrt werden, ist besondersder eingenähte Rock unseres Herrn Jesu Christi zu bemerken. Er soll vonder heiligen Helena ans dem Morgenlande nach Trier gebracht und vonihr dem heiligen Agritius geschenkt worden sein. Lange war er verbor-gen und wurde erst wieder vom Erzbischvfe Johann I. im Nikolaus-Choreaufgefunden im Jahre 1196. Jährlich wurde nun derselbe am TagePhilippus und Jakobus ausgestellt. Das letzte Mal wurde er 1810 vom9. bis zum 24. September öffentlich gezeigt. Während dieser Tage kamen227,217 Menschen in den Dom, denselben zu sehen.

An der nördlichen Seite des Domes vorbei führt das Windgäßchenzu der Strafanstalt, ehemals das Dominikaner- und das St. Nikolaus-kloster der grauen Schwestern.

Neben dem Dome nach Süden erhebt sich die herrliche Liebfrauen-kirche, rein im gothischen Style erbaut. Sie wurde im Jahre 1227 unterdem Erzbischof Theoderich II. begonnen, aber erst 1243 oder 1244 unterArnold II. vollendet. Sie wurde aus milden Beiträgen aufgeführt. Be-sonders viel dabei that Kuno, Kaplan Theoderichs II. Auch die benach-barten Länder, namentlich das Erzstist Cöln, ließen es an ihrer Mitwir-kung nicht fehlen. Die Kirche hat die Form eines Kreuzes, dessen länge-rer Schenkel sich nach Osten zieht und den Chor bildet. Das Gewölberuht auf 12 schlanke» Säulen, von denen jede das Bild eines Apostelsträgt. Sie ist so ein erhabenes Bild der Kirche Christi selbst. Wie diesedurch den Tod des Herrn am Kreuze ihre Begründung erhielt, und durchdie 12 Apostel, ihre Stützen, ausgebreitet wurde, so zeigt sich uns hierdas Kreuz, um uns an die unendliche Liebe des Heilandes zu erinnern,und die Bilder der 12 Apostel, deren Säulen das Gewölbe unseres Got-teshauses tragen. Auf den 4 Hauptsäulen, die die Kuppel tragen, stehendie Bildnisse der Apostel Petrus, Johannes, Anrreas und Jakobus. Aufeinem blauen Steine in der Nähe des Eingangs erblickt man.alle 12 Bil-der zugleich. Der Anblick dieses herrlichen Meisterwerkes deutscher Bau-kunst kann nicht verfehlen, einen mächtigen Eindruck auf den für höhereGefühle empfänglichen Menschen zu machen. Leider hat auch der Unver-stand des vorigen Jahrhunderts an diesem Werke, ich möchte sagen, seineBarbarei gezeigt. Die Fenster mit schönen Glasmalereien mußten 1771gewöhnlichen Fenstern weichen, um mehr Licht zu bekommen. Ebensoverschwand der alte Hochaltar, um einem neuen Platz zu machen, derganz und gar dem Style der Kirche widersprechend ist. Unter den Grab-mälern der Kirche verdient wohl die Tumba, mit dem unversehrtenLeichnam des heil. Theodolphus, wie die Inschrift sagt, Erwähnung.

Ehemals zierte diese Kirche auch ein 697 Ellen hoher Thurm, dererst im Jahre 1492 fertig geworden war. Doch nicht viel über 100 Jahrestand er; denn schon 1631 mußte er abgetragen werden, weil er durcheine» Orkan so sehr gelitten hatte, daß er den Einsturz drohte. DasHauptportal der Kirche ist mit schönen Bildwerken geziert; oben ist incolossaler Größe die Kreuzigung Christi ausgehauen.

Zwischen dem Dom und der Liebfranenkirche liegt der zu jenem ge-hörige Krenzgang. Sein Bau fällt mit dem der L Frauenkirche zusam-men. Von ihm aus ist das Bild unserer Kirche aufgenommen.

An die sudliche Seite der Liebfrauenkirche stößt der Bischosshof, ehe-mals eine Domherrn-Curie. An ihm vorbei führt die Liebfrauenstraßenach dem Palastplatze, dem für die Ererzierübungen des Militärs bestimm-ten freien Platze, der seinen Namen von dem darauf stehenden erzbischöf-lichen Palaste hat, dessen römischen Flügel wir näher ins Auge fassen wollen.

Dieser Flügel bildet einen Theil der westlichen Fronte des erzbischöf-lichen Palastes und hat mit dem an seinem nördlichen Ende sich erheben-den runden Thurme eine Länge von 225 Fuß. Die Höhe des Thurmes,

noch heute in der Volkssprache der Heidenthurm genannt, mißt 97 Fuß,rie Länge des Flügels ohne Thurm dagegen 182 Fuß. Neben diesemgroßen erhebt sich ei» zweiter, kleinerer, viereckiger Thurm, in dem eine Wen-deltreppe nach der Höhe des Gebäudes führt. Diesem gleich standen noch 3andere Thürmchcn auf den übrigen Ecken des Baues; denn das ganze Ge-bäude stellte ein Rechteck dar, das eine Breite von 108 Fuß hatte. Der ge-lehrte Wiltheim sah noch in dem 1. Viertel des 17. Jahrhunderts das Ge-bäude in diesem Zustande. An der östlichen und westlichen Seite warenunten und oben 9 offene Arkaden. Die Oeffnungen in den untern Arkadensind in dem noch vorhandenen Flügel mit doppelten Bogen überwölbt, an denobern dagegen mit rrei. Auch in dem großen Thurme befanden sich solcheArkaden, die nun bis auf die Fenster vermauert sind. Das ganze Ge-bäude ist aus großen, 15 Zoll langen und 1'/^ Zoll dicken Ziegelsteinen,die mit einer starken Mörtellage verbunden sind, aufgeführt.

lieber die Bestimmung dieses römischen Gebäudes finden wir nirgendseine sichere Nachricht, daher auch die Meinungen über dieselbe verschiedensind. Herr Wyttenbach hält es mit dem französischen Architekten Peyrefür ein Theater, das mit den naheliegenden Thermen in Verbindung ge-standen habe. Herr Steiuinger dagegen sucht nachzuweisen, daß es eineBasilika war, die keine Verbindung mit den fälschlich so genannten Ther-men hatte, für welche Meinung wirklich auch wichtigere Gründe sprechen.Zur Zeit der fränkischen Könige diente es als Königshof und erst nachPoppo wurde es Wohnung der Erzbischöfe. Schon in der Mitte und inder 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden in dem Innern des Gebäudesvon den Erzbischöfe« Arnold von Jsenburg und seinem Nachfolger, Hein-rich von Vinstingen viele Veränderungen vorgenommen. Nicht müßigwaren auch die Kurfürsten Johann von Baden im 15., und Johann vonSchönberg im 16. Jahrhundert. 1614 begann Lothar den Bau des neuenPalastes; doch vollendete er innerhalb 6 Jahren nur die Nordseite undeinen Theil der Ostseite, Philipp Christoph vollendete von 1625 an dasangefangene Werk. Jetzt wurden auch alle alte Mauern bis auf unsernwestlichen Flügel niedergerissen. Er nannte den Palast die Petersburg.Bei diesen Arbeiten wurde in dem freien Raume des Rechtecks ein mar-morner Mosaikboden gefunden, ein Kanal und Spuren einer Wasserlei-tung, eine Pfütze, ein mit Asche gefülltes und an den Heideuthurm an-stoßendes Gewölbe, ferner ein unterirdisches Gemach mit vielen Abthei-lungen. Philipp Christoph konnte aber, durch seine vielen Kriege ver-hindert, den Bau nicht zu Ende^ führen, sondern mußte dies seinemNachfolgers Caspar von der Leien überlassen. Der vorletzte Kurfürstendlich, Johann Philipp von Waldcrndorf (17561768) ließ den süd-lichen Flügel wieder abreißen und neu aufbauen. Seit der französischenHerrschaft dient der Palast zur Kaserne. Der große, von dem Palastcnach Süden hin bis zu den Ruinen am Altthore und der Agneten-Kasernesich hinziehende Platz war der erzbischöfliche Garten. An der nördlichenSeite dieses Palastes führt der Weg nach dem Musthore vorüber.

An dem südöstlichen Ende dieses Platzes erblickt nian die unter demNamen der römischen Bäder bekannten Ruinen. Den Mittelpunkt dieserRuinen bildet ein großes Rechteck, das 114 Fuß lang und 60 breit ist.An die östliche Seite dieses Rechtecks schließt sich ein großer Halb-kreis an, an dessen südlicher und nördlicher Seite sich. Thürme erheben,in denen Wendeltreppen auf die obern Stockwerke des Gebäudes führen.Die Treppe im südlichen Thurme ist noch ziemlich erhalten. An diekürzern Seiten des Rechtecks schließen sich kleinere Halbkreise an, die durchGänge mit jenen größern in Verbindung stehen. Zugleich führt vonAußen ein 6 Schuh breites und 3 Schuh hohes bogenförmiges Thor indas Innere dieser Räume. In der Nähe des nördlichen Halbkreises sindnoch Trümmer eines Heitzapparates zu entdecken. An die westliche Län-genseite res Rechtecks lehnt sich ein kleineres Viereck an, in das aus demgrößern ein Thor führt. An der nördlichen und südlichen Seite diesesVierecks sind wieder kleine halbkreisförmige Ausbaue. Das Mauerwerkbesteht aus kleinen viereckigen Kalksteinen, mit Ziegelsteinen von verschie-dener Länge abwechselnd. Im untern Theile wiegen die Kalksteine, imobern die Ziegelsteine vor. Die Hauptmauer ist in dem Boden 14, überdemselben 11 Schuh dick, lim den östlich.« Halbkreis läuft eine 6Schuhdicke Mauer, die zwischen sich und dem Hauptgebäude einen 7^ Schuhbreiten, ehemals überwölbten Gang frei läßt. Dieser Gang ist auch