Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Auf der südlichen Seite des Marktes ist der Haupteingang zu derselben,über dem der Schutzpatron der Kirche, der heilige Gangolphus, ange-bracht ist. Die Kirche ist wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut wor-den. Der Thurm, der höchste der Stadt, gewährt eine herrliche Aussichtüber die Stadt und das umliegende Thal. Er wurde gegen Ende des. Jahrhunderts von der fromme» Frau Adelheid von Besselich erbaut;sie verordnete zugleich, daß auf demselben ein Thurmwächtcr wegen Feuers-gefahr angestellt werden sollte. In der Kirche sind vorzüglich bemerkens-werth ein altes Bild, die Abnahme Christi vom Kreuze vorstellend, undder alte eherne Taufstein. Ueber dem Uhrblatte steht in goldenen Buch-staben der Bibelspruch: oi-->to «t vixil.,«« , der dem auf der Domuhrstehenden:ezcilis, <zu» >«-» sur veniet, entspricht. An dem Marktkreuzekann man beide deutlich sehen.

Außer den bereits erwähnten Straßen laufen vom Markte noch,rechts vom Marktkrcuze die enge und dunkle Jakobsgasse nach dem Pfer-demarkt, und in der südwestlichen Ecke des Marktes die breite und an-sehnliche Fleischstraße in südlicher Richtung aus. Durch die Sternsiraßekommen wir, wie schon angedeutet ist, auf den Domfreihos, einen schönen,mit einer Platanen-Allee bepflanzten Platz. Außer dem Rcgieeungsge-bäude, das im Jahre 1836 noch einen neuen, für die Hauptkasse be-stimmten und an der nördlichen Seite des Platzes sich hinziehenden Flügelerhalten hat, umgeben denselben meist Kanonikatsgebäude; nur wenigePrivathäuser stoßen an denselben an. Auf der östlichen Seite prangt derDom mit seinen 4 Thürmen und neben ihm die schöne Liebfrauenkirche.

Die westliche Seite des Domes, die sich auf unserm Bilde darbietet,zeigt in der Mitte einen halbkreisförmigen Ausbau, der ans 3 Stock-werken besteht. Das mittlere dieser Stockwerke hat 3 größere, das obere3 kleinere, oben in Pogenform zulaufende Fenster. Neben dem Halb-kreise erhebt sich auf jeder Seite ein Hauptthurm mit einem Eingange,an den sich wieder ein kleinerer Thurm anlehnt. Der nördliche Haupt-thurm hat nicht dieselbe Höhe, wie der südliche. Die östliche Seile desDomes zieren ebenfalls 2 hohe Thürme, die aber erst zwischen 1717 und1723 unter dem Kurfürsten Franz Ludwig aufgeführt wurden. Ueber-haupt müssen wir, was die Bauart betrifft, am Dome 3 verschiedeneTheile unterscheiden: das ursprüngliche römische Gebäude, die im 11. und>2. Jahrhunderte ausgeführten westlichen und östlichen Ausbaue und end-lich die unter dem eben erwähnten Franz Ludwig vorgenommenen Ver-änderungen.

Die römischen Ueberreste bilden den mittlern Theil des Domes, dasin ein Hauptschiff und zwei gleich große Nebenschiffe eingetheilte Viereck.Die westliche, an das Windgäßchen anstoßende Mauer des Domes, sowieleine nordöstliche lassen ohne allen Zw ifel ihren römischen Ursprung er-kennen. Das römische Gebäude hatte, vom Anfange des Nikolaus-Chores,oder dem westlichen Ausbaue an gerechnet, eine innere Länge von 182und eine Breite von 121 Schuh und ruhte auf 4 Säule» mit 9 Bogen.Jetzt hat das Mittelschiff zwischen den Pfeilern eine Breite von 44 Schuh,jedes der beiden Seitenschiffe etwas mehr als 22. Welches die 9 Bogendes ursprünglichen Gebäudes gewesen seien, läßt sich jetzt nicht mehr mitBestimmtheit nachweisen, da durch die mannigfachen Veränderungen, na-mentlich durch die, welche von Franz Ludwig ausgeführt worden sind,die ursprüngliche Gestalt desselben sehr geändert wurde. Ueber die Be-stimmung dieses römischen Theiles läßt sich ebensowenig etwas mit Be-stimmtheit sagen. Was darüber angegeben werden kann, sind reineMuthmaßungen. Lange sprach man von einem Palaste der KaiserinHelena, der Mutter Constantins I,, der an dieser Stelle gestanden undspäter in eine Kirche verwandelt worden sein soll. Herr OberlehrerSteininger dagegen sucht in dem Gymnasial-Programme des Jahres 1839darzuthun, daß es ein nunäi,>»ru,n , ein Waarenlager, ein Kauf-

haus gewesen sein müsse, indem dafür alle Verhältnisse des Gebäudessprächen.

Welches übrigens immer die Bestimmung des alten Gebäudes gewe-sen sein mag, soviel ist gewiß, frühe schon war es in eine Kirche umge-wandelt worden und im 10. Jahrhundert der Art verfallen, daß an Ab-haltung eines Gottesdienstes in demselben nicht mehr zu denken war.Eine der 4 Säulen war eingestürzt, oder, wie Herr Steininger nachzu-weisen sucht, hatte sich gesenkt, die Bedachung war gänzlich vernachlässigt,

so daß da, wo früher Gebete zum Höchsten emporstiegen, jetzt die Hirtenihre Heerden weideten.

In diesem Zustande fand Poppo, der von 1016 bis 1047 den erz-bischöflichen Stuhl inne hatte, den Dom und faßte den Plan, denselbennicht nur seiner ursprünglichen Bestimmung zurückzugeben, sondern ihnauch bedeutend zu erweitern. Er ließ zunächst das Dachwerk ausbessernund das vorhandene Gebäude zur Abhaltung des Gottesdienstes wiederherstellen. Im Jahre 1036 weihete er den Dom wieder ein. Zugleichbegann er den Bau des Nikolaus-Chores, dessen Vollendung er aber nichterlebte; denn er starb 1047 an einem Sonnenstiche, den er bei der Be-aufsichtigung des Baues erhielt. Was Poppo begonnen hatte, setztenseine Nachfolger Eberhard und Udo fort. Jedoch erst Erzbischof Bruno(1101 1124) ließ den obern Theil des westlichen Ausbaues aufführenund weihte im Jahre 1121 den Nikolaus-Altar ein. Den östlichen Chorschreibt man gewöhnlich dem Erzbischof Hilli» (11521169) zu, obgleichder an demselben in der Höhe sich befindende Bogengang vermuthen lassenkönnte, auch vieler Bau habe schon im Plane Poppos gelegen, da erdem, an dem Ausbau der Part» »igr», von dem wir aber bestimmtwissen, daß er von Poppo gebaut worden, befindlichen ganz gleich ist.Hillin konnte jedoch nur die Fundamente legen; der Tod übereilte ihn anseinem Werke. Für die Ausschmückung des Innern des DomS that be-sonders Erzbischof Johann I., den wir schon mehremale erwähnt haben,sehr viel. Mit diesen Bauten ruhten nun lange die Veränderungen andemselben. Erst Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck begann wieder zubauen und führte die an den östlichen Chor anstoßende Schatzkammer auf.Seine jetzige Gestalt erhielt der Dom unter dem Kurfürsten Franz Lud-wig (17161729). Am 7. August 1717 war nämlich durch ein Feuer-werk der Dom angezündet und besonders das Dachwerk sehr beschädigtworden. Er ließ nun den Dom erweitern dadurch, daß er ihm die Kreuz-form gab, die Fenster vergrößern und das Dachwcrk dauerhaft herstellen.Auf demselben ließ er auch die Bildsäulen der Bischöfe Eucharius, Vale-rius und Maternus und der heiligen Helena aufstellen. Zur Zeit derfranzösischen Revolution litt der Dom sehr viel, besonders durch dieBeschädigung der in demselben sich befindenden Grabmäler. Erst nachdem Abschlüsse des Concordates zwischen der Republik und dem heiligenStuhle im Jahre 1803 wurde derselbe wieder zum Gottesdienste einge-richtet. Bei dieser Gelegenheit wurden auch, um Raum zu gewinnen,6 Altäre und 5 Denkmäler weggeräumt. Das neueste Werk des Domesist die im Jahre 1837 errichtete neue Orgel, die ihren Standort im Ni-kolaus-Chor erhalten hat. Freilich sind dadurch die schönen Bilderwcrkedieses Chores dem Auge entzogen worden, aber einen paffcndcrn Ort zurAufstellung derselben hätte man doch nicht finden können.

Der Dom hat in seinem Innern jetzt außer dem Hochaltäre noch16 Nebenaltäre. Unter diesen zeichnen sich besonders der Altar der heili-gen 3 Könige und der ihm gegenüberstehende Kreuzaltar aus. Beideließ Johann Hugo von Orsbeck in Rom aus Marmor anfertigen. Beidem ersten derselben fand er seine Ruhestätte. Es ist der im Vorder-gründe unseres Bildes sich in seiner ganzen Fronte zeigende. Rechts vondiesem Altare befindet sich in der Wand eine jetzt vermauerte Thüre, diedurch das sogenannte Paradieschen in die Liebfrauenkirche führte. Unterden Grabmälern find besonders das Kurfürst Johann's VI. von Schön-berg, das auf der linken Seite des Domes, ziemlich oben, sich befindet,und das Balduin'S von Luxemburg (-s 1354) im Nikolaus-Chore zu er-wähnen. Das Grabmal Johann's von Schönberg schmücken herrlicheBasreliefs, die aber leider! sehr beschädigt finv.

Die Kanzel steht an dem dritten Pfeiler linker Hand. Sie ist vondem Bildhauer Johann Ruprecht Hoffmann 1572 sehr fleißig gearbeitet.Die Bildwerke auf derselben stellen die 8 Seligkeiten und das jüngsteGericht dar. An dem der Kanzel gegenüberstehenden Pfeiler rechter Handsteht der Allerheiligen-Altar, den sich Kurfürst'Lothar von Metternich(-s 1623) noch vor seinem Tode setzen ließ. Beim Baue dieses Altarsfand man während des Ausgrabens die Bruchstücke jener vor Poppo'sZeit eingestürzten Granitsäulc. Man nahm sie heraus und legte sie vordem Dome nieder, wo sie noch die Blicke der Vorübergehenden auf sichzieht. In der Nähe des heiligen KrcuzaltareS steht an der linkenWand des Domes der schöne marmorne Taufstein.