Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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so daß sie wegen der Dicke der Mauer von Außen wenig sichtbar seinwerden. Die so gewonnenen Räume sollen dann als Museum für die inhiesiger Gegend gefundenen Alterthümer benutzt werde». Schon jetzt wer-den in dem Erdgeschosse dieses Theiles des Gebäudes Bruchstücke vonKunstwerken, Kapitälern, Inschriften u. dergl. aufbewahrt.

Zu bedauern ist es, daß die vor dem Simeonsthore neu erbauteHäuserreihe der Art augelegt ist, daß sie dem Fremden den Anblick derkolossalen entzieht, bis er gerade vor ihr steht. Man sollte den-

ken, es wäre wohl nicht so schwierig gewesen, dieser Häuserreihe einesolche Richtung zu geben» daß man schon von Straß-Panlin aus desganzen Thores ansichtig geworden wäre. Welchen imposanten Eindruckhätte es machen müsse», dieses ehrwürdige Alterthum vor sich zu sehen,und durch dasselbe hindurch die schöne Simeonsstraße mit dem Haupt-markte im Hintergrunde!

Die Einfahrt durch dieses Thor in die Stadt kann nicht verfehlen,einen angenehmen Eindruck auf den Fremden zu machen, und ihm einehohe Zdec von Tr.er zu geben. Leider ist dies auch das einzige Thor,das im Stande ist, eine günstige Ansicht von Trier zu wecken. Wo wirsonst auch hinkomme» mögen, überall sollte man eher denken, in ein Land-städtchen zu kommen, als m die alte ehrwürdige Trcviris. Denn geradean den beiden ander» Hauptthorcn, dem Neutbore und dem Brückenthore,sind meist kleinere unansehnliche Häuser, dabei sind die Straßen nichtbesonders breit. Die Simeonsstraße dagegen hat eine Breite, wie mansie nur für eine schöne Straße wünschen mag; die Häuserssind meist groß undschön, wenn auch in einem einfachen Styl erbaut. Gleich am erstenHause linker Hand, dem Eckhause der Simeons- und der schmalen Rin-derlanzstraße, die, nach einer kurzen Strecke sich umbiegend und nun mitder erster» parallel laufend, in die am entgegengesetzten Ende der Si-meonsstraße auslaufende Glockcngasse mündet, sieht man an dem demThore zugewandten Gwbcl das kolossale in Stein gehauene Bild des h.Christoph, wie er das Jesuskind auf seinen Schultern durch das Wasserträgt. Die Zahl der Knöpfe am Rocke dieses Heiligen dient nebst einereigenthümlichen Abbildung Eulenspiegels auf dem Marktbrunnen demgemeinen Manne als W ahrzeichen Triers.

Diesem Hause gegenüber, auf der andern Seite der Straße stehthinter dem ersten, an der Straße gelegenen Hauie, noch ein altes Gebäude,bezeichnet mit No. 1058,dessen Mauerwerk ebenfalls auf römischen Ursprunghindeutet. Es ist aber weder über seine Entstehung, noch über seine ur-sprüngliche Bestimmung etwas bekannt.

In der Simeonsstraße finden wir auch das älteste PrivatgebäudeTriers, ja wohl der ganzen Gegend. Es ist das unter dem Namen:Zu den drei Königen" in der Stadt bekannte Hans. Seiner Architektur»ach, die im Ganze» die byzantinische ist, zu schließen, fällt seine Ent-stehung zwischen 1150 und 1220. Im Erdgeschosse hat es so viele Ver-änderungen erlitten, daß seine ursprüngliche Einrichtung nicht mehr zuerkennen ist. Es hatte früher auf der rechten Seite ein Einfahrtsthor,in dessen Lünette die heiligen drei Könige standen. Neben dem Thore wa-ren die Fenster ganz ähnlich denen, die sich jetzt noch im dritten Stock-werke befinden. Zwischen diesen beiden Fensterreihen, im mittlern Stockbefand sich eine Reche kleinerer Fenster.

Am südlichen Ende der Simeonsstraße läuft, wie schon vorhin er-wähnt, in östlicher Richtung die Glockengüsse aus. Da wo sich diese indie Sichelgasse verliert, steht das Kloster der welschen Nonnen. Bei derAufhebung der Klöster unter französischer Herrschaft wurde zwar auch diesKloster aufgehoben, jedoch den vorhandenen Nonnen der Besitz des Mo-biliar-Vermögens und der Gebäulichkeiten versichert, unter der Bedingung,daß sie eine Unterrichtsanstalt für junge Mädchen nach den bestehendenGesetzen errichteten. Da der Unterricht dieser Schwestern den Anforde-rungen der neuern Zeit nicht mehr genügte, wurden in den letzten Jahrenweltliche Lehrerinnen in dieser Schule angestellt. Die jetzigen Gebäulich-keiten wurden im Jahr 1787 vollendet.

Der Glockengasse gegenüber, etwas mehr dem Thore zu, geht dieMoselgasse aus der Simeonsstraße nach dem Pferdemarkt, einem ganzunansehnlichen Platze, ab, an dessen südlicher Seite die Freimaurerlogeliegt, ehemals das St. Annenkloster. Von dem Pferdemarkt führt diewenig bebaute Deutschgasse nach dem Martinslhorc, so genannt von der

vor demselben liegenden Abtei St. Martin. Neben diesem Thore findetsich noch das deutsche Haus, jetzt als Militär-Magazin benutzt. DerDeutschherr»-Orden war bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts nachTrier gekommen, und hatte hier eine Komchurei. Dicht nebe» demThore wurde während dieses Sommers noch ein neues, schönes Maga-zin erbaut.

Die Verbindung der Simeonsstraße mit dem Hauptmarkte bildet derFischmarkt, eine Strecke von 80 bis 90 Schritten, und bietet einensonderbaren Contrast gegen die großartige Simeonsstraße dar. DieHäuser sind nämlich nicht von Steinen erbaut und treten dabei alle überdas Erdgeschoß gegen 6 Fuß hervor und bringe» so ein düsteres Aus-sehen hervor.

Der Hauptmarkt selbst ist ein schöner, großer, viereckiger, jedoch nachder Simeonsstraße enger zulaufender Platz. Er ist der belebteste Platz derStadt, sckwn deßwegen, weil auf ihm alle Hauptstraßen der Stadt zusammen-laufen. Besonders lebhaft ist derselbe zur Zeit der beiden, übrigens keines-wegs bedeutenden Messen Triers, der PeterS- und der Allerheiligen-Messe, so wie an den gewöhnlichen, Dienstags und Freitags Statt fin-denden Wochcnmärkten. An schönen Sommerabendcn dient er mit derSimeonsstraße den Einwohnern der Stadt zu Spazicrgängen. Rechtbunt wogt da oft die Menge durch einander.

Das merkwürdigste Gebäude des Hauptmarktcs ist die sogenannteSteipc, ehemals das Rathhaus, jetzt mit dem dancbenstehenden Hause,nach der Dietrichsgasse hin, das Gasthauszum rothen Hause" bildend.Dieses Gebäude muß nach einer Nachricht vom Jahre 1400 kurz vordieser Zeit erbaut worden sein. ES liegt an der westlichen Seite desMarktes und bildet das Eckhaus des Marktes und der Dietrichsstraße.Sein jetzt zum Spcisesaal eingerichtetes Erdgeschoß war bis zur franzö-sischen Zeit, wo das Gebäude an Privatleute kam, ein freier Durchgang,über dem auf Pfeilern, wovon das Gebäude seinen Namen hat, sich dieübrigen Stockwerke erhoben. Die drei dem Markt zugewandten gothischenBogenfenster, so wie die drei an der linken Seite des Hauses sich befinden-de», den erster» ganz ähnlichen, bildeten die freien Zugänge. Die Frontedes untern Stockwerkes zieren die 4 Schutzheiligen Triers: Philippus,Helena, Petrus und Paulus; das zweite Stockwerk zwei geharnischteRitter.

Im Vordergründe des Bildes, auf welchem sich die Steipe unsermBlicke darbietet, sehen wir den großen Petersbrunnen. Er steht nachdem südöstlichen Ende des Marktes zu, der Grabenstraße gerade gegen-über. Auf seiner Spitze thront das Bild des heiligen Petrus; unterdemselben erblicken wir die symbolischen Figuren der Klugheit, der Stärke,der Gerechtigkeit und der Mäßigkeit. Eine auf dem Brunnen sich be-findende, in lateinischer Sprache abgefaßte Inschrift sagt, daß im Jahre1595, also unter der Regierung des Kurfürsten Johann VI. von Schön-berg, diese Bildsäule» aufgestellt worden seien. Ob damals der ganzeBrunnen angelegt worden sei, läßt sich aus derselben nicht bestimmen,wenigstens ist es nicht ausgesprochen. Dem Brunnen fast gegenüber er-hebt sich eine Granitsäule, deren Spitze ein Kreuz ziert. Wie die aufdemselben stehende Inschrift verkündet, wurde es im Jahre 958 von demErzbischose Heinrich I. zum Andenken an die Kreuze errichtet, die umjene Zeit vom Himmel sielen, um die sundhaften Trierer zur Buße zumahnen.

Der Steipe gegenüber, auf der östlichen Seite des Marktes liegtdie Hauptwachc, die in dem, an den Markt stoßenden Flügel des Rcgie-rungsgebäudes liegt. Dieses Gebäude war zur kurfürstlichen Zeit dieWohnung des jedesmaligen Domprobstes und diente während der franzö-sischen Herrschaft zum Sitz der Präfektur, wie es jetzt zum Sitze derNegierung benutzt wird. Seine Hauptsronte ist nach dem Freihofe ge-richtet. Der an den Markt stoßende Theil ist nur ein Flügel desselben,der übrigens die ganze Länge der freilich kurzen Sternstraße auf ihrernördlichen Seile einnimmt. Die übrigen, den Markt umgrenzenden Häu-ser sinv Privathäuser, aber ohne Ausnahme ansehnlich, so daß sie einenangenehmen Eindruck zurücklassen. Neber die südliche Häuserreihe desMarktes ragt die St. Gangolphskirche hervor. Sie ist von Häusernganz umgeben, so daß sie dadurch in ihrem Innern ein düsteres Aus-sehen erhält. Sie ist dadurch auch die unfreundlichste Kirche der Stadt.