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4 (1843)
Entstehung
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Pallastplatz, der Korn- und der Viehmarkt. Sie geniigen dem Bedürf-niß der Einwohner in vollem Maaße. Thpre zählt Trier acht, von denenkeines, mit Ausnahme des Simeonsthores, irgend einer Aufmerksamkeitwerth ist, es müßte denn sein, »m sie als Belege des schlechten Ge-schmacks ihrer Erbauer hinzustellen. Selbst das vor wenigen Jahren neuerbante Mnsthor läßt sich keineswegs in die Reihe der schönen und ge-schmackvollen Thore setzen, die wir anderwärts finden. Namentlich stehendie auf demselben fich befindenden Statuen der Diana und Minerva inkeinem richtigen Verhältniß zu der Höhe des Thores. Freilich ist es blosein Nebenthor; man mochte es daher nicht für nöthig halten, so besondersviele Sorgfalt auf dasselbe zu verwenden.

Indem wir zur Beschreibung der Stadt im Einzelnen übergeben,wollen wir mit dem Simonstkore, wie es jetzt gewöhnlich genannt wird,als dem merkwürdigsten Ucberbleibsel ans Triers Glanzperiode, beginnen.Dieses Bauwerk, auch Port» m.irti«, pnii» »igr» und Römerthor ge-nannt, ist unstreitig eins der merkwürd gsten Baudenkmale, die irgendeine Stadt Europas diesseit der Alpen aus alten Zeiten auszuweisen hat.Zu allen Zeiten hat es die Aufmerksamkeit der Alterthumsfreunde auf sichgezogen und ihre Neugierde rege gemacht. Der Forschungsgeist warimmer thätig, sichere Spuren der Zeit seiner Entstehung und seiner ur-sprünglichen Bestimmung aufzufinden. Es haben sich daher auch die ver-schiedensten Ansichten über diese beiden Punkte geltend z» machen gesucht.Während die Einen seinen Ursprung noch in die vorrömische, also in diebelgische Zeit setzen, zähle» es Andere zu den römische» Baudenkmalen.Ja Nr. Kugler ans Berlin, der im vorigen Jahre die Rheinprovinz be-reiste, »m die merkwürdigen Alterthümer derselben aufzunebmen, suchtedarzuthun, daß dieses Thor erst in die Zeit der Merovingiseben Königefalle, und also keineswegs so alt sei, als man gewöhnlich annehme.Hinsichtlich seiner Bestimmung sind die Meinungen ebenso verschieden.Ein Theil der Forscher schreibt ihm in seinem Ursprünge keine andereBestimmung zu, als die es jetzt hat, also die eines Thores; nur mitdein Unterschiede, daß es zugleich als Befestignngspunkt diente; ein an-derer Tbeil hält es für eine» Versammlungsort der alten Trierer, indem sie ihre Berathungen hielte»; der dritte Theil endlich für einenTriumphbogen. Herr Direktor Wpttcnbach, der sich vieles Verdienstdurch seine sorgfältigen und unausgesetzten Forschungen über die Alter-thümer Triers erworben hat, war früber der Ansicht, dieses Gebäudestamme aus den Zeiten der belgischen Trierer. Später änderte er seineAnsicht und setzte es in die Zeit Constantins I. Er vermuthet, sich aufGedächtnißmünzen stützend, die bei uns vorkommen und ans der einenSeite den Kopf Constantins tragen mit der Umschrift ll«i><!t-»>»i »»5 ,auf der andern Seite aber eine massive Port, mit 2 Thürmen und derUmschrift pr»v!<lo»ii» »gg. zeigen; die Vollendung möge zwischen dieJahre 314 »nd 322 fallen. Schon früher hatte Hetzrodt in seinem Werke:Nachrichten über die alten Trierer, die Behauptung aufgestellt, die p»rt»»igr» falle in die Constantinische Periode. Diese Ansicht stützt sich vor-züglich auf eine Rede des l?»n>e»>!5, die er im Jahre 316 vor Constantinselbst in Trier hielt. In dieser Rede lobt er, daß durch die besondereSorgfalt des Imperators Trier, das durch die Einfälle der Allemanncnund Franken fast in einen Schutthausen verwandelt worden war, wieverjüngt sich wieder aus seinen Trümmern erhoben habe. Namentlichführt er an, daß es in seiner ganzen Ummanerung neu geworden sei.Wenn dies im vollen Sinne des Wortes wahr ist, so ist kein Grundvorhanden, zu zweifeln, daß auch nicht damals die Port» »igr» entstan-den sein sollte. Daß aber gerade hier ein so kolossales Gebäude alsThor aufgeführt wurde, erklärt sich leicht dadurch, daß diese Seite derStadt diejenige war, ans welche die aus Germanien herüberströmendcnwilden Völker zuerst ihren Angriff richteten, weil sie der erste Punkt derStadt war, ans den sie stießen. Es war also auch nöthig, ihnen hierden größten Widerstand entgegenzusetzen. Nach dieser Ansicht hatte esalso den doppelten Zweck eines Thores und eines Befestigungspunktes.Und wirklich hat dieses Gebäude bis jetzt allen Stürmen getrotzt, so sehrauch die Wnth der Menschen und der Zahn der Zeit an demselben genagthaben. Ja noch manches Jahrhundert kann es eine Zierde unserer Stadtsein, besonders da jetzt auf seine Erhaltung mehr Sorgfalt verwendet -wird, als dies früher geschehen ist. Der westliche Thurm, auf unserm

Bilde der auf der rechten Seite, ist bereits mit einem Dache versehen,»nd wohl wird es nicht gar zu lange mehr zugehen, bis das ganze Ge-bäude mit einer zweckmäßigen Bedachung überdeckt und so gegen Wetterund Sturm geschützt ist.

Das Gebäude ist von grauen, durch die Zeit jedoch geschwärztenSandsteinblöcken aufgeführt. Sie sind meistens 4 bis S. ja auch 7 bis 9 Fußlang, bei einer Breite von 2 bis 3 Fuß, und sind ohne Mörtel, bloßdurch eiserne Klammern so fest auf einander gefügt, daß die Fugen zwischenden einzelnen Steinen wenig hervortreten. In seinem mittlern Theileist das Gebäude 47, in seinen beiden hervorspringenden Seitentheilen67 Fuß breit. Nach der Fcldseite nämlick, oder der Hauptfronte desThores, die sich auf unserm Bilde zeigt, springen diese in halbkreisförmi-ger Form gegen 15 Fuß vor, nach der Stadtseite dagegen nur um 4 Fuß,und zwar in grader Linie. Die Länge des ganzen Baues beträgt 115 Fuß.Seine ursprüngliche Höhe in dem mittlern Theile zählt 69 Fuß 11 Zoll,an dem Thurme zur Rechten dagegen auf unserm Bilde 91 Fuß 1 Zoll;denn er ist ein ganzes Stockwerk höher als der östliche Thurm und dieMitte. Die Mitte des Erdgeschosses nehmen zwei Thore ein, die eineBreite von 14 Fuß und eine Höhe von 12 Fuß 3 Zoll haben, und durcheinen starken Pfeiler getrennt find. Ursprünglich müssen diese Thore be-deutend höher gewesen sein, da die Straße mit der Zeit beträchtlich er-höht wurde. Das Erdgeschoß in den beiden Seitenthcilen ist dunkel undund zum Theil noch überwölbt. Ueber dem Erdgeschosse erheben fichnoch 2 Stockwerke, der westliche Thurm zählt sogar drei. Jedes der bei-den Stockwerke hat im Mirtcllhcile des Gebäudes nach der Stadt-, wieder Landseite 6 Fenster, die 3^ Fuß breit, 6 Fuß hoch und oben inhalbkreisförmiger Form gewölbt sind. Die beiden Seitcntheile zählen injeder Frontseite, wie in jedem Stockwerke 3, in der Querseite 6, denübrige» ganz gleiche Fenster. Zwischen den Fenstern befinden fich Säulenvon toskanischer Ordnung, an den Giebelansichten außer 4 Säulen 5 Pi-laster. An der Frontseite springen diese um ^ ihrer Stärke, an denSeiten dagegen nur 3 Zoll vor. Im Innern des Gebäudes hat -derHaupttheil zwei Hallen, nach der Stadt- »nd Landwite, die durch Fcn-sterreihen durchbrochen sind und übereinander liegen. Durch diese warendie beiden Seitentheile verbunden. Von der obersten Halle herab hatman eine schöne Aussicht über das Moselthal nach Ruwer. An der öst-lichen Seite des alten Baues erhebt sich noch der aus der Zeit Poppo'sherrührende neuere Anbau, in dem fich der Hauptaltar der Kirche befand.

Jin Jahre 162? nämlich hatte der griechische Mönch Simeon denErzbischof Poppo auf seiner Wallfahrt nach dem heiligen Grabe begleitet, undwar mit ihm nach Trier zurückgekehrt. Hier ließ er fich 1628 freiwilligin einem der Seitenthürme einschließen. Bis zu seinem Tode 1635 lebteer so ganz abgeschlossen von der übrigen Welt. Nachdem er durch denPabst Benedikt IX. heilig gesprochen worden war, beschloß Poppo, diesesGebäude in eine Kirche zu Ehren des heiligen Simeo» zu verwandeln.Zu dem Ende wurden von beiden Seiten die Thore mit Erde beworfen,von Außen eine Treppe angebracht und jener vorhin erwähnte Anbau auf-geführt. Das Erdgeschoß wurde überwölbt und so eine unterirdische, zuGrabstätten bestimmte Kirche von der obern zum Gottesdienste eingerich-teten getrennt. Bis zur französischen Revolution diente das Gebäudenun zur Kirche, obgleich es auch verschiedene Male als Bcfestigungspunktbenutzt wurde. Ja Philipp Christoph von Sötern harte einmal den Ge-danken, es ganz diesem Zwecke zu widmen. Nachdem im Jahre 1794die Franzosen unsere Gegenden besetzt hatten, wurde die St. Simeons-kirche aufgehoben, und verfiel immer mehr. Der preußischen Regierungwar es vorbehalten, fich dieses merkwürdigen Bauwerkes wieder anzu-nehmen. Im Jahre 1815 wurde bereits die an der östlichen Seite an-gebaute Kapelle niedergerissen, bald auch die Treppe weggeräumt unddas alte Doppelthor wieder hergestellt. Am 22. Juli 1817 hielt derdamalige Kronprinz, des jetzt regierenden Königs Majestät, seinen Ein-zug in Trier durch die zum ersten Male wieder geöffnete l>»rt» »igr».Jetzt hat die Gesellschaft nützlicher Forschungen zu Trier den Plan gefaßt,den westlichen Thurm der ?<^t» »ig,». als den am besten erhaltenen,durch 2 Balkenlagen in 3 Stockwerke abzutheilen, die durch Treppen miteinander in Verbindung gesetzt werden. Die Fensteröffnungen sollen durchin eiserne Rahmen gefaßte GlaSfenster von Innen verschlossen werden,