Zeitraums es nicht ganz und gar in Frieden ließen. Im Jahre 1720ließ der Kurfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuerburg die Moselbrückewieder herstellen und 1721 die Stadtmauern wieder aufbauen. Derletzte Kurfürst von Trier war der am lg. Februar 1768 auf BetreibenMaria Theresia's gewählte Clemens Wenzeslaus, Sohn August'S,Königs von Polen und Kurfürst von Sachsen.
Die Folgen der französischen Revolution zeigten sich auch bald inTrier. Schon im September 1789 fanden hier tumultuarische AuftritteStatt, jedoch ohne weitern Erfolg. Die preußischen Truppen, die1792 unter dem Befehle des Herzogs von Braunschweig gegen Frank-reich zogen, nahmen durch Trier ihren Marsch.
Am lg. August 1794 rückten endlich französische Truppen in Trierein und legte» der Stadt eine Brandschatzung von 1,500,000 Livresauf, ebensoviel dem Lande. 1795 wurde bereits eine Municipalitätund ein Friedensgericht organisirt. 18gg wurde Trier zum Hauptortcdes Saardepartements erklärt. 1802 endlich wurden alle Klöster undgeistliche Stiftungen aufgehoben, ihr Vermögen eingezogen und inTrier ein Bisthum errichtet.
Während der übrigen Zeit der französischen Herrschaft ist von Trierwenig zu berichten. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1814rückten die ersten preußischen Truppen in Trier ein, und bald darauf hieltder General-Gouverneur des Mittelrheines, der Etatsrath JustusGrüner, seinen feierlichen Einzug in Trier.
Am 5. April 1815 nahm König Friedrich Wilhelm m. von Preußendurch ein Patent Besitz von den ihm zugefallenen Ländern am Rheinund somit auch von Trier.
Bei der nun erfolgenden desinitiven Organisation der preußischenRheinprvvinz wurde Trier zur Hauptstadt des nach ihr benannten Re-gierungsbezirks erhoben. Ucberhaupt hatte Trier den Wechsel derHerrschaft keineswegs zu beklagen. Wenn auch von dem Zeitpunktean, wo Trier wieder zu Deutschland zählte, sein Handel wenigerblühend war, als unter der Fremdherrschaft, indem seine Lage, so dichtan der Grenze und durch seine beiderseitigen Gebirge gleichsam vonden übrigen Theilen der Rheinprovinz mehr oder weniger abgeschlossen,durchaus nicht geeignet war, denselben zu fördern, so wurde es andernSeits hinlänglich dadurch entschädigt, daß es der Sitz so mancher Be-hörden wurde. Denn außerdem, daß hier die Regierung ihren Sitzerhielt, wurde ein Landgericht eingesetzt, das bis zu der im Jahre1835 erfolgten Errichtung des Landgerichtes zu Saarbrücken seine Wirk-samkeit über den ganzen Regierungsbezirk ausdehnte; ebenso ist es derSitz eines Hauptzollamtes und mancher anderer untergeordneten Be-hörden. Besonders aber gewann es in militärischer Hinsicht; denn eswurde der Sitz der 16. Division, der 16. Infanterie-, der 16. Land-wehr- und der 16. Cavallerie-Brigade, außerdem die Garnisonsstadtdes 3g. Infanterie-, des 8. Ulanen - Regiments und des Stammes des1. Bataillons des 30. Landwehr-Regiments nebst seiner AbtheilungArtillerie.
In kirchlicher Hinsicht wurde Trier der Sitz eines Bischofs, demein vollständig organisirtes Domkapitel zur Seite steht, bestehend auseinem Domprobste, einem Domdcchanten, acht Canonicis und sechsVikarien. Der erste Bischof unter preußischer Herrschaft war der imJahre 1824 ernannte, und im Jahre !1836 verstorbene Herr Josephvon Hommer. Nicht minder hoben sich die Unterrichtsanstalten derStadt, namentlich das bischöfliche Seminar und das Gymnasium. Neuerrichtet wurden die höhere Bürgerschule und die Gewerbschule.
Alles dies zusammengenommen, konnte nicht verfehlen, einen ziem-lich lebhaften Verkehr in Trier hervorzurufen, und so die billigenWünsche seiner Einwohner in materieller Beziehung zu befriedigen.Freilich kann sich Trier in der Lebendigkeit des Verkehrs nicht in Pa-rallele stellen mit seinen Schwesterstädten am Rhein, denn dazu steht,wie oben schon angedeutet ist, seine Lage ihm durchaus hindernd imWege; aber nichts destoweniger hat es einen wohlhabenden Bürgcr-stand, dem man durchgehends Gradheit und Biederkeit im Charakterzuerkennen mnß. Dabei wird ihm Niemand Sinn für Häuslichkeit undSparsamkeit absprechen, Eigenschaften, die gewiß darin begründet sind,daß Trier nicht so sehr von Fremden besucht wird, als die Rheinstädte,
und also seine Einwohner nicht dadurch, daß sie täglich den Aufwandvor Augen haben, ebenfalls zu Ausgaben verleitet werden, die ihreKräfte übersteigen. Wo aber ein gediegener Bürgerstand ist, das zeigtdie Erfahrung aller Zeiten, da sind auch die Verhältnisse nicht soschlecht. Wahr ist es übrigens anch und läßt sich keineswegs läugnen:Trier hat mit der ganzen Mosel durch den Zollverein sehr viel verlo-ren. Die Weingüter, die bis zu dem Beginne desselben einen sehrhohen Werth hatten, sind seitdem sehr gesunken; den» sobald die Rhein-weine mit den Moselweinen frei concurriren konnten, wurden die ge-ringern Sorten des letztcrn wenig mehr gesucht; der Ertrag der Wein-berge stand also in keinem Verhältnisse mehr mit den Kosten, die ihreBebauung erforderte. Ja an manchen Orten sah man sich genöthigt,den Weinstock auszuwerfen und den bisherigen Weinberg als Ackerlandzu benützen. Aber auch diese Rachtheile werden sich allmählig wiederheben und vorzüglich für Trier, wenn durch die jetzt ins Leben getre-tene Dampfschifffahrt Trier und mit ihm die ganze Moselgegend mehrmit dem so regen Treiben am Rheine in Verbindung tritt.
Wir hätten nun so ein kurzes Bild der Geschichte Triers von sei-nen ältesten Zeiten bis auf den heutigen Tag vor den Blicken desLesers vorüberführt, und wir könnten demnach zur Beschreibung des-selben, wie es sich jetzt dem Beschauer darstellt, übergehen. Den Fa-den, den wir hierbei befolgen wollen, sollen uns die Hauptstraßenund die Hauptplätze an die Hand geben.
Trier hat, wie schon am Anfange dieser Beschreibung gesagt wor-den, einen im Verhältniß zu seiner Einwohner- und Gcbäudezahl sehrgroße» Umfang, da durch die vielen, innerhalb seiner Mauern gele-genen Gärten die Häuser nicht so dicht an einander liegen, wie diesin andern Städte» der Fall ist. Mit Ausnahme von nur wenigenStraßen ist fast kein, nur einigermaßen bedeutendes Haus zu finden,hinter dem nicht auch ein Garten liegt. Dadurch ist es auch nur möglich,daß bei etwa 16,000 Einwohnern und 1200 Häusern Trier doch einenUmfang von fast einer Stunde Weges hat. Diesen Umfang erhieltTrier schon unter dem Erzbischofe Johann I., der im Jahr 1l92 dieStadt mit Ringmauern umgeben ließ. So oft auch in der Folgezeitdie Mauern eingerissen und wieder aufgebaut wurden, stets wurdedoch dieselbe Ausdehnung beibehalten. Rund um die Stadt, mit Aus-nahme der Moselseite, laufe» Alleen von Nußbäumen, die aber nunleider! durch ihr hohes Alter an manchen Stelleu abzusterben beginnen,und also manche Lücken lasse», durch welche die Sonne ihre brennen-den Strahle» ungehindert auf das Haupt der Lustwandelnden herab-senke» kann. Aehnliche Alleen, nur jünger, führen von dem Simcons-thorc nach der Marimin-Kaserne. Der ehemalige Festungsgrabenaußerhalb der Mauern ist bereits größtentheils zugeworfen und wirdzum Theil als Feld- und Gartenland, zum Theil als Wiese benutzt.Auch einzelne Häuser erheben sich schon am Simeons- und Musthoreauf diesem Raume. Welche günstige Gelegenheit hätte dieser Grabenzu allerlei künstlichen Anlagen dargeboten, wären nicht die Einkünfteder Stadt zu beschränkt, als daß sie an solche Verschönerungen denkenkönnte. Statt Geld auf denselben zu verwenden, muß sie vielmehrGeld aus demselben ziehen, indem sie die einzelnen Stücke verpachtetoder verkauft.
Was das Innere Triers anlangt, so hat es wenige großartige Ge-bäude auszuweisen, aber viele schöne Häuser, die auf den Wohlstandihrer Bewohner schließen lassen. Anch darin steht es vielen großen Städ-ten nach, daß wir wenig glänzend eingerichtete Läden finden. Erst inder allerneucsten Zeit haben die Kaufleute angefangen, anch dem Aeußernihrer Läden einige Aufmerksamkeit zu widmen, und so sind einige wirklichsehr geschmackvolle Läden entstanden, die allen Anforderungen entsprechen.Die Straßen der Stadt haben aber den Vorzug vor den Straßen vielerandern Städte, daß sie meistens ziemlich gerade fortlaufen, und langenicht so winkelig sind, wie wir sie sonst in den alten Städten finden.Ihre Breite läßt übrigens an vielen Stellen noch gar Manches zu wün-schen übrig. Das wohlunterhaltene Pflaster, wenigstens in allen Haupt-straßen, wird aber gewiß Jeder loben, der Gelegenheit hat, es zu be-nützen. Unter den öffentlichen Plätzen ziehen besonders fünf unsereAufmerksamkeit auf sich. Es sind der Hauptmarkt, der Domfreihof, der