aus. Besonders heftig entbrannte dieser unter Jakob III Im Frühjahre1568 kündigten die Trierer dem Erzbischofe offen Krieg an. Von bei-den Seiten wurden nachdrückliche Rüstungen unternommen. Die Bür-ger errichteten zu St. Martin, in der SimeonSkirche und am AltthoreBefestigungen, um den Angriffen desselben bessern Widerstand leisten zukönnen. Nach mehrern glücklichen Ausfällen erfochten fie sogar amheiligen Dreifaltigkeits-Sonntage einen völligen Sieg über die Trup-pen des Kurfürsten. Kaiser Maximilian II. stellte die Ruhe wiederher, indem er beiden Theilen befahl, die Waffen niederzulegen. Aml8. März 1589 erschien endlich ein Urtheilsspruch der Reichskanzelei,nach welchem die Stadt ihre Rechte verlor und unter die weltlicheMacht des Kurfürsten gestellt wurde. Am 6. Juni hielt dieser seinenfeierlichen Einzug in die Stadt, umgeben von kaiserlichen und fürst-lichen Gesandten. An der Spitze des Zuges ritt, wie zur Verhöhnungder Bürger, der kurfürstliche Koch, einen großen Kochlöffel schwingend.Am folgenden Tage mußten auf einer eigens dazu auf dem Marktevor der Steipe errichteten Bühne Bürgerschaft und Rath, der bereitsneu ernannt war, den Eid der Treue schwören.
Die nun folgende Regierung Johann's VII. von Schönenburg(1581 — 1599) zeichnete sich durch die Menge der Herenprozesse aus,die in Trier sowohl, als im ganzen Erzstifte angestellt wurden.
Höchst stürmisch für das ganze Erzstift, besonders aber für dieStadt Trier war die lange Regierung des streitsüchtigen KurfürstenPhilipp Christoph von Sötern (1623—1652). Hcrrschsüchtig, dabeinicht gewohnt, auf halbem Wege stehen zu bleiben, scheute er kein Mit-tel, um zu seinem Ziele zu gelangen. Was seinem Plane, eine unnm-schränkte Herrschaft über das Erzstift zu begründen, im Wege stand,griff er an und suchte es zu bekämpfen, bald die Landstände, bald dasDomkapitel. Schon auf dem Landtage, den er 1625 nach Trier beru-fen hatte, gerieth er wegen Gcldforderungen mit diesen in StreitDer Kampf zieht sich fort bis zum Jahre 1631, wo von den Kurfürstenvon Mainz und Baiern, die als Schiedsrichter bestellt worden waren,gegen den Erzbischof entschieden wurde. Aufgebracht über diesenEntscheid, verließ Philipp Christoph die Sache des Reichs und schloßsich an Schweden und Frankreich an. Bis dahin war Trier von denWirkungen des eben wüthende» 39jährigen Krieges verschont gebliebenund hätte es ohne den Verrath des Kurfürsten an der deutschen Sachevielleicht noch lange bleiben können. Aber bereits am 25. Juli desJahres 1632 erschien ein französisches Truppcncorps vor Trier undforderte die Stadt zur Uebergabe auf. Obgleich die aus Luxemburgzur Hilfe herbeigerufene spanische Besatzung mit den Bürgern sich tapfervertheidigte, so mußte sich die Stadt doch am 29. August dem Feindeübergeben. Die Franzosen hauseten nun in Trier wie in Feindes Land;sie dachten nicht daran, daß es eine Stadt ihres Bundesgenossen sei.Philipp Christoph selbst benutzte ihre Anwesenheit, um gegen seineWidersacher schonungslos zu wüthen. Dies ging so weit, daß dieStadt sich gegen die Franzosen empörte, weil diese sie nicht gegen denKurfürsten schützen wollten. Endlich überfiel am 25. März 1635 ein spani-sches Corps von >299 Mann, von Luxemburg aus, Trier, bemächtigtesich desselben durch List und nahm den Kurfürsten gefangen. Schon amfolgenden Tage ward er als Gefangener des Kaisers nach Belgienabgeführt.
Durch die Entfernung des Kurfürsten wurden aber keineswegs dieSachen besser; der Druck, der unter Philipp Christoph begonnen hatte,wurde unter der provisorischen Regierung des Domkapitels nur im-mer schwerer. 1637 brachen wirklich zwischen Geistlichkeit und Bürger-schaft Unruhen aus, weil jene sich weigerte, an den Lasten mit Theilzu nehmen. Nur mit Mühe konnte das Domkapitel die Parteien wiederversöhnen, denn das Elend war sehr groß geworden.
Im Jahre 1645 erhielt der Kurfürst seine Freiheit wieder, undsogleich wurden die Franzosen wieder ins Land gerufen. Ein Corpsunter Türenne war früher da, als der Kurfürst selbst, und fordertedie spanische Besatzung zur Uebergabe der Stadt auf. Obgleich diesenicht wich, sondern dem Kurfürsten pflichtmäßig die Schlüssel der Stadtübergab, so wollte dieser doch nur durch französische Soldaten inseinen Palast zurückgeführt werden. Als bald darauf die Franzosen
und Schweden wieder siegreicher in ihren Unternehmungen waren,glaubteauch Philipp Christoph, nicht so streng an das dem Kaiser gegebeneVersprechen sich halten zu müssen, und suchte sich in Trier zu befestigen,um die Bürger im Zaume halten zu können. Er ließ durch französischeIngenieurs drei Befestigungswerke errichten: eins nach der Moselbrücke,wovon noch jetzt die Schanzstraße ihren Namen hat, ein anderes beiSt. Martin, das dritte am Altthore in den römischen Bädern, wodurchdiese Ruinen bedeutenden Schaden litten.
Mit dem westphälischen Frieden kehrte noch keineswegs die Ruhein die Mauern Triers ein, denn neuer Kampf war zwischen dem Dom-kapitel und dem Kurfürsten wegen der Wahl eines Coadjutors ent-standen. Philipp Christoph's Lieblingsgedanke war es, einen Franzosenzu seinem Nachfolger zu haben; selbst an Richelieu dachte er hierbeieinen Augenblick. Da er diesen Plan nicht verwirklichen konnte, er-nannte er am 28. April 1649 Ludwig von Rciffenberg zu seinem Coad-jutor. Jetzt rüstete sich aber das Domkapitel und zog gegen Trier.Die Franzosen mußten kapituliren und am 19. Juni abziehen, PhilippChristoph aber den im folgenden Jahre vom Domkapitel gewähltenund vom Pabste bestätigten Coadjutor Karl Caspar anerkennen. DieStreitigkeiten endigten indeß erst mit dem Tode des Kurfürsten, der am7. Februar 1652 erfolgte, und Karl Caspar von der Lepen' trat dieNegierung an bis 1676. In den nun folgenden Kriegen Ludwig's XIV.war Trier stets einer der ersten Angriffspunkte der Franzosen. Inseinem Kriege gegen die vereinigten Niederlande erschien am 25. Aug.1673 ein französisches Heer vor Trier und besetzte am 8. Septembernach einer Capitulation die Stadt. Der französische CommandantPeter von Vignoy behandelte die Stadt sehr hart und ließ sie be-festigen.
Zu diesem Zwecke wurden mehrere Kirchen und Klöster, die in derNähe der Stadt lagen, niedergerissen. Am 3. August 1675 schloßein Heer von 26,999 Mann, das aus kaiserlichen und reichsfürstlichenTruppen bestand, die Stadt ein, befestigte den Marsberg und besetzteSt. Mathias. Marschal Crsqui zog mit 29,999 Mann von Metz her-bei, um die Stadt zu entsetzen. An der Conzer-Brücke kam es zurSchlacht. Die Franzosen wurden gänzlich geschlagen, und Crsquikonnte sich nur mit vieler Mühe, als Lotharingischer Soldat verkleidet,nach Trier retten. Hier übernahm er sogleich das Commando, alleinalle seine Anstrengungen halfen nichts. Ein Befestigungswerk nachdem andern wurde von dem Verbündeten eingenommen. Endlich fielauch am 7. September sei» letztes Bollwerk, der Dom, und er selbstmußte sich als Gefangener ergeben.
Unter der Regierung des folgenden Kurfürsten, Johann Hugovon Orsbeck (1676 — 1711) ging es für Trier nicht besser. ImKriege zwischen Frankreich und Oesterreich besetzte ein französischesCorps wieder Trier. Im April 1689 wurden die Mauern niederge-rissen und ein Theil der Mauern gesprengt. Trier sollte sogar, wieso viele andre Städte, in Asche gelegt werden. Durch diesen beständi-gen Kriegsdruck hatte Trier der Art gelitten, daß im Jahr 1695 sichnur noch 694 Feuerstellen vorfanden. Die ganze Bevölkerung bestand,mit Ausschluß der Geistlichkeit, aus 2369 Einwohnern, unter denensich noch 398 Arme und Bettler befanden. Erst nach dem RpswikerFrieden räumten die Franzosen am 2. Mai 1698 die Stadt, um siebald darauf beim Ausbruche des spanischen Erbfolgekrieges 1792 wiederzu besetzen. Die alten Befestigungswerke bei St. Martin wurden wie-der hergestellt. Am 29. Oktober 1794 überraschte jedoch der englischeFeldherr Malborough die Franzosen so schnell, daß sie sich kaum rettenkonnten. Er ließ nun die Stadt nach einem großartigen Plane befesti-gen. Die Befestigungslinie zog sich auf beiden Seiten der Mosel vonder Stadt an über die beiderseitigen Höhen bis an die Conzer-Brücke.Die Lasten der Stadt mehrten sich dadurch nicht wenig. Als im fol-genden Jahre die Franzosen wieder Herr der Stadt wurden, wurdendiese Werke, mit Ausnahme von St. Martin, ihrem Lieblingspunkte,wieder alle geschleift; Trier wurde erst i» Folge des Utrechter Friedensgegen Ende des Jahres 1714 von den Franzosen geräumt.
Von nun an wurde Trier bis zum Ausbruche der französischen Re-volution mehr geschont, wenn gleich die verschiedenen Kriege dieses