die Stadt, worin er die Bürger von der Sache des Erzbischofs trennenwollte, indem er erklärte, sein Kampf gelte nicht den Bürgern und derStadt, sondern blos seinem persönlichen Feinde Richard, der ihn viel-fach und gröblich beleidigt habe. Er versprach ihnen Sicherheit desLebens und des Eigenthums, wenn sie die Stadt übergäben; seineRache sollte blos dem Erzbischofe, der Geistlichkeit und den Mönche»gelten. Aber auch dieses Mittel schlug fehl; die Bürger hielten treubei Richard aus, obgleich er auf dem Reichstage zu Worms bewirkthatte, daß die Stadt nicht mit in die Reicbsmatrikcl aufgenommenwurde und somit ihre Rcichsunmittelbarkeit verlor. Franz, durch denanhaltenden Kampf geschwächt und den Mangel an Lebensmitteln indie Enge getrieben, mußte den Plan zur Eroberung der Stadt aufge-ben und zog am Morgen des l4. September, jedoch in guter Ordnungab. Er nahm seinen Weg über Bernkastel, um seine Schlösser auf demHundsrücken zu erreichen.
Mit besserem Erfolge rückte 30 Jahre später der AbentheurerMarkgraf Albrecht von Brandenburg gegen die Stadt. Er hatte be-reits am Rheine durch die Einnahme mehrerer Städte seine Raubzügebezeichnet, und verlangte nun vom Erzbischofe Johann IV von Jsen-burg die Auslieferung Ehrcnbreitensteins. Der Kurfürst verweigertediese, da er sich selbst in dieses Bergschloß geflüchtet hatte. Albrechtfiel daher verwüstend ins Erzstift ein und erschien am 27. August vorder Stadt. Der kaiserliche General Holle war zwar zum Schutze der-selben herangerückt, zog sich aber bald wieder nach dem HcrzogthumLuxemburg zurück, da sich die Bürger weigerten, eine Besatzung aufzu-nehmen. Bereits am 28. August überreichte der Magistrat, der zujener Zeit keineswegs geschildert wird, als habe ihm das Wohl derStadt so sehr am Herzen gelegen, Albrecht die Schlüssel der Stadt. So-gleich vertheilte der Markgraf seine Truppen in die Stadt und dieumliegenden Dörfer und begann sei» Plündcrungsspstem der Kirchenund Klöster. Selbst Thüren und Fenster wurden geraubt und an dieBürger verkauft. Marimin und Paulin wurden niedergebrannt; nurdie Abtei St. Martin blieb verschont. Der Schultheiß derselben hattenämlich Albrecht, als er dahin kam, den besten Ehrenwein reichen las-sen und so die Gunst desselben erworben. Einige Ohmen guten Weinswar das Einzige, was er aus dem Kloster nahm. Die Bürger ließer in Ruhe; sein Zug galt ja nur dem Clerus und den Mönchen.Nach einem Aufenthalte von 8 Tagen zog er nach dem HerzogthumeLuxemburg ab, ließ jedoch einstweilen eine kleine Besatzung in derStadt zurück.
Bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts war die durch Lutherund Calvin hervorgerufene Neuerung in der alten Kirchenlehre ziem-lich spurlos an Trier vorübergegangen. Im Jahre 1559 aber begannsie auch hier ihre Folgen zu zeigen. In diesem Jahre nämlich kehrteCaspar Olevianus, ein geborner Trierer, von Genf, wo er ein Schü-ler Calvins geworden war, nach seiner Vaterstadt zurück und erhieltauf sein Ansuchen eine Lehrerstelle am Collcgium zum heiligen Germanmit der Verflichtung, die Jugend in den freien Künste», besonders inder Philosophie zu unterrichten. In die Erklärung der Dialektik Me-lanchthons mischte er bald seine Rcligions-Ansichtcn ein und fing soan, die neue Lehre zu verbreiten. Am lv. August trat er sogar alsPrediger in der Burse auf. Dadurch entstanden Streitigkeiten, indemein Theil des Magistrates, zwar der geringere, verlangte, Oleviansolle im Predigen fortfahren. Der Bürgermeister, Johann Steuß, derneuen Lehre gewogen, wußte es dahin zu bringen, daß die Entschei-dung der Frage den Zünften vorgelegt wurde. Hier entschied zwardie Mehrheit, Olevian dürfe nicht mehr in der Burse predigen. Da-mit war aber die Sache nicht abgethan; denn die Anhänger der neuenLehre setzten es durch, daß ihm das Jakobs-Hospital für seine Vor-träge angewiesen wurde.
Am 2l. August erschienen die Räthe des Kurfürsten Johann VI.von der Lepen (1556—1567) — denn er selbst war noch auf demReichstage zu Augsburg — in der Rathsversammlung, um derselbenalle möglichen Vorstellungen gegen die Neuerungen zu mache». Amfolgenden Tage beschieden sie sogar Olevian dahin und befragten ihnum die Gründe seiner Handlungsweise. Aber auch jetzt ward, nach- j
dem am 23. August ein Theil des Rathes bereits feierlich erklärt hatte,es mit der Augsburgischen Confession halten zu wollen, die Entschei-dung den Zünften überlassen. Ain 4. September geschah die Abstim-mung: die Mehrzahl derselben wollte beider alten Kirche stehen bleiben,jedoch nicht auf die Forderung der kurfürstlichen Räthe eingehen, Olevianin Verwahr zu halten, bis der Kurfürst über die Sache entschiedenhaben würde.
Dieser war indeß von Augsburg zurückgekehrt und wollte selbstnach Trier, um der weiter» Verbreitung der Neuerungen ein Ziel zusetzen. Von seinen Rüstungen benachrichtigt, schickte der MagistratAbgeordnete nach Psalzel an ihn. Er gab ihnen jedoch nur allgemeineAntworten und brach noch an demselben Tage gegen Trier auf. Diebeiden Bürgermeister gingen ihm vor das Simeonsthor entgegen, er-hielten aber auch jetzt nur allgemeine Antworten. Der Kurfürst zog mit176 Reitern ein. Die Bürger bezogen übrigens die Wache an derSteipe, und die Anhänger der Augsburgischen Confession schlössen dieStraße» mit Ketten, vorzüglich um den crzbischöflichen Palast. Dasogar Unruhen zwischen den beiden Parteien in der Stadt auszubrechendrohten, verließ Johann am 28. September die Stadt wieder, nachdemer dem Olevian jegliches Predigen untersagt hatte.
Am 2. Oktober erließ der Kurfürst von Psalzel aus eine Aufforde-rung an den Magistrat und die Bürgerschaft, die Anstifter der Unruheneinzuziehen und ihm auszuliefern. Auch der katholische Theil machtehiergegen Vorstellungen, allein der Kurfürst blieb bei feiner Forderung,sperrte die Zufuhr und legte in einem neue» Befehle vom 16. Oktoberden Protestanten eine Strafe von 26,000 Thalern und die Auslieferungder Prediger — Olevian hatte nämlich an Cuman Fleischbach ausZweibrücken einen Gehilfen erhalten — auf. Jetzt endlich schritt derkatholische Theil zur Verhaftung der protestantischen Magistratsglieder,1l an der Zahl, an ihrer Spitze der Bürgermeister Johann Steuß.Am 25. Oktober kam Johann vi. zum zweitenmale in die Stadt, be-gleitet von einer Fahne Fußvolks und 120 Pferden, die bei den pro-testantischen Bürger» cinquartirt wurden. Der Prozeß gegen dieiVcr-hafteten wurde wirklich eingeleitet. Nach langen Verhandlungen wurdedurch die Vermittelung der Gesandten des Kurfürsten von der Pfalzund einiger anderer protestantischer Fürsten am 19. Dezember die Sacheendlich dahin entschieden, daß die Anhänger der neuen Lehre Urfehdeschwüren, die Stadt verlassen und die Kosten, die auf 3000 Guldenfestgesetzt wurden, bezahlen sollten. Am 24. Dezember hatten bereitsder Bürgermeister Johann Steuß und einige andere die Stadt verlas-sen. Ein großer Theil der Protestanten kehrte jedoch zur katholischenKirche zurück und blieb.
Damit die neue Lehrein Zukunft nicht wieder Eingang fände, be-rief Johann VI. im Jahre 1560 Mitglieder des erst vor 20 Jahrengestifteten Ordens der Jesuiten nach Trier. Am 20. Juni kamen dieersten derselben an, 4 an der Zahl. Bald folgte» mehrere nach. Bisdurch Schenkungen für ihr Bestehen gesorgt war, unterhielt sie Johannaus eigenen Mittel». Anfänglich beschäftigten sie sich blos mit demPredigen. Bei der Errichtung ihres CollegiumS, dessen erster RektorAnton Vinkius war, wurde ihnen der Unterricht in der Philosophie,der Theologie und den Humanioren überwiesen. Im Jahre 1563 wur-den zu diesen 3 Klassen noch 3 andere der Grammatik hinzugefügt.Der eigentliche Begründer des Collegiums war jedoch erst Johann's VI.Nachfolger, Jakob III. von Elz (1567—1581), indem er durch reichlicheSchenkungen für das Fortbestehen desselben sorgte. So überwies er imJahre 1570 den Jesuiten, die bis dahin in der Universität unterrichtet hat-ten, das fast in der Mitte der Stadt gelegene Kloster der Minoritcn, diedagegen die bis dahin vom Collcgium zum heiligen German benutztenGebäulichkcitcn erhielten. Dieses Collcgium hörte jetzt ganz auf. Langedauerte es indessen, bis die neuen Lehrer bei der Bürgerschaft Ver-trauen gewinnen konnten. Als Günstlinge des Erzbischofs hatte mansie während der Belagerung von 1568 in Verdacht, sie ständen mitdiesem in geheimer Verbindung, und dächten daran, diesem die Stadtzu verrathen. Sie mußten daher Manches erdulden.
Unter Johann VI. brachen im Jahre 1565 auch wieder die Strei-tigkeiten zwischen Kurfürst und der Stadt wegen der Rcichsunmittelbarkeit