Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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digen sollte. Selbst der Oheim Balduins, Kaiser Karl IV., kränktedie Stadt nicht in ihren hergebrachten Rechten.

In die Zeit Balduins fallen auch die gräßlichen Verwüstungen, welchedie Pest in Europa anrichtete. Dreimal wurde während seiner NegierungTrier von dieser fürchterlichen Plage heimgesucht. Zuerst erschien sieim Jahre 1313 und raffte in der Stadt allein 12,999 Schlachtopfer hin.Kaum weniger verderblich zeigte sich die in den Jahren 1348 und 1349wüthende Seuche, bekannt unter dem Namen des schwarzen Todes.Diese Pest rief zugleich eine große Judenverfolgung hervor, indemman ihnen die verpestete Luft zuschrieb. Ueberall, so auch in Trierwurden sie vom wüthenden Volke verbrannt oder auf andere schrecklicheArt hingerichtet. Manches unglückliche Schlachtopfer tödtete Weib undKinder und übergab sich dann freiwillig dem Flammentode. Mit derPest war auch immer Hungcrsnoth verbunden, so daß das Elend unterallen Gestalten wüthete.

Unter dem nächsten Nachfolger Balduins, Boemund von Saar-brücken (13541362), ruhten die Streitigkeiten der Erzbischöfc mit derSkadt, doch nur, daß sie unter Cuno von Falkcnstein (1362 1388)mit neuer Heftigkeit ausbrechen konnten. Dieser Kurfürst ging sogarzur nachdrücklichen Verfolgung seines Zweckes ein Bündniß mit demKonige Wenzel von Böhmen, Herzog von Luxemburg, gegen die Stadtein. Allein auch dies führte ihn nicht zu seinem Ziele, da die Stadt an demHerzoge von Lothringen einen Bundesgenossen fand. Cuno mußte ineinem Vertrage von 1362 der Stadt das Schutzgeld überlassen, wel-ches die in Trier wohnende» 59 Judcnfamilicu zu entrichten hatten,und in einem andern Vertrage von 1377 wiederholt die Rechte der-selbe», namentlich das Stapelrecht und die Befreiung von den Zöllenauf der Mosel anerkennen. Nicht besser erging es Cuno's Nachfolger,Werner !(I3881418). Immer widerstand, die Stadt tapfer den An-maßungen der Erzbischöfc und wußte ihre Bestrebungen zu vereiteln.Nebcrhaupt war diese Zeit, der Anfang des 15. Jahrhunderts, derZeitpunkt, in welchem Trier während des Mittelalters seine meisteKraft entwickelte. Durch die Hebung der Gcwerke und des HandelsHütte sich hier, wie in allen Städten ein bedeutender Wohlstand ent-wickelt, und die erste» Adelsgeschlechter der Gegend rechneten es sichzur Ehre, das Bürgerrecht der Stadt zu besitzen, wenn gleich sie auchjetzt noch manche Fehde mit derselben auszukämpfen hatten.

Ehe wir die Geschichte des Mittelalters schließen, müssen wir nochmit einigen Worten der Unterrichtsanstalten jener Zeiten erwähnen.In den ersten Jahrhunderten des Mittelalters, besonders vom 9. Jahr-hundert an, waren es die mit den Bcnedictiner-Klöstern verbundenenSchulen, die, wie sonst, so auch in Trier Licht und Bildung verbrei-teten. Hier zeichneten sich besonders die Schulen zu St. Marie» undSt. Mathias aus. Als die Bcnedictiner ansingen, weniger eifrig zuwerden, lößten sie die Dominikaner und Franziskaner im Unterrichteab. Aber auch dieser Unterricht genügte dem Erzbischöfc Jakob vonSirk, der im Jahre 1439 nach vielen Streitigkeiten vom Pabste inseiner erzbischöflichen Würde war bestätigt worden, nicht mehr. Erkam auf den Gedanken, in Trier eine Universität zu errichten, wie siebereits in mehrern Städten Deutschlands bestand. Bei seinem Aufent-halte in Rom wirkte er sich die Erlaubniß zur Errichtung derselbenvon dem damaligen Pabste Nikolaus V. aus. Die Gründungsbulleerschien am 5. Februar 1454 und bald darauf eine zweite, welche zwölfansehnliche Präbenden und das Patronatsrecht über drei Pfarreien zu ewi-gen Zeiten mit der Universität vereinigte. Allein Jakob erlebte nicht ihreEröffnung. Obgleich durch die Bullen mehrerer nachfolgenden Päbste be-stätigt, zog sich diese noch beinahe39Jahre hin. JmJahre 1473am 16.Märzfand ihre Eröffnung Statt, nachdem vorher der Erzbischof Johann II.,Markgraf von Bade», das Recht zur Errichtung derselben für 2999 Gold-gulden an die Stadt abgetreten hatte. Alle auf die Universität bezüg-lichen Urkunden mußten der Stadt ausgeliefert werde», und Johannmußte versprechen, auch eine neue Beftätigungsurkunde vom Pabsteauszuwirken. Auch diese wurde der Stadt übergeben. Die Vorle-sungen wurden in der Dictrichsgasse in der sogenannten Burse, demjetzigen königlichen Landgerichtsgebäude, die akademischen Feierlichkeiten

in der nahen Karmeliter-Kirche gehalten. Der erste Rektor war Ni-kolaus Raemsdomk.

Fast zu gleicher Zeit mit der Universität, nur wenige Jahre später,wurde das Collegium zum heiligen German, auch das Collegium dergoldenen Priester genannt, errichtet. Die Gegenstände des Un-terrichts waren Grammatik, Philosophie und Theologie. Diese Schulewar vorzüglich durch die Bemühungen des kurfürstlichen KanzlersLudolph errichtet worden. Er hatte den Erzbischof Johann II. und denPrälat von St. Mathias zu vermögen gewußt, das letzterm Klostereinige Jahre vorher geschenkte Nonnenkloster zum heiligen Germandiesen neuen Lehrern zu überlassen. Bald trat das Collegium in edlenWetteifer mit der Universität, so daß bei dieser sich Eifersucht zeigteund sie den Zöglinge» der Brüder zum h. German Schwierigkeiten beider Erlangung akademischer Würden in den Weg legte. Durch eineneigenen Befehl mußte der Kurfürst Jakob II. von Baden diesen Strei-tigkeiten ein Ende machen, indem er der Universität bedeutete, in Zu-kunft den Zöglingen zum heiligen German keine Hindernisse mehr inden Weg zu legen, wen» sie anders tüchtig befunden würden, zu denakademischen Würden zugelassen zu werden. Unter die Schüler diesesCollegiums gehören auch Nikolaus Cusanus und Thomas vonKempen.

Den Anfang der neuern Geschichte bezeichnet in den Annalen Triersdie von Franz von Sickingen gegen die Stadt unternommene Belage-rung im Jahre 1522. Ohne der Gründe zu gedenke», die ihn alsFreund Luthers bestimmten, gegen die Geistlichkeit und die Klösterüberhaupt seine verheerende» Züge zu richten, war es noch persönlicheFeindschaft gegen den Kurfürsten Richard von Greiffenklau, die ihnzu diesem Kriegszug bewog. Er glaubte nämlich, auf dem Reichstagezu Worms von ihm beleidigt worden zu sein, und wollte sich dafürräche». Franz von Sickingen wandte sich zuerst gegen den Verbünde-ten des Kurfürsten, Philipp von Hessen, um so seine eigentliche Absichtzu verbergen. Richard war vielfach gewarnt worden, schien aber denWarnungen nicht zu glauben; denn zu Rüstungen machte er keine An-stalten. Franz zeigt bald seine wahren Absichten und fällt in das Ge-biet des Kurfürsten ein. Nach der Eroberung einiger im Erzstifte ge-legene» Städte und Burgen rückt er über Conz in das Mosclthal einund besetzt im Anfange September St. Mathias und Olewig. Beider Nachricht von dem Herannahen des Feindes bemächtigte sich allerGemüther Angst und Schrecken, da durchaus keine Vertheidigungsan-sialten getroffen waren. Richard eilte selbst nach Trier, um da diegeringe» Streitkräfte zu organisiren, die ihm von einigen Städtendes Erzstifts gesendet worden waren. Vergebens hatte er die Herzogevon Luxemburg und Lothringen um Hilfe angesprochen. Um so kräfti-ger unterstützten ihn aber die Trierer selbst. Ja Mönche und Nonnen,Frauen und Mädchen mußten zur Vertheidigung ver Stadt beitragen;von jenen mußten 299, die Waffen in der Hand, den Domplaß be-setzen, diese waren in der Stadt vertheilt, um den etwa ausbrechen-den Brand zu löschen.

So gerüstet zog Richard am 8. September gegen Marimin, umden dortigen reichen Vorrath an Frucht zu verbrennen, damit er nichtdem Feinde in die Hände fallen sollte. Schon einige Tage vorher wardie Abtei von dem Pöbel der Stadt geplündert, und ein Theil derMauern nieoergerissen worden. An dem nämlichen Tage ließ Franzdurch seine Truppen die auf der Ostseite der Stadt gelegenen Berge,deren Namen noch heute an diese Begebenheit erinnert, besetzen undsendete einen Herold an die Bürger der Stadt, der dieselben zurUcbergabe auffordern sollte. Als dieser unverrichteter Dinge zurück-kehrte, begann er den förmlichen Angriff. Ununterbrochen schoß er nunaus seinen Feuerschlünde» auf die Stadt; soweit ihre Kraft reichte,war Verheerung. Aber auch die Trierer waren nicht unthätig. Jedengünstigen Moment, ihm schaden zu können, benutzten sie. Um derStadt näher zu sein und so seinen Operationen größern Nachdruck zugeben, zog er von den Höhen herab und stellte sich hinter den nieder-gerissene» Mauern der Abtei St. Marimin auf. Doch alle seine An-strengungen waren umsonst: die Stadr leistete kräftig Widerstand. Jetztnahm er zur List seine Zuflucht. Er schleuderte nämlich einen Brief in