Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Trier.

(Fortsetzung.)

Ä>ährend der Stürme der Völkerwanderung hatte Trier viel zuleiden. Gleichsam der äußerste Punkt des Römischen Reiches gegenGermanien hin, ging nicht leicht ein Sturm dieser kriegerischen Völkeran seinen Mauern vorüber, ohne dasselbe zu berühren. Schon imJahr 261 warTrier von den Allcmannen fast gänzlich zerstört worden;doch hob es sich namentlich durch die Sorgfalt Constantins I., der esganz neu befestigen ließ, bald wieder empor. Im 5. Jahrhunderthatte es nach einander Plünderungen und Zerstörungen von Seiten derVandalen, Franken und Hunnen zu erdulden. Ja vom Jahre 416 anwar Trier in dem kurzen Zeitraume von 5 Jahren viermal den heftig-sten Angriffen ausgesetzt; das erste Mal von Seiten der Vandalen,ihnen folgten die Franken. Auch Attila, der Hunncnkönig, besetzte45t n. Chr. Trier. Endlich, im Jahr 463 oder 464 kam Trier gänz-lich unter die Botmäßigkeit der Franken, über die zu jener Zeit Childerich,Chlodio's Sohn, herrschte. Damit hört denn die welthistorische Be-deutung auf, die ihm während der römischen Herrschaft zu Theilgeworden war, und sein alter Glanz ist dahin, um nie wieder zuerstehen.

Während der ganzen Zeit der fränkischen Herrschaft wird Triernur wenig erwähnt; selten finden wir die fränkischen Könige in seinenMauern. Karl der Große ließ zu seinem Schloßbau in Aachen vonTrier Marmorsäulen und Mosaik aus den noch vorhandenen römi-schen Gebäuden holen und begann so schon das Plünderungsspstem,das durch alle Zeiten hindurch an den Ucberbleibseln des Alterthumszu Trier ausgeübt wurde. Sein Enkel, Kaiser Lothar I,, empfing imJahr 842 zn Trier die Gesandten, welche die griechische KaiserinTheodor«, als Vormündcrin ihres Sohnes Michael III,, an ihn ge-schickt hatte. Im Jahre 866 berief Lothar, Sohn Lothars I,, die Bi-schöfe seines Reichs zu einer Versammlung nach Trier, um von ihneneine Entscheidung in Betreff der Streitigkeiten, die er mit seiner GattinThietberga hatte, zu erhalten.

In den letzten Zeiten der Karolinger, als durch die innern Kämpfedas fränkische Reich geschwächt worden war, und die Normannen das-selbe auf ihren Plündcrungszügen fast willkührlich durchzogen, wurdeauch Trier vielfach von ihnen heimgesucht. In dem kurzen Zeitraumevon 853 883 wurde es viermal verwüstet, das letzte Mal zu Ostern 883und zwar vom 5 8. April der Art, daß die Stadt fast gänzlich zer-stört wurde.

Beim Anfange der Kreuzzüge zeigten sich in Trier in Bezug aufdie Juden dieselben Erscheinungen, wie in den Rheinstädten; eine gräß-liche Verfolgung derselben brach auö. Im Anfange des Jahres 1666nahete nämlich Graf Emich mit einem Heere von 12,666 Mann derStadt. Sie hatten sich in der Absicht gesammelt, das heilige Landden Ungläubigen zu entreißen. Bevor sie aber nach ihrem Bestim-mungsorte aufbrachen, wollten sie die ersten Feinde des Herrn, dieJuden, für die Qualen, die sie dem Heilande angethan, strafen. Schonwaren ihrer Raub- und Mordgier in Mainz 766 Schlachtopfer diesesunglücklichen Volkes gefallen, und nun sollte dasselbe Loos die Judenin Trier treffen. Diese hatten aber schon das traurige Schicksal ihrerGlaubensbrüder in Mainz erfahren. Als daher Emich mit seinemRaubgesindel heranrückte, bemächtigte sich Verzweiflung der das Gräß-lichste fürchtenden Juden. Freunde und Brüder gaben sich wechselseitigden Tod; Mütter schonen nicht das Leben ihrer Säuglinge, um sie vor

! den Qualen der Verfolgung zu schützen; Weiber suchen, Busen undTaschen mit Steinen beschwert, in der Mosel ihrem Leben ein Endezu machen, um so wenigstens der Entehrung zu entgehen. Nur einTheil dieser Unglücklichen entgeht dem Blutbade. Sie flüchten, anihrer Spitze der Vorsteher Michäas, in den Palast des ErzbischofSEngelbert und flehen da um Schutz. Doch nur dadurch konnten siediesen finden, daß sie ihren Glauben abschwuren und zur christlichenReligion übergingen. Sie wurden nun in aller Eile getauft; alleinsobald die Noth aufhörte, fielen sie wieder ihrem Glauben zu; nurMichäas blieb dem gegebenen Versprechen treu. Doch blieben auch diewohlthätigen Folgen der Kreuzzüge für Trier nicht aus, namentlichwar es der Moselhandel, der im Laufe derselben für die Stadt einegroße Wichtigkeit erlangte.

Die übrige Zeit des Mittelalters füllen dieHKämpfe aus, welchedie Stadt um ihre Freiheiten theils mit angrenzenden Herrn, theilsmit ihren eigenen Erzbischöfen zn führen hatte. Schon früh waren dieKurfürsten durch Schenkungen und Vermächtnisse reich und mächtig ge-worden. Sie hatten sich vom weltlichen Gerichtszwange frei zu machengewußt und sich nach und nach alle Hoheitsrechte angeeignet. KaiserFriedrich II. bestätigte ihnen durch eine Urkunde vom Jahre 1226 dieseGerechtsame und so besaßen sie jetzt unter dem Titel der Gesetzmäßig-keit, was sie früher gegen das Gesetz sich angeeignet hatten. Die Stadtweigerte sich aber noch lange, die Hoheitsrcchte der Erzbischöfe über sieanzuerkennen und stützte sich dabei beständig auf Urkunden, die auchihr von den ihr günstigen Kaisern im Betreff ihrer Privilegien undFreiheiten verliehen worden waren. Dieser im Anfange des 13. Jahr-hunderts begonnene Kampf endigte erst im 16. Jahrhundertc.

Schon Kaiser Otto IV. hatte die Stadt durch eine Urkunde vomJahre 1212 in seinen und des Reiches besondern Schutzgenommen; ebenso beschützte sie Conrad IV. im Jahre 1242 durchBestätigung der Urkunde Otto's IV. gegen die Bestrebungen des Erz-bischofS Arnold II., Grafen von Jsenburg, der gegen die bisher be-standene Ordnung der Dinge allein vom Domkapitel, mit Ausschlußdes Volkes, zum Erzbischof gewählt worden war. Unter seinem Nach-folger Heinrich von Vinstingen gingen diese Streitigkeiten fort.Die Bürger der Stadt blieben aber standhaft, auch dann noch, als dieErzbischöfe von Trier, seit der Wahl Rudolphs von Habsburg imJahre 1273,sich zu den sieben Kurfürsten des Reichs zählten. Selbst derkräftigste unter den Kurfürsten, Balduin II. von Luxemburg, konntenichts gegen die Stadt ausrichten. Als ein junger Mann von 23 Jah-ren hatte er im Jahre 1367 die Verwaltung des Erzbisthums über-nommen. Gleich seine ersten Handlungen waren auf die Vernichtungder Freiheiten der Stadt gerichtet; er erklärte die von der Stadt mitdem Erzbischöfe Diethcr geschlossenen günstigen Verträge für ungültigund erneuerte so den Kampf, der durch diese Verträge eine kurze Zeitgeruht hatte. Aber all sein Bemühen, all sein Streben blieb vergeb-lich. Nachdem er durch diese Streitigkeiten vielfach sein Leben verbitterthatte, mußte er in zwei, innerhalb des Zeitraums von 3 Jahren geschlos-senen Verträgen die Freiheiten der Stadt anerkennen. Der letzte dersel-ben vom Jahre 1353 ist eigentlich ein Waffenstillstand auf sechs Jahre, in-dem er festsetzt, daß derjenige Theil, dem die Bedingungen nicht gefielen,ein Jahr vor dem Beginne neuer Feindseligkeiten den Bertrag aufkün-