Im Anfange der römischen Herrschaft wurde das Land der Tre-virer, wie Gallien überhaupt, als ein erobertes Land behandelt.Erst unter Augustus wurden die Trevirer mit dem römischenReiche vereinigt. Jetzt traten überall römische Gesetze und Einrich-tungen an die Stelle der einheimischen. Ein Legat stand an der Spi-tze der Civil- und Militär-Gewalt; ein Procurator besorgtedas Eintreibender öffentlichen Abgaben. Auch zu den Aushebungenmußten sich regelmäßig die Trevirer stellen; man rckrutirte aus ih-nen vorzüglich die Reiterei, da sie sich überall als tüchtige Reiter ge-zeigt hatten. Schon in dieser ersten Zeit war Trier die gewöhnlicheResidenz der kaiserlichen Statthalter in der belgischen Provinz;denn schon Germanicus, des Drusus Sohn, der erste kaiserlicheStatthalter dieser Gegenden, residirte meistens zu Trier. Daß Trierdadurch angesehen und mächtig werden mußte, bedarf keiner Versiche-rung: bald war es die bedeutendste Stadt diesseits der Alpen. SeinGlanzpunkt beginnt aber von dem Zeitpunkte, als im Jahre 292 n. Chr.derJmperator ConstantiusChlorus,der Vater Constantinus I,,in Trier seine Residenz nahm, um den in dieser Zeit vielfach bedroh-ten germanischen Grenzen um so näher zu sein. Besonders sind es dieKaiser Constantin I. und II, Constans, die Brüder Valenti-nian und Valens, Gratian, Valcntinian II,, Marimus undTheodosius, die in dem Zeitraum von 3l3 bis 390 n. Chr. fast ih-ren beständigen Aufenthalt i» Trier snahmen. Schon die in diesemZeitraum von Trier aus erlassenen Gesetze liefern uns den Beweis,wie häufig die Kaiser hier verweilten, indem ihre Zahl viermal sogroß ist, als die während desselben Zeitraums in dem ganzen übrigenGallien erlassenen Gesetze, und doppelt so groß, als die von Romaus datirten. Auch eine Münzstätte fand sich in Trier, mit derenSiegel schon viele Münzen aufgefunden worden. Noch im MonateApril d. I. sind im Großherzogthume Luxemburg 3 Töpfe mit römi-schen Münzen, gegen 30000 Stück, gefunden worden, die großcnthcilszu Trier geprägt wurden.
Nicht minder zeichnete sich Trier in geistiger Beziehung aus; seineSchule, die gegen 297 n. Chr. entstand, wetteiferte im 4. Jahrhundertdurch die Berühmtheit ihrer Lehrer, wie eines Eumenius und Au-sonius, mit den Schulen in Mailand und Rom. In Gallienwar ihr keine gleich.
Bei der im Jahre 330 n. Chr. von Constantin I. dem Reichegegebenen neuen Organisation wurdeTrier eine dreifache Haupt-stadt. Es wurde die Metro polis der ersten belgischen Pro-vinz, zugleich der Sitz des Statthalters von Gallien und desprätorianischen Präfekten von Gallien. Der erste prätoria-nische Präfekt von Gallien war Ambrosius, der Vater des be-rühmten Kirchenvaters gleichen Namens. Diese politische Eintheilungwar zwar nicht von langer Dauer, denn kaum ein Jahrhundert späteram 17. April 418, wurde wegen der vielen Angriffe, die Trier vonden germanischen Völkern zu erleiden hatte, die prätorianischePräfektur Galliens durch die Kaiser Honorius und Theodo-sius von Trier nach Arlcs verlegt; allein in kirchlicher Beziehungblieb Trier, so lang es Sitz eines Erzbischofs war, die Metropo-lis von Metz, Toul und Verdun.
Wie sehr Trier durch alle diese Vortheile sich über die übrigengallischen, ja über alle Städte diesseits der Alpen erheben mußte,liegt klar am Tage. Kühn dürften wir daher auch annehmen, selbstwenn keine bestimmten historische» Zeugnisse aus jener Zeit vorlägen, daßdie Stadt zu jenen Zeiten einen weit bedeutender» Umfang hatte, alsin unsern Tagen. Freilich gehen die trierischen GeschichtschreiberBraverius und Masenius zu weit, wenn sie, auf die dichterischenAngaben des Ausonius sich stützend, behaupten, Trier habe sich vomZusammenfluß der Saar und Mosel nach Norden hinunter an 0000Schritte erstreckt. Hontheim und Neller aus der zweiten Hälftedes vorigen Jahrhunderts ziehen ihre Grenzen schon bedeutend zusam-men, besonders Neller, jedoch gibt auch er zu, daß Trier sich wei-ter nach Süden erstreckt habe, als es jetzt der Fall ist. Mit ziemlicherGewißheit können wir jetzt die Behauptung aufstellen, daß die jetzigeAusdehnung Triers von Norden nach Süden etwa die Hälfte sei-
ner Ausdehnung zur Römerzeit beträgt. Vor mehrern Jahren näm-lich wurden bei dem Baue eines neuen Hauses, in der Nähe des Vor-städtchens St. Mathias, ganz dicht neben der vom Ncuthore nachSt. Mathias führenden Landstraße, unverkennbare Spuren einesThores gefunden. Herr Direktor Wyttenbach hält dieses Thor fürdas dem Römerthore entgegengesetzte Thor der alten Stadt. BeideThore waren, wie verschiedene Nachgrabungen beweisen, durch einegrade Straße miteinander verbunden. Ebenso lief eine andere Haupt-straße von der Moselbrücke nach den sogenannten römischen Bä-dern, so daß also die beiden Hauptstraßen Triers sich in Kreuzformdurchschnitten, und nun die Lage der übrigen Straßen leichter errathenlassen.
Daß bei der Ausbreitung des Christenthums im römischen Reichediese neue Religion früh schon Anhänger in der Moselgegend fand,ist keinem Zweifel unterworfen. Ja die trierische Kirche führt ihreGründung bis zu den Zeiten der Apostel hinauf; denn schon 50 Jahren. Chr. Geburt soll der heilige Eucharius erster Bischof von Triergewesen sein. Der erste Erzbischof war der heilige Agritius im Jahre327. Historisch sicher ist nur das, daß im belgischen Gallien biszum Jahre 313 Köln, Trier und Lüttich einen gemeinsamen Bischofan dem heiligen Maternus hatten, der dann Trier an den heiligenAgritius abtrat. Im Jahre 344n. Chr. erscheint der Erzbischof Mari-minus, begleitet von den Bischöfen von Toul, Metz und Verdunauf dem Concilium zu Sardika in Mösien und liefert uns so denersten Beweis, daß auch Trier in kirchlicher Beziehung die Metro-polis der belgischen Provinz geworden war. Trier zählte vomheiligen Eucharius an bis zu dem im Jahre 1836 verstorbenen Bischof,v. Hommer, mit Einschluß seiner 85 Erzbischöfe, 116 Bischöfe.
Während der Stürme der Völkerwanderung hatte Trier viel zuleiden. Gleichsam der äußerste Punkt des römischen Reiches gegen Ger-manien hin, ging nicht leicht ein Sturm dieser kriegerische» Völkeran seinen Mauern vorüber, ohne dieselben zu berühren. Schon imJahre 261 war Trier von den Allemannen fast gänzlich zerstörtworden. Doch hob es sich, namentlich durch die Sorgfalt Constan-tins I., der es ganz neu befestigen ließ, bald wieder empor. Im 5.Jahrhunderte hatte es nach einander Plünderungen und Zerstörungender Vandalen, Franken undHunnen zu erdulden. JavomJahrc410 an war Trier in dem kurzen Zeitraume von 5 Jahren viermalden heftigsten Angriffen ausgesetzt; das erste Mal von Seiten der Van-dalen. Ihnen folgten die Franken. Auch Attila, der Hunnen-könig, besetzte 451 n. Chr. Trier. Endlich im Jahre 463 oder 464kam Trier gänzlich unter die Botmäßigkeit der Franken, über diezu jener Zeit Childerich, Chlodio's Sohn herrschte. Damit hörtdenn die welthistorische Bedeutung auf, die ihm während der römischenHerrschaft zu Theil geworden war, und sein alter Glanz ist dahin, umnie wieder zu erstehen.
Während der ganzen Zeit der fränkischen Herrschaft wird Triernur sehr wenig erwähnt; selten finden wir die fränkischen Könige inseinen Mauern. Karl der Große ließ zu seinem Schloßbau in AachcnMarmorsäulen und Mosaik aus den noch vorhandenen römischen Ge-bäuden holen und begann so schon das Plünderungs-Systcm, das durchalle Zeiten hindurch an den Ueberbleibseln des Alterthums zu Trierausgeübt wurde. Sei» Enkel, Kaiser Lothar I, empfing im Jahre842 zu Trier die Gesandten, welche die griechische Kaiserin Theo-dor«, als Vormündcrin ihres Sohnes Michaelis III., an ihn ge-schickt hatte. Im Jahre 866 berief Lothar, Sohn Lothars I., dieBischöfe seines Reiches zu einer Versammlung nach Trier, um vonihnen eine Entscheidung in Betreff der Streitigkeiten, die er mit seinerGattin Thietberga hatte, zu erhalten.
In den letzten Zeiten der Karolinger, als durch die innernKämpfe das Reich geschwächt worden war, und die Normannen dasselbeauf ihren Plünderungszügcn fast willkührlich durchzogen, wurde auchTrier vielfach von ihnen heimgesucht. In dem kurzen Zeitraume von853 — 383 wurde es viermal verwüstet, das letzte Mal zu Ostern desJahres 883, und zwar vom 5 — 8 April, wobei die Stadt fast gänzlichzerstört wurde.