chen der Stadt andeuten. Weiter im Hintergrunde zwischen St. Ma-thias und dem Palaste hindurch blinkt uns auf einer Anhöhe dasDörfchen Heiligkreuz entgegen, wo einst die Burg des übermüthigenAdalbero, Probst von Paulin stand, die ErzbischofPoppo im ll.Jahrhundert nur durch List in seine Gewalt bekommen und brechenkonnte.
Nur eine Schattenseite bietet uns das Gemälde unsrer Stadt dar,die aber durch den gewählten Standpunkt auf dem Bilde, wenigstenszum Theil, glücklich verdeckt ist: es ist die an die Mosel sich anleh-nende Seite der Stadt. Betrachten wir diese, so möchten wir fast zuder Ansicht kommen, bei der Anlage der Stadt, wie sie setzt ist, seider Fluß ganz unberücksichtigt geblieben; denn nur zwei, zum Theilvon Gärten durchbrochene, Straßen führen von der Hauptmasse der-selben unmittelbar zu demselben hin, während dem Flusse entlang un-sern Blicken nur die düstere Mauer begegnet, welche hinter sich Gärtenund wenige geringere Häuser verbirgt. Und wo noch ein großartigesGebäude sich erhebt, wie die vereinigten Hospitien, ehemals dasadlige Nonnenkloster St. Jrminen, und das als Militär-Lazareth benutzte Kloster St. Katharina, wird sein Anblick durcheben diese Mauer und diese, wirklich zum Theil elende» Häuser ver-kümmert. Nur an einer Stelle, der Mosclbrücke zunächst, ist dieMauer verschwunden und ihre Stelle nimmt ein schöner, neu erbauterQuai mit dem Hauptzollamtsgebäude ein. Wie ganz anders mag sichdiese Seite der Stadt zur Zeit der Römer gezeigt haben, als ein kai-serlicher Palast und andere großartige Bauten ihre Dächer in demklaren Flusse spiegelten! Doch auch das jetzige traurige Ansehen wirdbald wieder verschwinden und einem freundlichern den Platz räumen;denn seitdem die Dampfschiffe die Mosel auf- und abwärts durchschnei-den, hat sich der Vcrschöncrungssinn der Trierer auf diesen wundenFleck ihrer Stadt gewendet. Schon ist von Seiten der Oberbehördender Plan genehmigt, nach welchem ein großer Theil der Stadtmauerabgetragen werden soll. Ihre Stelle wird alsdann ein Quai einneh-men, wie der am Hauptzollamt, und eine neue Verbindungsstraße sollvon der Mosel mehr nach dem Mittelpunkte der Stadt hinführen.Gewiß werden dann auch entsprechende Gebäude nicht lange auf sichwarten lassen, da die in diesem Theile der Stadt gelegenen weitläu-figen Gärten Bauplätze jeder Art an die Hand geben. So wird sichdenn die alte Treviris mit der Zeit auch wieder in dieser Hinsichtihren weit bevorzugter» Schwesterstädten am Vater Rhein würdig zurSeite stellen können, und dem Beschauer ein der herrliche» Gegendund dem klaren Flusse entsprechendes Ansehen gewähren. Jetzt ent-schädigt uns von dieser Seite außer dem Hauptzollamts-Gebäude nurdie Moselbrücke, die auf unserm Bilde in ihrer ganzen Ausdehnungvor unsern Augen liegt. Stolz erheben sich aus dem Wasserspiegelihre schwarzen Pfeiler, beinahe schon zwei Jahrtausende die Wogenbrechend und den mächtigen Eisschollen des Winters eine trotzige Stirneentgegen stellend.
In dem Bisherigen sind wir den Hauptpunkten unseres Bildes ge-folgt und haben dieselben soviel als möglich dem Leser deutlich undverständlich zu machen gesucht. Es bleibt uns also nur noch übrig,mit einigen Worten des Hintergrundes zu erwähnen. Dieser dehntsich in südwestlicher Richtung, also nach der Seite, von wo die Moselin breitem, mitunter seichtem Bette ihre Wogen der Stadt zuwälzt, ineine ziemlich bedeutende Ferne aus. Zunächst der Stadt, oberhalb derMoselbrücke, erblicken wir auf dem linken Ufer, an den Bergrückenangelehnt, das reiche Dorf Euren, dessen spitzer Kirchthurm aus derMenge von Obstbäumen freundlich heraussieht. Schon im 7. Jahr-hundert wird hier einer Kirche gedacht, die aber oft niedergerissen undimmer wieder aufgebaut wurde. Die jetzige Kirche ist noch keineswegssehr alt. Links von Euren, in einiger Entfernung von demselben,dicht am Ufer der Mosel deutet uns eine dichte Baumgruppe vonPappel» und Tannen die Lage von Monaise an und läßt uns nurdas Dach seiner schönen Gebäude erblicken. Von dem letzten adlige»Domprobst des Erzstifts Trier im Jahre 1779 erbaut, gehört dasSchloß mit dem dazugehörigen Garten jetzt einem angesehenen Privat-manne der Stadt. Dicht hinter Monaise und von demselben halbverdeckt, aber schon auf dem rechten Ufer des Flusses zeige» sich die
Ruinen des im letzten Viertel des l7. Jahrhunderts erbauten, bei derfranzösischen Occupation des Landes niedergerissenen Klosters derKarthäuser. Ganz im Hintergrunde, auf einer niedrigen Anhöhe,strahlen uns die Dächer und Häuser des Dorfes Conz entgegen, dessenschönste Stelle einst ein Sommer-Palast der römischen Kaiser schmückte.Rechts von dem Dorfe sehen wir, wie in einem Silberstrcife, dieSaar aus ihren Bergen hervorbrechen und unter der Conzerdrückehindurch der Mosel zueilen. Hinter dieser erheben sich die waldbc-krönten Saargebirgc. Sie schließen den Horizont nach dieser Seiteund bilden mit den auf beiden Seiten der Mosel herablaufendenGebirgszügcn das schöne Thal, bis es in nord-östlicher Richtung, un-terhalb der Stadt, in dem mit einem Walde von Obstbäumen be-pflanzten Ruwener Berge seinen Schlußstein findet. Nach dieserSeite hin müssen wir im Thale auch noch der Ueberbleibsel des KlostersSt. Marien, jetzt Artillerie-Depot und Militär-Magazin,und des sogenannten Nell's Ländchcn, eine schöne Anlage, linksvon dem früher erwähnten Dörfchen Kürcnz, gedenken, sowie weiteran der Mosel hinab des Dorfes Pfalzel, Hier stand vielleicht schonein römischer Kaiserpalast, gewiß aber ein fränkischer Königs-hof, der nachher zu einem Palaste der Erzbischöse umgewandelt wurde.Auch zeigt man hier noch das Genovefenhaus, einst Wohnsitz derheiligen Genovcfa, und den Ort, wo Golo bestraft worden seinsoll. Doch diese Angabe beruht rein auf einer Sage, keineswegs aufhistorischen Urkunden.
Ueberschauen wir nun dieses ganze herrliche Gemälde der Naturmit einem Blicke, so begreifen wir leicht, wie Jeder, der Gefühl fürNaturschönheiten hat, von diesem Naturbilde bezaubert werden muß.Unwillkührlich wird der Gedanke in ihm aufsteigen, großartigere Land-schaften habe er schon manche gesehen, aber lieblichere noch wenige,besonders solche, die auf einem so beschränkten Raume eine so großeMannigfaltigkeit darbieten. Ja denken wir uns in die römische Zeitzurück und zaubern uns in unsrer Phantasie die an den Ufern desStromes und an den Bergen umhcrprangenden Prachtgebäude, Land-häuser und herrlichen Anlagen aller Art wieder hin, so werden wirgern in das Lob des AusoniuS, des begeisterten Sängers der Moselim 4. Jahrhundert, einstimmen, wenn er singt:
„Sei mir gegrüßt, o Strom, belobt ob Fluren und Pflanzern,Dem die Belgen die Stadt, die des Thrones gewürdigte danken;Strom, deß Hügel umher bepflanzt mit duftendem Bacchus,
Strom mit dem grünenden Saum der mattenreichen Gestade!"
Uno an einer andern Stelle:
„Ja wenn ein Gastfreund käme hierher von der Küste bei Cumä,Däucht' ihm, es habe verjüngt ihr Bild die Euböische BajäHier der Gegend geschenkt: so prangende Schönheit und AnmuthLocket." *)
Ehe wir nun zu der Beschreibung der Stadt selbst und ihrer ein-zelnen Merkwürdigkeiten übergehen, wird es nicht am unrechten Ortesein, einen Blick auf die Geschichte Triers zu werfen, und, so weites der enge Raum gestattet, an unserm Geiste vorüberzuführen. Be-sonders möchte in diesem kurzen Abrisse die römische Periode derselbeneinige Aufmerksamkeit verdienen, weil sie diejenige ist, in der Trierals Nebenbuhlerin Roms eine welthistorische Bedeutung hat.
Die älteste Geschichte der Trierer und ihrer Stadt liegt gänzlichim Dunkeln. Erst, als die Römer unter Caesar erobernd in Gal-lien auftraten, kommt Licht in dieselbe; denn Cäsar ist der Erste, deruns in seinem Werke „über den gallischen Krieg" Nachricht überdieselbe gibt. Er schildert uns die Trevirer als Deutsche. Alles,was er und andere römische Geschichtschreiber über sie berichten, stimmtvollkomme» mit den Sitten und Gebräuchen übercin, die wir bei dengermanischen Völkern finden. Sie sind auf jeden Fall aber schon sehrfrüh von jenseits des Rheins in die Moselgegenden eingewandert.Wahrscheinlich bildeten sie schon einen Theil jener ersten Einwanderungder Germanen in Gallien, die einige Geschichtschreiber gegen 160v. Chr. erwähnen. Den Zeitpunkt der Gründung ihrer Stadt aber
V, 2S ff. — ZNS ff. nach Bvckmg's Ucbers.