Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Trier.

^ricr, Hauptstadt des nach ihr genannten Regierungsbezirksder preussischen Rheinprovinz, liegt an einem der schönsten Punktedes ganzen Moselthales. Sonst durchgehends eng und von schroffenBergabhängen eingeschlossen, namentlich von da an, wo die Mosel i»die preussische Nhcinprovinz tritt, erweitert sich hier, auf eine Streckevon etwa 4 Stunden, das Thal der Art, daß die auf beiden Seitendesselben sich erhebenden Berge eine fruchtbare Ebene in einer Breitevon einer halben Stunde einschließen. Mitten in diesem Thale liegtnun die alte, ehrwürdige Treviris mit ihren Kirchen und mannig-fachen Ucberresten des grauen Alterthums, die, ein Bild der Vergäng-lichkeit, an das Hinfällige aller menschlichen Werke erinnern.

Die Stadt auf seinem rechten Ufer liegen lassend, durchströmt derFluß in großen Krümmungen, in nordwestlicher Richtung, das Thal,das mit den fruchtbarsten Feldern, schönsten Wiesen und prächtigen Gärtengeschmückt ist. Im Westen erhebt sich mit seinen schroffen Felsen vonrothem Sandstein der Markusberg als Ausgangspunkt des Eifel-gebirges. Diese fast senkrecht abgeschnittene Felsenwand, hier undda von einzelnen Birken, Tannen und Strauchwerk bewachsen, zwi-schen denen das Steinshäuschen und der sogenannteneue Weg",ein dem nördlichen Ende der Stadt gegenüberliegendes, fast nur vonarmen Leuten bewohntes Dörfchen, mit ihren weißen Vorderseiten her-aussehen, gewährt durch den bunten Farbcnwechsel einen malerischenAnblick. Auf seinem Kamme thronte zur Nömcrzeit, wie die Sagelautet, ein Tempel des Lichtgottes Apollo, stolz auf die unter ihmliegende Stadt hinabsehend. Jetzt krönen seinen Gipfel eine kleineKapelle des heiligen Markus, die während der Markus-Octavc dasWanderungsziel aller Trierer ist, und die dem ganzen Berge seinenNamen gab, das Wetterdorfshäuschen und das Weißhaus,Lieblingsorte der Bewohner Triers. Den höchsten Gipfel des Kam-mes bildet das Metzgers-Krcuzchen; es liegt fast dem Mittelpunkteder Stadt gegenüber und gestattet eine herrliche Aussicht über dasganze Thal. Hinter dem Weißhause und bedeutend höher liegendschließt in nördlicher Richtung der Kockelsberg den Gesichtskreis.

Das auf der östlichen Seite der Stadt sich erhebende Gebirg, diewestliche Abdachung des Hunnsrückens, in dieser Gegend Hoch-wald genannt, ist weit weniger steil, als sein gegenüberliegenderZwillingsbruder, und läuft nur allmählig an. Seine der Ost- undSüdseite zugekehrten Abhänge sind als Weinberge benutzt, die zumTheil treffliche Weine liesern; unter ihnen ist der Pichter besondersbekannt. Wie auf dem Markusberge, so stand auch auf diesem Bergezur Zeit der Römer ein dem Kriegsgotte geweihter Tempel, so daßalso die mächtige Kaiserstadt unter dem Schutze dieser beiden Gotthei-ten ruhig und sicher sich ausdehnen und ihre Pracht entfalten konnte.Vor einiger Zeit hat man hier noch Ueberrcste römischer Gebäude ent-deckt. Sollten sie vielleicht von eben jenem Marstempel herrühren?In der christlichen Zeit schmückte diesen Berg eine Kirche der MutterGottes mit einem daneben liegenden Nonnen-Kloster des heiligenMartinus. Doch schon im lZ. Jahrhunderte wurden Kloster undKirche abgebrochen und in die Stadt verlegt. Jetzt nimmt die Spitzedes Berges das Petris-Häuschen ein, das eine ziemlich imposanteFronte darbietet. Am Fuße des Berges, unter dem sogenanntenFranzensKnöppchen, von wo einst Franz von Sickingcn dieStadt beschoß, liegt, hinter einem Walde von Obstbäumcn fast ganzverborgen, das Dörfchen Kürenz,

So von allen Seiten von Bergen umschlossen, gewährt Trier,wo wir auch unsern Standpunkt wählen mögen, einen herrlichen An-blick. Um in kurzen Zügen ein zusammenhängendes Gemälde des gan-zen Thales zu entwerfen, das zugleich unserm Bilde:Total-Ansichtvon Trier" erklärend zur Seite stehen soll, wählen wir einen her-vorspringenden Felsen jenes Berges, auf dem das Wcißhänschenaus den es umgebenden kunstvollen Gartcnanlagen anmuthig hervor-steht: damit unser Blick, nach keiner Seite gehindert, frei nach allenRichtungen sich hinwenden und alles BcmerkenSwerthe überschauen kann.

Ganz im Vordergrunde, unmittelbar uiiter unsern Füßen, liegt,fast an die schroffe Felsenwand angelehnt, das Dörfchen Pallien.Seine einzeln stehenden Häuser, besonders seine an der Felsenwandübereinander sich erhebenden Mühlen; die alle durch einen schwachenGießbach vermöge seines starken Falles in Bewegung gesetzt werden,erinnern uns lebhaft an die romantischen Thälchen, wie wir sie sohäufig in Gebirgsgegenden antreffen. Hinter dem Dörfchen erblicktman, von Bäumen halb verdeckt, die Napoleons-Brücke, die, in einemkühnen Bogen bestehend, über die tiefe Palliencr Schlucht führt undeinen Theil der mit vieler Mühe unter der französischen Herrschaftangelegtenzum jgroßen Theil durch Felsen gebrochenen AachenerStraße bildet. Neben Pallien, zwischen der Mosel und dem schroffenFclsabhange läuft die Koblenzer Straße durch, die, zwischen Pal-lien und der Moselbrücke mit einer schönen Allee bepflanzt, ansonnigen Nachmittagen den Bewohnern Triers einen angenehmenSpaziergang darbietet. Jenseits des Flusses fesselt unsern Blick dieStadt mit ihren Schieferdächern, deren Blau, vielfach gemischt mitdem Grüu der Bäume, die sich in reicher Anzahl in den innerhalb derMauern und zwischen den Häusern der Stadt gelegenen Gärten befin-den, dem Auge ein erquickendes Bild gewährt, weit verschieden vonjenem, wie eS uns die Häusermasse anderer großen Städte darbietet.Und doch scheint Trier, von unserm Standpunkte aus betrachtet, eineweit größere Stadt zu sein, als sie es wirklich ist; denn grade durchdiese, innerhalb seiner Mauern liegenden und an dieselben sich anschlie-ßenden Gärten werden die in seiner Nähe sich befindlichen Ortschaften,wie Paulin, Maar, Zurlauben, St. Barbara, Löwenbrü-cken, St. Mathias und St. Medard, so täuschend mit der Stadtin einen Ring vereinigt, daß sie alle nur ein großes Ganze, das sichin einer Ausdehnung von fast einer Stunde von Paulin bis St.Medard erstreckt, auszumachen scheine».

Unter dieser Masse zieht zunächst das, im Vordergrunde und Pal-lien gegenüberliegende Schifferdörfchen Zurlauben unsre Aufmerk-samkeit auf sich. Seine kleinen, aber freundliche» Häuser ziehen sichunmittelbar an der Mosel hin, die hier durch eine Insel in zweiArme getheilt ist, und vereinigen sich nach der Stadtseite mit den nochzum Theile stehenden Gebäuden der ehemaligen Benediktiner-AbteiSt. Martin. Links von Zurlauben, weiter von der Mosel entfernt,erblicken wir Paulin mit seiner schönen, im Jahre 1732 unter demKurfürsten Franz Georg Grafen von Schönborn, angefangenenund 1757 vollendeten Kirche, deren Deckengemälde »I tieseo, das Mar-terthum der Trierer unter Riccius Varus im Jahre 288 n. Chr.G. darstellend, die Bewunderung aller Kenner auf sich ziehen. Zwi-schen ihr und der Stadt prangt die Kirche der ehemaligen reichen Ab-tei St. Marimin, die nebst den daran stoßenden Klostergebäudcn ineine Kaserne verwandelt ist, die jedoch nach dem Plane Sr. Majestätdes jetzigen Königs wieder in eine Kirche, und zwar für die protestan-tische Gemeinde umgeschaffen werden soll. Ihre Fronte werden dannauch wieder die beiden Thürme schmücken, die bei der Umwandlungder Kirche bis zum Dache abgebrochen wurden.

In der Stadt selbst läßt sich schon auf den ersten Blick die schwarzeMasse des Römerthores nicht verkennen, das nördliche Ende der Stadtbezeichnend. Weiter zurück in der Richtung nach Südosten erhebt sichstolz der Dom, mit seinen so ungleichen Thürmen, und an ihn sich an-schmiegend, gleichsam unter seinem mächtigen Fittige Schutz suchend, siehtuns in jungfräulicher Schönheit der gothischen Baukunst die Licb-frauenkirche entgegen. Auf dem höchsten Theile der Stadt endlichbietet uns der Palast die ganze Fronte seines römischen Theiles dar,und ruft uns so unwillkührlich jene Zeiten ins Gedächtniß zurück, inwelchen die Römer diese Gegenden belebten und das Thal und diedaran stoßenden Berge mit ihren Prachtgebäuden geziert hatten. Fastam südlichen Ende der Häusermasse ragt noch die Kirche zu St. Ma-thias hervor mit ihren abgebrochenen Thürmen, nicht zu gedenkender Thürme, die sonst noch an verschiedenen Stellen die Lage der Ktr-