Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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nach Burtscheid hinüber, weit ausdehnt. Der Chaussee entlang erreichtman die eine Meile von Aachen entfernte Brander Haidc, wo bis zumletzten Jahre große Wettrennen gehalten wurden. Von hier geht linksherüber der Weg nach dem eine halbe Stunde entfernten, durch seine Mes-ssngfabriken und Glashütten bekannten Stolberg, gerade aus aber nachdem romantisch gelegenen Städtchen Cornelymünster, das seinerLage, der schönen und mit berühmten Reliquien versehenen 'Kirche, einstdem Sitze des reichsunmittelbarcn Abts von Cornelymünster, und derbenachbarten Eremitage wegen, einen Besuch verdient. Von da aus führteine wohl unterhaltene Heerstraße über das hohe Veen, Montjoie, Prüm,Bittburg nach dem 2l Meilen weit entfernten Trier. Gehen wir aufderselben nach Aachen zurück, so finden wir hier dicht am Adalbertsthore,wo sie beginnt, die Ketschenburg, einen angenehm gelegenen, sehr be-suchten öffentlichen Garten, wo bisher in der Saison Nachmittags Spiel-bank gehalten wurde. Nicht weit davon ist an der Straße die erhöhteStelle, wo am l8. October 1318 die in Aachen versammelten Monar-chen ihren zu Leipzig geschlossenen Bund feierlich erneuerten, und jetzt zumAndenken daran ein erst in seinen Grundlagen vollendetes Monument er-richtet wird. Schöne Wiesenpfade führen, links hinüber, von hier nachdem nicht weit von der Aachen-Kölner Landstraße gelegenen SchlosseKalkofen, in dem 1791 der berühmte Vertheidiger Gibraltar's, Gene-ral Elliot, am übermäßigen Genusse des Aachener Schwefelwassers, daser ohne Zuziehung eines Arztes gebrauchte, verstarb. Jenseits der benach-barten Chaussee, nach dem 9 Meilen von Aachen entfernten Köln (überJlllich und Bergheim) liegt an der vom Sandkaulthor beginnenden Land-straße nach Duisburg, das schöne Landhaus Tivoli und etwas höherhinauf, gelehnt an die das Aachener Thal bcgränzende Hügelkette, Kai-sers ruh, eine Villa des Kanonikus von Fisenne, ausgezeichnet durcheinen großen, mit Anlagen aller Art und einem ausgedehnten Treibhauseversehenen Garten, an dessen höchster Spitze ein im chinesischen Style an-gelegter Pavillon eine herrliche Aussicht auf die Stadt und ihre Umge-bungen darbietet. Beim Monarchencongreß zu Aachen hielt sich KaiserAlexander darin auf, woher der Name. Ganz in der Nähe, im Thaledes Wurmbachs und an den sich längs desselben erhebenden Anhöhen liegtdas Paulinerwäldchen, ein anmuihiger Hain, beim Volke Berger-busch genannt, von Napoleons Schwester Pauline aber, deren Licblings-aufenthalt er wär, mit seinem jetzigen Namen verschen. Von dort zurStadt zurückkehrend, erreicht man bald den zwischen dem Sandkaul- undPont-Thor bis zur Stadtmauer hinab sich erstreckenden Lousberg.

Der Lousberg, der seinen Namen wohl von dem altdeutschen Lu-gen, niederdeutsch Lousen (um sich sehen) herleitet, besteht aus Sandla-gcn verschiedener Färbung, von einigen Thonlagen durchzogen, zwischendenen größere und kleinere Stücke Kalkstein vorkommen. Petrefacten al-ler Art, versteinerte Seemuscheln, Haifischzähne, Knochen von Thierenund Abdrücke vou Pflanzen einer untergegangenen Welt, finden sich dichtan der Oberfläche, wie im Innern des Berges, und geben den Beweis,daß hier einst Meercsfluthen gewogt, und Aachens Thalkessel durch einenSee ausgefüllt gewesen ist. Früher war der in gcognostischcr Hinsichtsehr merkwürdige Berg eine öde, fast unzugängliche Schaftrift. Seit 1897aber wurde er zu Spaziergängen eingerichtet, und mit schönen Garten-anlagen versehen. Ein wohl erhaltener mit Baumreihcn eingefaßter Fahr-weg führt bis zur höchsten Spitze, die gen Süden 799 Fuß über demNiveau der Nordsee liegt, und mit einem steinernen Obelisk von beinahe29 Fuß Höhe versehen ist. Auf derselben befindet sich eine Inschrift,welche die Hauptresultate der dort von französischen Ingenieurs 1897vorgenommenen trigonometrischen Vermessungen angibt. Nach derselbenliegt diese Stelle unter 59° 47' 8" 8'" Nördl. Br. und 3° 44' 57" 5'"Länge, vom Meridian der pariser Sternwarte an gerechnet. Etwas tiefer,aus einem gen Süden zu sich ausdehnenden Plateau steht ein der StadtAachen zugehöriges Belvedere, mit einer Restauration verbunden. DerAachen, l>.

große Saal desselben ist sehr geschmackvoll decorirt, und man genießt vonder um denselben lausenden Gallerte, wie von der Spitze des Bergeseine Aussicht, die zu den schönsten der Gegend gehört. Nach Süden liegtzu Füßen des Beschauers die große Stadt mit ihren'Thürmen und Ge-bäuden, die namentlich gegen das neue Thor hin einen interessanten An-blick gewähren; über denselben strecken sich die höchsten Häuser von Burt-scheid dahin und es begränzen den Horizont die vom Aachener Busch be-deckten Anhöhen, zwischen denen durch sich die große Heerstraße nachBelgien und Frankreich hinzieht, und an deren entgegengesetztem FußBelgien beginnt und die ersten Wasser zur Maas herabflicßcn. Links er-blickt man Drimborn und sein Wäldchen, Schönforst, die schnurgradeStraße nach Trier bis zum Dorfe Brand, hinter welchem die waldum-wachsenen Berge bei Cornelymünster und die bläulichen Umrisse des hohenVeen den Gesichtskreis schließen. Rechts von der Stadt sieht man genWesten das holländische Grenzdorf Vaals und ein wenig nördlicher aufeiner Anhöhe das Dorf Laurcnzberg, von dessen Kirche unter dem Schat-ten einer großen Linde man eine Aussicht genießt, welche der vom Lousbergvielleicht an Großartigkeit nachsteht, sie aber jedenfalls an Originalitätübertrifft. Nördlich zeigt sich das Thal des Paulinerwäldchens, hinterwelchem sich das steinkohlenreiche Ländchcn der Heiden aufthut, so genannt,weil dorthin Karl der Große Sachsencolonien verpflanzt haben soll; hierbeginnen die berühmten Steinkohlengruben des Wurmreviers. Rechts vomPaulinerwäldchen, und zwischen dessen Anhöhen und dem Berge, liegtdas liebliche, bäum- und qucllcnreiche Soers.thal, dessen Villen, Meie-reien, Wiesen, Saatfelder und zahlreichen Weiher einen lieblichen An-blick darbieten. Weiter gen Osten und bis zu der unser Rundgemäldeschließenden Straße »ach Trier erblickt man die Dörfer Haaren, Verlau-tenhcide, Eilendorf, hinter welchen die Höhen des Reichswaldcs den wei-teren Blick hemmen. Die rheinische Eisenbahn verfolgt man von unseremStandpunkke vom Aachener Stationsplatze an bis zu der Stelle, wo siediese Höhen hinter Eilcndorf durch den Nirmer Tunnel durchbricht, umsich in die fruchtbaren Ebenen des Jülicher Landes hinabzusenken. Süd-östlich vom Lousberg, dem Sandkaulthore zugewandt, liegt vor uns derSalvatorsberg, nur durch eine tiefe Gasse von jenem getrennt. DieSpitze desselben ziert eine Kirche, von Kaiser Lothar I gegründet, undvon Otto in. mit einem Nonnenkloster versehen, dessen Bewohnerinnenjedoch später nach Burtscheid versetzt wurden. Jetzt bildet sie, besonderszur Passionszeit, einen sehr besuchten Wallfahrtsort. Ueber die Entste-hung beider benachbarten Berge erzählt die Volkssage, daß der Böse,als er durch die in das Aachener Münster gejagte Wölfin (s. oben) umdie ihm verschriebene Seele geprellt worden, vom Rachegefühl durchdrun-gen, flugs zum Mecresstrande hingeeilt sei, und dort eine Sanddüneaufgenommen und wie einen Mehlsack über die Schulter geworfen habe,um unter ihr Aachen zu begraben. Als er schon die Maas damit über-schritten, jagte ihm der Wind Sand iu die Augen, so daß er die Stadtverfehlte. Im Soersthal begegnete ihm ein altes Weib, das er nach demWege frug. Die Alte, Böses ahnend, erwiederte ihm schlau, er sei vomWege weit abgekommen; sie habe ihre Schuhe in Aachen neu angezogenund jetzt seien sie schon durch das weite Gehen zerrissen. Da wurde demBösen die Schlepperei zu arg, er warf seine Last fluchend zur Erde undfuhr davon. Die Sandmasse aber bildete, durch das vorn und hintenüber seine Schulter herabfallende Stück, die beiden blos durch eine Gassegetrennten Berge, deren höchster auch, weil ein altes Weib selbst dem

Teufel zu loos, der Loosberg geheißen.

Kehren wir nun zu unserem Rundgange zu Aachen zurück, so erbli-cken wir jenseits des Pontthores, von dem aus die Chaussee durch dasKohlenland der Wurm nach Zeilcnkirchen und Heinsberg führt, in derMauer der Stadt einen Thurm, auf dem höchsten Punkte derselben ge-legen, beim Volke nurder lange Thurm" geheißen. Von ihm herüber,in die Stadt hinein, wo jetzt der Templergraben liegt, erstreckten sich