die Grenzen der Zeichnung hier anzudeuten erlaubten), zur linken Hand !Burtscheid mit seinen beiden hochgelegene» Kirchen und den es begräuzen- !den, waldbcwachsenen Anhöhen, rechts ein schönes, an Landhäusern, Fabrik-gebäuden, Weilern, Baumgruppen und Teichen reiches Thal aus, welches,im Rucke» des Beschauers, die rheinische Eisenbahn durchschneidet, unddas für den Blick erst in den über eine Stunde entfernten Anhöhen nach 'Köln zu seine Gränze findet, während ganz in der Nähe des gewähltenStandpunktes, einerseits der Viaduct der Eisenbahn, andererseits dasdicht bei demselben gelegene Franke nberg (s. die Abbild.) dessen Haupt-zierden bilden.
Aachen liegt, wie schon aus dem Vorhergehenden zu ersehen, in ei-nem von mäßigen Anhöhen begrenzten Thale, wie in einem Kessel. GenNorden, da, wo sich der Lousberg erhebt, nähern sich diese Grenzen derStadt am meisten, und dehnen sogar ihr Gebiet bis in deren Straße»aus, wo sie sich erst gegen die Mittelstadt zu verlieren, während sie aufallen anderen Seiten, namentlich auf der ganz entgegengesetzten, nachKöln zugewandten, sich etwa eine Stunde von den Häusern der Stadtentfernen, und dadurch einem reich bevölkerten anmulhigen Thale Platzgeben, welches vereint mit dem Lousbcrge Aachen's Umgebung so reizenderscheinen läßt. Fast rund um die ummauerte Stadt dehne» sich zunächstschöne, öffentliche Spaziergänge aus, welche man auf den ausgefülltenehemaligen Sladigräben angelegt hat, und die namentlich vom Adalberts-thor rechts hinüber über das Köln- und Sandkaulthor bis gegen dasPontthor hin, zwischen welchen letzteren die der Stadt zugekehrten Ränderdes Lousbergs hinlaufen, eine angenehme und bei schönem Wetter sehrbelebte Promenade darbieten, die in einein Halbzirkel um die Stadtmauerherumläuft, und mit Anlagen, Booquets und Teichen geziert ist. In-nerhalb der Stadt läuft correspondirend neben der Mauer der ehemaligeWall hin, welcher geebnet .und fast durchgehends mit Baumreihen besetzt,ebenfalls einen rund um die Stadt gehenden Spazicrgang darbietet, denbesonders an den erhöhten Stellen zwischen dem Jakobs- und Sandkaul-thore ein schöner Blick auf diese auszeichnet. Gehen wir nun vom Ja-kobSthore zunächst links herüber zu dem zwischen Marschicnhor und Adal-bcrtsthor gelegenem Neuen Thore, vor welchem sich die Anhöhe erhebt,von der aus wir zuerst einen Blick auf Aachen warfen, und beginnen vonda an die nähere Einsicht in seine Umgebungen.
Dicht vor dem neuen Thore, nachdem man eine ebenso zierliche alsdurch ihre Breite imponirende Straße vor demselben durchwandelt, ge-langt man zu dem Bahnhose der rheinischen Eisenbahn, deren großartigeBauten seit einigen Jahren das Thal von Aachen zieren. Der Bahnhofselbst zeichnet sich durch das schön und zweckmäßig angelegte Stationsge-bäude und das sehenswerthe Locomotivenhaus aus. Auf der Belgien zugelegenen Seite wird »och thätig an Vollendung der dahin gehendenBahn und ihrer Anlagen gearbeitet, während »ach Köln zu sich dieselbegleich von dem hoch gelegenen Bahnhofe über einen prachtvollen Viaductund einen Damm bis zum Nirmer Tunnel hinstreckt, durch rpclchen siedas Thal von Aachen verläßt, und in das der Jnde, hineintritt, um vonda in das Rocrthal und dann durch den Tunnel von Königsdorf in dieRheincbene hinabzusteigen. Der Viaduct selbst liegt unmittelbar beimBahnhofe, zwischen den Wiesen von Burtscheid und Frankenberg, undführt die Bahn hoch über die vom Adalbertsthore nach Burtscheid führendeChausee hinweg. Er erstreckt sich in stark gewölbten Bogen in einerLänge von 832 Fuß über das Thal; seine Höhe beträgt an dessen nied-rigster Stelle 70 Fuß, seine Breite 26 Fuß. In der Mitte des Thalsist die Bogcnführung doppelt, indem eine Bogcnstellung auf der anderenruht. 20 große und lö kleinere Bogen tragen dies colossale Bauwerk,das in Deutschland einzig dasteht, und den großartigsten Bauten römischerWasserleitungen rühmlich zur Seite gestellt werde» kann. Von ihm herabentfaltet sich ein herrliches Rundgemälde von Aachen und seinen Umge-bungen.
Unmittelbar an den Viaduct schließt sich zur Fortführung der Eisen-bahn durch das aachener Thal der schon erwähnte hohe Damm in einerCurve an, dicht an welchen, nur durch einen Felsbach getrennt, sich dasSchloß Frankenberg lehnt. (Von ihm herab ist auch unsere Abbil-dung aufgenommen). Auf einem ziemlich hohen, mit Buschwerk bewach-senen Felsen, rund von eincm Teiche umgeben, erhebt sich die, wie histo-risch merkwürdige, so durch ihre reizende Lage ausgezeichnete Burg. Vondem uralten Schlosse sind nur die Reste eines zerfallenen, mit Ephenumrankten Thurmes übrig, die jetzt zu einem runden Thurme ergänzt,sich an das weit neuere Gebäude (vom Jahre 1642) anlehnen, das inneuester Zeit ausgebaut und mit einem zweiten e.ckigen Thurme versehenworden ist. Von seinen Fenstern eröffnet sich ein lieblicher Blick aufAachen und den dahinter gelegenen Lousberg. Ueber den umgebendenSchloßteich führt auf vier Schwibbogen eine steinerne Brücke zu demvorderen Wirthschaftsgebäude, das auch vor Kurzem erst in seiner jetzigenGestalt restaurirt worden ist. An Frankenberg hat die Sage eine ihrerschönsten Bildungen angeknüpft. Ursprünglich ein Jagdschloß Karl's desGroßen, soll der Kaiser hier seinen Liebiingssitz gehabt haben. An denSee, der die Burg umfloß, bannte, so heißt es, ihn ein mächtiger Zau-ber. Denn als Karls heiß geliebte Gemahlin Fastrade starb, wollte ervon der schon verwesende» Leiche nicht lassen, zum großen Schrecken sei-nes Gefolges. Endlich unternahm der weise Turpin es, dieser gcheim-nißvvllcn Zuneigung auf den Grund zu kommen, und fand bei nähererUntersuchung in Fastraden's Munde einen Ring, den ihr einst der Kaisergeschenkt. Er nahm ihn zu sich, worauf Karl sogleich Fastraden begrabenhieß, Turpin aber nicht mehr von sich lassen wollte. Sich von diesemunnatürlichen Zauber zu befreien, warf derselbe daher im Vorbeireitenden Ring in den frankenberger See, und von da an war dieser und seinSchloß Karl's liebster Ruheplatz. — Auch soll auf Frankenberg's Schloß-hofe der Kaiser die Tochter Emma erblickt haben, wie sie den geliebtenEginhard über den Schnee zurücktrug. Geschichtlich steht das hohe Alter,auch durch den Namen Burg der Franken, jetzt F.ankenberg, angedeutet,des Schlosses fest, das später eine Unterherrschaft des Herzoglhums Jülichwar, und den Herrn von Merode gehörte. Der jetzige Besitzer ist Herrv. Coels zu Aachen, dem es seine Erneuerung verdankt. Seine Umge-bungen sind reich an Singvögeln und seltenen Pflanzen, von denen einigewohl der Nähe des warmen Wassers ihr Hiersein verdanken. Dicht beiFrankenberg nämlich einspringt auf freiem Felde eine heiße Quelle, derenAbfluß, vereint mit dem der burtscheider Quellen, den dicht am Viaductgelegenen, f. g. warmen Weiher bildet, einen großen Teich, dessen Haupt-bestandtheil kaltes Schwefelwasser ist. Dicht neben ihm fließt ein Fels-bach, besonders interessant durch die in seinem Bette befindlichen sehcns-werthen Wagenspuren, die römischen Ursprungs sein und von der altenRömcrstraße von Tongern über Aachen nach Trier herrühren sollen.
Verfolgt man den Lauf dieses Baches se.nem Ursprünge zu, so ge-langt man zu dem, rechts von der Chaussee von Aachen nach Trier ge-legenen, freundlichen Landhause Dr im born, an das sich ein schönerGarten und ein anmuthiges Lustwäldchen anschließt, das durch seine hohenBäume, Grotten, Tempel, eine kleine Eremitage und einladende Aus-sichten einen wahrhaft romantischen Anstrich erhält. In einer Grotte stehtein massiv steinerner römischer Sarcophag, der beim Schlosse Palant,zwischen Eschweiler und Düren, in der Erde gefunden wurde. Früherhatte hier das adelige Geschlecht der Drimborn seinen Stammsitz, welchesin der Geschichte Aachens eine Rolle spielt. Gleich hinter Drimborn,jenseits des Bcverbachs, liegt, der Chaussee entlang, das durch eine schöneLinde bemerkenswcrthe Dorf Forst, und hinter demselben das RittergutSchönforst, einst der Sitz eines Jülichschen Amtes, später im Besitzdes Grafen Spee. Von dem uralten Schloß sind nur der Theil einesThurmes und einige Mauerreste vorhanden. Das Gut wird rings vonBusch umschlossen, der sich zu beiden Seiten links nach Stolberg, rechts