Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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einst die bedeutenden Gebäulichkeiten dbs TemplerordenS zu Aachen. Dichtbei denselben liegt das Königsthor, von dem aus die Königsstraße in dieMitte der Stadt führt, durch welche sonst die deutschen Könige ihrenEinzug in dieselbe hielten. Vom Königsthore gelangt man zum Vaal-ser oder Junkers-Thor, durch welches der Weg zur holländischen Grenzebei dem Stunde weit entfernten Dorfe Vaals und von da nach Maest-richt führt. Zunächst folgt dann das Jakobsthor mit der Heerstraße nachLüttich, und das Marschirthor mit dem Wege nach Eupen und Verviers,der sich an Burtscheid vorbeizieht. Diese kaum einige Schußweiten vomMarschirthor entfernte Nachbarstadt Aachens mit ihren nächsten Umgebun-gen, lehnt sich wiederum an den Eisenbahnhof und Viäduct an, undschließt so unseren Ueberblick der Aachener Umgebung. Indessen, da siegleichsam als Aachens Vorstadt, stets mit demselben genannt wird, undwie mit Aachen verschmolzen ist, mögen wohl noch einige Worte über siehier an ihrer Stelle sein.

Den steilen Hügel, an dessen Abhang das jetzige Burtscheid her-aufgebaut ist, nahm ehemals ein dichter Eichenwald ein, von dessen zahl-reichcn wilden Schweinen der Ort seinen Namen poi-cetum führen soll.Dort legte, wie schon berichtet, der griechische Prinz Gregorius, einBruder von Kaiser Otto'S II. Gemahlin Theophania, 974 ein Klosterfür Benediktiner-Mönche an, dessen erster Prior er wurde. 1220 bezogendasselbe die Nonnen des Klosters vom Salvatorsberge auf Geheiß desErzbischofs Engelbert von Köln, und blieb es so bis zur Säcularifirungdurch die Franzosen eine reichsunmittelbare Frauenabtei, deren Aebtisfinüber das um das Kloster herum sich anbauende Burtscheid regierte.Schon 1300 blühten dort mit den Aachenern rivalifirende Tuchfabriken,die sich noch durch Nadelfabriken vermehrten, als nach den religiösen Un-ruhen in Aachen viele Nichtkatholische dorthin, wo die Aebtissin Duldunggewährte, auswanderten. Doch mußten auch die hiesigen Evangelischen,. wie die Aachesser evangelische Gemeinde, bis zum Jahre 18^2 sich zumGottesdienste nach Vaals begeben, wo sie eingepfarrt waren.

Burtscheid zählt jetzt in 500 Häusern etwa 7000 Einwohner, fürwelche die Fabriken und Bäder eine Quelle des Wohlstandes find. Be-

merkenswerth ist in der Stadt die ehemalige Abteikirche, jetzige Pfarr-kirche zum heil. Johann dem Täufer, ein schönes Gebäude, worin derGründer des Klosters, Gregor, begraben liegt. Außer dieser ist nocheine zweite katholische Kirche, zum heil. Michael, und eine evangelischeKirche vorhanden. Die Burtscheider Thermen sind ebenso bedeutend, alsdie Aachener. Sie werden in die unteren oder geschwefelten, und in dieoberen oder nicht geschwefelten eingetheilt. Die Temperatur der ersterenvariirt von 35 bis 46'/, Grad, die der letzteren von 43 bis 62 GradR. Sie unterscheiden sich durch einen Geschmack nach Kochsalz und Al-kali von den Aachener Quellen, denen sie sonst vielfach ähneln. Sie ent-springen fast alle aus felsigen Hügeln, deren Bildung, wie die des gan-zen Terrains, in geognostischer Beziehung dem von Aachen sich anschlie-ßend, auf vulkanischen Ursprung deutet. In neuen Badehäusern, die allePrivateigenthum, werden sie benutzt, zu welchen noch ein vor der Stadtnach dem Viäduct hin gelegener Trinkbrunnen mit einer angenehmenPromenade kömmt. In der Hauptstraße der Stadt im Thale befindetsich außerdem der s. g. Kochbrunnen, eine in einer Mauerverticfung ohneBedachung hervorsprudelnde Quelle von 48 Grad Wärme. Der sehr be-trächtliche Abfluß aller dieser Thermen bildet einen starken Bach, der sichmit der das Aachner Thal durchziehenden Wurm vereinigt, nachdem er zu-vor den schon erwähnten warmen Weiher bei Frankenberg gefüllt hat.

Burtscheid's Umgebungen sind angenehm und namentlich bilden diehinter der Stadt nach dem Aachener Busche zu angelegten Promenadeneine Zierde derselben. Durch sie führt der Weg nach einem der heil.Jungfrau geweihten Kapellchen, einem besuchten Wallfahrtsorte, nicht weitvon der Straße nach Eupen, an der, etwa Stunden weit entfernt,auf einem Hügel das romantisch gelegene Landgut Haidchen und dasStadtförsterhaus Linzcnshäuschen oder Jägerhans, mit einer ein-ladenden Aussicht, gelegen find. Auf der anderen Seite von Burtscheid,dicht beim Eisenbahnhof, liegt das Burtscheider Casinogebäude, ausdessen Fenstern man den Anblick auf Aachen hat, welchen unsere Total-anficht gibt, zu der zurückkehrend wir unsern Ucberblick des Merkwürdi-gen der alten Kaiserstadt und ihres reizenden Thales hiermit schließen.