Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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deine Karl des Großen legen, die aber später, 1213, in den in derSacristei befindlichen Kasten kamen); 2) die ungarische Kapelle, 1372 vonKönig Ludwig I von Ungarn gestiftet, von Maria Theresia 1748 er-neuert, geziert mit der Statue des heil. Ladislaus; eS wurde darin infrüheren Zeiten in ungarischer Sprache für die zahlreichen Pilger vondort gepredigt; 3) die St. Annenkapclle im Hochmllnster, 1449 geweiht,und 4) die ebenfalls im Hochmünster befindliche Michaelskapelle, 1343 vonHerzog Heinrich von Bayern, Bischof von Speyer, gestiftet. Auf denGängen, die zu dieser Kapelle führen, find mehrere seltene Bilver alt-deutscher Schule, wie auch ein Bild von Rubens. Ganz in der Nähedes Domes, auf dem. Fischmarkt, steht noch eine zu demselben gehö-rige Taufkapelle, dem heil. Johannes dem Täufer geweiht.

An der nach dem Fischmarkte zu gelegenen Hauptthüre des Domesbefinden sich auf zwei steinernen großen Thürpfosten ein eherner Tann-zapfen und eine Wölfin von gleichem Stoff, welche auch die Kunstreisenach Paris mitgemacht hat. An fie knüpft das Volk die durch LangbeinsGedicht bekannt gewordene Sage, daß beim Dombau das Geld denBauenden ausgegangen, daß dann der Teufel solches vorgeschossen, nach-dem man ihm die Seele des Ersten, der den fertigen Bau betreten werde,verschrieben, daß daher, als das Gotteshaus vollendet, Niemand dessenSchwelle habe überschreiten wollen, und man zur Abhülfe eine so ebengefangene Wölfin hineingejagt, mit der fich der Böse habe begnügenmüssen; deß zum Andenken stehe hier das Bild der Wölfin und desTannzapfens, dem ihre verlorene Seele gleiche. Einen bcmerkens-werthen äußeren Anblick gewährt jedoch von dieser Seite der Dom nicht,sondern es muß sich der Beschauer, um einen solchen zu erhalten, viel-mehr nach der an den Münsterkirchhof anstoßenden breiten Seite wenden.Von hier aus (auch unsere Abbildung ist von da aufgenommen) machtdas gewaltige Gebäude einen ebenso imponirenden als ehrfurchterregendenEindruck, namentlich bei Mondschein, wo die einzelnen, durch die ver-schiedenen Bauten des Schiffs, des Chors und der angefügten Kapellenerzeugten Unregelmäßigkeiten schwinden, und die Umrisse der ganzen groß-artigen Masse, an die sich so reiche Erinnerungen knüpfen, wie an keineStädte mehr im deutschen Reich, scharf gegen den dunkelnden Himmel fichabzeichnen. Störend wirken nur die kleinen zwischen den Pfeilern einge-bauten Häuschen und Buden, welche jedoch in naher Zeit durch das Dom-stift, dem sie gehören, weggerissen werden sollen.

Von den übrigen Kirchen Aachens sind bemerkenswcrth die Pfarr-kirche zum heil. Nicolaus, ehemals ein Franziscanerkloster, gebaut1639, durch ihr Altarbild, welches aus drei übereinander stehenden Ge-mälden, die Leiden und Kreuzigung Christi darstellend, besteht, die vonDiepenbeck, Rubens Schüler, gemalt sind. Sodann die Pfarrkirchezum heil. Peter, durch gutgemalte Glasbilder aus neuester Zeit sichauszeichnend, und die zierlich gebaute Pfarrkirche zum heil. Michael,ehemals die Kirche der Jesuiten, deren Kloster an fie stieß.

Unter den neueren Gebäuden steht obenan das Theater (S. Abb.),aus dem Theaterplatz, zu Anfang der gen Süden, nach Burtscheid zu,erst in jüngster Zeit erbauten neuen Straße, die fich durch ihre imponi-rende Breite und einfach schönen Häuser auszeichnet, und sowohl vomSchauspielhause, als von dem an ihrem Ende errichteten neuen Stadt-thore an betrachtet, einen sehenswerthen Anblick gewährt. Das Theater-gebäude selbst, im Jahre 1822 begonnen, 1823 vollendet, hat eine Längevon 298, eine Breite von 83, und eine Höhe von 63 Fuß. Sein Haupt-eingang, der, die Breite des Gebäudes als Hauptfa^ade genommen, ei-nen jonischen Octostylos bildet, ist in ebenso großartiger als geschmack-voller Weise aufgeführt, und stellt sich würdig den schönsten Bauten desAlterthums zur Seite. Der Säulengang ist aus kolossalen Stcinmassengelungen aufgeführt, und das Frontisptce trägt in Goldschrift die Worte-Mussgetne Ilclicvni-Iilunxjue llbvro (Dem Führer der Musen und demChöre der Heliconiden). Ueber demselben erblickt man in halberhabencr

Arbeit Thalia und Mnemosyne nebst ihren Emblemen. Die durch Gaserleuchtete, mit gewärmter Luft geheizte Bühne und Zuschauerraum findgeschmackvoll und geräumig, und können 1399 Personen fassen. Sehrzweckmäßig ist ein unter dein Gebäude durchfließendes Wasser so benutzt,daß es sowohl bei scenischen Einrichtungen als bei Feuersgefahr gleichangewendet werden kann. Die Decke des Saales zieren die Bildnisseder größten deutschen Dramatiker und die Namen der berühmtesten Com-ponisten der Nation. Im Innern des Gebäudes befinden sich auch, außerden für das Schauspiel nöthigen Räumen, noch ein schöner Conzertsaalund mehrere Nestaurattonszimmcr.

Dicht beim Theater, auf der neuen Straße, ist das Regierungs-gebäude, 1829 geschmackvoll und geräumig gebaut, mit einem sehens-werthen Saale, und in kurzer Entfernung der neue Trinkbrunnen,nach der regierenden Königin von Preußen Elisenbrunnen genannt. Erwurde in den Jahren 1823 und 1824 gleich dem Theater in antikerWeise auf das Prächtigste erbaut. Die Fayade, an dorischem Style aus-geführt, ist 266 Fuß lang; in ihrer Mitte erhebt fich eine Rotunde von36'/, Fuß innerem Duchmesser, 46 Fuß äußerer, 36 Fuß innerer Höhe,deren mit Zinkplatten belegtes Zeltdach sich in einen großen vergoldetenTannzapfen endigt. Zwei, 19 Fuß breite Treppe» führen in derselbenzur Trinkstätte hinab, wo das Mineralwasser, 629 Fuß weit aus der be-nachbarten Kaiserquelle hergeleitet, in ein Marmorbassin fich ergießt, ineiner Wärme von 43'// R. Ueber dem Bassin steht auf einer schönenConsole die marmorne Büste der Königin Elise, von Friedrich Tieck inBerlin angefertigt. An beide Seiten der Rotunde schließen fich zierliche,jedoch bedeutend niedrigere Säulengänge an, die einen ununterbrochenen,zunächst für die Kurgäste bestimmten Spazierraum von 189 Fuß Längebilden, und sich zu beiden Seiten in Flügelgebäude endigen, welche Re-staurationssäle enthalten. Vor dem Brunnen ist eine breite, mit Bäumenbesetzte Promenade, und findet dort während der Kurzeit jeden Morgenvon 78 Uhr Harmoniemusik statt.

In der benachbarten KomphauSbadstraße liegt die neue Redoute,ein kurz vor der Revolution im Geschmacke der damaligen Zeit aufge-führtes Gebäude, dessen Bel-Etage großentheils ein mit eleganterStuckaturarbeit und Freskobildern reich verzierter Saal ausfüllt, in wel-chem vom 1. April bis zum 31. Dezember eines jeden Jahres Spielbank(die einzige in Preußen) gehalten wird, und auch die großen Bälle undConzerte stattfinden. Dort ist Mittags, zwischen 12 und 2 Uhr, undAbends nach 19 Uhr während der Badesaison der Sammelplatz der schö-nen Welt. Hinter dem Gebäude ist der f. g. Bend, ein mit Bäumenbesetzter großer Platz, wo alljährlich (vom 13. Juni bis 13. Juli) einKrammarkt abgehalten wird, und sich der alte Trinkbrunnen befindet, um denfich früher die Kurgäste, ehe der Elisenbrunnen gebaut war, versammelten.Er empfängt sein Wasser aus einer unweit des Corneliusbades entspringen-den Quelle, die weit weniger Schwefelgehalt hat, als die Kaiserquelle,und beim Hervorsprudeln nur eine Temperatur von 33 Graden R. befitzt.

Werfen wir nun, nach Aufzählung dessen, was innerhalb AachensRingmauern Merkwürdiges enthalten, auch einen Blick auf die ebensoanmuthigen, als interessanten Umgebungen der Stadt, so erscheint zurGewinnung eines Totalübcrblicks derselben kein Punkt geeigneter,als die in der Nähe des Eisenbahnstationshofes am Burtscheider Cafinogelegene Anhöhe (von welcher auch unsere Ansicht von Aachen aufgenom-men ist). Im Vordergrund der Bahnhof, hinter demselben die ausge-breitete Stadt mit ihren Tausenden von Dächern, in deren Mitte fich,gleich zwei mächtigen Weiscrn auf die ruhmvolle Vergangenheit, rechtsder Dom, links das Nathhauö erheben, im Hintergrund endlich ein Theilder das aachener Thal begränzenden Hügelkette, die hier in dem mit ei-nem Velvedere gezierten Lousberg und dem daneben liegenden Salva-torsberg mit seinem Kirchlein ihre unmuthigsten Spitzen erhebt. Zu bei-den Seiten der Stadt dehnt sich dann dem Beschauenden (weiter, als es