Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Karls des Großen Geschichte, nach Zeichnungen des in Aachen geborenenMalers Alfred Nethcl, verzieren wollen; indessen hat sich hiergegen imSchooßc der Stadt selbst eine Opposition erhoben, die vorerst die Restan-ration des großen Saales in seiner alten Größe, durch das ganze Stock-werk durch, verlangt, über welchen Plan, wie die daraus fließendenStreitfragen bis setzt noch keine Entscheidung ergangen ist. In den un-teren Gewölben des Rathhauses find viele Säle und Zimmer, welche zuAusbewahrung einer Bibliothek, zu den städtischen Archiven, Bureau's,dem Polizeiamte u. si w. dienen. Zum Haupteingange führt von beidenSeiten eine große steinerne Freitreppe, 1730 vom Stadtbaumeister Cou-ven erbaut, welcher bei Legung der Fundamente, in einer Tiefe von un-gefähr lS Fuß, auf eine runde Freitreppe stieß, die nach Alter und Con-struction wahrscheinlich zur Pfalz Karls des Großen gehörte. In derMitte des Marktes, vor dem Rathhause, befindet sich ein, ebenfalls 1353von Gerhard Chorus errichteter prachtvoller Springbrunnen, dessen treff-liches Wasser beinahe eine Stunde von der Stadt, am südöstlichen Ab-Hange des s. g. aachener Busches, entspringt. Aus einer, 1620 gegosse-nen, 12,000 Pfund schweren kupfernen Schaale erhebt sich eine Säule,auf welcher die sechs Fuß hohe, bronzene Bildsäule Karls des Großenemporragt. Aus diesem Behälter, den Löwenköpfe und wasserspeiendeDelphine zieren, ergießt sich das Wasser in eine größere Schaale vonschwarzgraucm Kalkstein. Das Ganze ist mit einem eisernen Gitter um-geben, und hat rechts und links zwei kleinere, mit mächtigen ehernenAdlern gezierte Ncbenbrunncn, welche zum Wasserholen benutzt werden.

Südöstlich vom Rathhause, etwas tiefer, steht ganz in dessen Näheund früher mit demselben zusammenhängend, der Dom oder die Mün-sterkirche. (S. Abb.) Sie besteht aus zwei Theilen, aus der vonKarl dem Großen erbauten und von Papst Leo III im Jahre 804 inGegenwart von 365 Erzbischöfen und Bischöfen eingeweihten eigentlichenKirche (dem Kirchenschiff), und aus dem Chor, dessen Bau 1353 vomBürgermeister Gerhard Chorus begonnen, und 1413 beendigt worden ist.Die Kirche selbst ist ein Octogon von etwa 48 Fuß im Durchmesser,mit einem s. g. Umgange von zwei Geschossen, woran gegen Westen dasThurmgebäute, gegen Osten der Chor stößt. Auf den beiden Seiten be-finden sich mehrere, beiden Geschossen angebaute Kapellen. Das durchseinen ernsten Character und seine ansehnliche Höhe imponirende Octogonhat acht Bogenöffnungen und über denselben acht Fenster. In der Mittedes Kirchenschiffs, unter der hochanstrcbenden Kuppel, liegt ein einfacherStein, welcher das Grab Karls des Großen bezeichnet. Er trägt diein ihrer klassischen Kürze so bedeutungsvolle Inschrift: »ivklVll

Doch befindet sich die Gruft, welche so lange die Gebeine des großenKaisers umschloß, nicht unter diesem Stein, sondern seitwärts desselben.Ueber dem Grabsteine hängt der von Friedrich Barbarossa der Kirche ge-schencktc große zKronleuchter, aus vergoldetem Kupfer kunstreich zusam-mengesetzt. Eine steinerne Wendeltreppe führt zum zweiten Geschosse,dem Hochmünster. Hier standen sonst, in den Bogenöffnungen, die kost-baren, von Karl dem Großen aus der Cathedrale von Ravenna nachAachen geschenkten Porphprsäulcn, die der Sage nach aus dem Tempelzu Jerusalem stammen sollen. Zur Franzosenzeit nach Paris geschleppt,wurden mehrere derselben 1815 wieder zurückgebracht, jedoch vor derHand noch nicht wieder aufgestellt, wozu man erst in neuester Zeit thätigHand ans Werk zu legen beginnt. Hier befindet sich auch der Stuhl vonweißem Marmor, auf dem sitzend Karl der Große in seiner Gruft ge-funden wurde, und der später bei den Kaiserkrönungen diente. Die gol-denen Platten, womit er früher belegt war, sind im Laufe der Zeitenzur Deckung dringender Kirchcnbedürfnisse veräußert worden. Der innereTheil der Kirche ist mit erhabenen Verzierungen und die Bogen mitFrescomalereien geschmückt. Der Chor ist viel höher, als die Kuppeldes Schiffes, 114Fuß hoch, 80Fuß lang, 40Fuß breit, mit 13 hohen Fen-stern versehen, hell und geräumig in einfachem aber edelem gothischen Stple

ausgeführt. Namentlich ist feine Vereinigung mit der Kirche als einMeisterwerk der Baukunst zu nenne». Ihn zieren, an den Wandpfeilernstehend, die Standbilrer der heil. Jungfrau, der zwölf Apostel undKarls des Großen. In seiner Mitte ruht Kaiser Otto III Sehr be-merkeuswerth ist auch die im Chor befindliche, von Kaiser Heinrich II.gestiftete Evangelicnkanzel, welche Goldplatten in getriebener Arbeit,Achate, Gemmen und künstliches Schnitzwerk auf's Reichste verzieren.Neben dem Chor, an denselben anstoßend, befindet sich die Sacristei,welche die seltensten Schätze und Reliquien umschließt, die größtentheilsin einem schönen, mit Bildern altdeutscher Schule (welche man sogartheilweise Albrecht Dürer zuschreiben will) gezierten antiken Schrankeaufbewahrt werden. Es ruhen dort in einem kunstreichen Kasten ausvergoldetem Silber die großen Reliquien oder Heiligthümer, welche,stets verschlossen, nur gekrönten Häuptern, und alle 7 Jahre vom 10.bis zum 24. Juli, oben von der Gallerte der Kirche herab, dem Volkegezeigt werden. Bei der alsdann stattfindenden s. g. Heiligthumsfahrtwaren oft mehr als 50,000 Pilger, in alten Zeiten schon über 100,000und aus den fernsten Ländern, in Aachen versammelt. Es bestehen diesegroßen Reliquien, welche Karl der Große vom Patriarchen Johann vonJerusalem erhalten, und der Aachener Münsterkirche geschenkt hat, auseinem Kleide der heiligen Jungfrau (von weißer Baumwolle und ohneNath), den Windeln des Erlösers, dem Leintuche, worauf Johannesder Täufer enthauptet worden, und aus dem Lcintuche, welches Christusam Kreuze um seine Lende» hatte. Die zahlreichen kleinen Reliquienwerden in mehreren kostbaren, mit Steinen und Gemmen aller Art reichbesetzten Monstranzen, Gefäßen und Kasten von verschiedener Gestalt auf-bewahrt. Man bemerkt darunter ein Stück vom heil. Kreuze, den mitdem Siegel Kaiser Constantins versehenen ledernen Gürtel des Heilands,den Gürtel der heil. Jungfrau. Außerdem befinden sich in der Sakristeinoch mehrere höchst schenswerthe Merkwürdigkeiten und Schätze, welchetheils von Karl dem Großen herrühren, theils von fürstlichen Personender Kirche geschenkt worden sind. So wird der reich in Gold und Silbereingefaßte Schädel des großen Kaisers gezeigt, sein Armknochen, der aufeine kolossale Größe hindeutet, das einfache, aber mit einem Stück desheil. Kreuzes gezierte Kreuz, das er zu Lebzeiten und im Grabe trug, seinJagdhorn, auf dessen Tragbande in massivem Silber dreimal die räthsclhaftenWorteMein Ein" stehen, endlich der aus Gold und Silber zusammen-gefügte Kasten, der den Rest der Gebeine des Kaisers umschließt. Auchzeigt man die Chorkappe, welche Leo III. bei Einweihung der Kirche(804) trug, die blauseidene mit Perlen geschmückte Kasel, worin der heil.Bernhard 1146 dort Messe las, »nd eine goldene, mit Diamanten undanderen Steinen reich besetzte Krone für das Marienbild im Chor, welchedie unglückliche Maria Stuart dahin schenkte. Zwei nicht minder kostbareKronen für das Marienbild und das Jesuskind, ein Geschenk der Jnfan-tin Clara Jsabella Eugenia, wurden in diesen Tagen (am 27. Februar1843) durch räuberische Hand mittelst Einbruchs entwendet, ohne daß bisjetzt eine Spur der Diebe hätte aufgefunden werden können.

An die Kirche sind mehrere Kapellen angelehnt, die zu verschiedenenZeitepochen gebaut, mit dem Gesammtplaue des Kirchenbaues gar nichtsgemein haben, außer dem Umstände, daß überall die Eingänge zu ihnenin die Kirchenmauer hineingcbrochen worden sind, und man so von dieserdirect in sie hineingeht. Es sind diese Kapellen: l) die in kühnen Wöl-bungen aufgeführte Kreuzkapellc, linker Hand zu ebner Erde, 1433 ge-stiftet »nd cheinals der Begräbnißplatz der Stiftsherren; das darin be-findliche Crncifirbild am Altare ist ein Meisterwerk der Holzschneidekunst;besonders sehenswert!) aber sind die vier um den Altar aufgestellten Por-phprsäulen (zu den ehemals im Hochmünster befindlichen, von Paris zu-rückgeholten gehörig), und ein antiker Sarcophag aus parischem Marmor,worauf in meisterhafter halberhabcncr Arbeit der Raub der Proscrpinadargestellt ist; (es ließ in denselben Friedrich Barbarossa 1165 die Ge-