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4 (1843)
Entstehung
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andere leichtere und schwerere Stoffe, als Tuch, und zwar namentlichdie letzteren in großer Vollkommenheit gearbeitet. Sie beschäftigen inund um die, Stadt gegen 12,000 Menschen, und bringen für beiläufig4 Millionen Thaler Waaren in den Handel. Die aachcner Nähnadelnnehmen mit Recht den ersten Rang unter de» deutschen ein, ja sie wer-de» selbst nach England ausgeführt, und, mit englischen Etiketten versehen,als Erzeugnisse englischer Industrie verkauft. Merkwürdig ist auch dieEinrichtung der vorhandenen Nähnadelfabrik und der Tuchkratzenfadriken.Außerdem ist Aachen so reich an schönen und reich ausgestatteten Lädenund Magazinen aller Art, als es nur immer bei einer Stadt gleicherGröße erwartet werden kann. Daß bei dem Verein dieser Umstände, undder günstigen Lage Aachens an der Gränze Deutschlands und Belgiens,und der großen Straße von Paris nach Berlin und St. Petersburg,der Handel dort sich ansehnlich steigert, ist natürlich, und insbesonderedie Stadt wohl der erste Wollhandelsplatz Deutschlands.

Wenn jetzt zur Besprechung des Merkwürdigsten geschritten werdenmag, was Aachen varbietet, so ist unbezweifclt mit seinen wellberühmtenheißen Quellen zu beginnen. Sie befinden sich mitten in der Stadt, inzwei, von einander nicht sehr entfernten Gegenden, und werden daher indie oberen und unteren eingetheilt. Die oberen drei Quellen, welche amsüdöstlichen AbHange des Hügels entspringen, auf welchem das Rathhaus(einst die Pfalz Karls des Großen) steht, sind heißer uns schwefelhaltiger,als die unteren. Die wichtigste von ihnen, die Kaisersquelle, strömt indemzum Kaisersbad" genannten Badehause aus tiefen Felsritzen mächtighervor, in einer Temperatur von 46" Reaumur. Sie übertrifft anReichhaltigkeit der Bestandtheile alle übrigen Thermen der Stadt, anSchwefelgehalt aber alle Schwefelgewäfscr Europas, ja, wie der gelehrtev, Monheim in seinem Werke «die Heilquellen von Aachen, Burtscheidn. s. w." (Aachen, Maper, 1823) behauptet, v.elleicht alle Schwefel-wässer der Welt. Wenn zufällig der große Stein, der sie überdeckt, ab-genommen wird, was etwa alle 20 Zahrc einmal geschieht, so ist dieMenge des an diesen Stein und um die Wände des Brunnens (über demWasserspiegel) abgesetzten reinen Schwefels so ungeheuer groß, daß manmehrmals zwei Cent» er zugleich davon abgenommen hat, eine Er-scheinung, die sonst nirgends vorkommt. Die Kaisersqucllc alimentirraußer dem Kaisersbade selbst, und dem Elisen-Trinkbrunnen, noch dasneue Bad und das Bad zur Königin von Ungarn, welche, nebst dem durchdie Quirinusquelle versehenen Quirinusbade, die obere» Bäder bilden.Die 3 unteren Quellen, in der etwas tiefer gelegene» KomphauSbadstraßegelegen, alimentiren den s. g. alten Trinkbrunncn hinter der Redoute,dack Cornelius-, das Karls-, das Rosen- und das Armen-Bad. Sieentspringen theils in diesen Häusern, theils auf der Straße, in einerTemperatur von 37° N. Alle Schwefelwasser von Aachen haben einengemischten Geschmack nach Kochsalz, Schwefel und Alkali; sie sind, frischgeschöpft, farblos, werden aber an der Luft trübe, setzen allmählig einenweißen Niederschlag ab, und verlercu dann de» Geruch und Geschmacknach Schwefel. Jedes Badehaus enthält eine Reihe hoch überwölbterBabekadinctte, die nach Art altrömischer Bäder, oft in Marmor, ausge-mauert sind. Sie gehören sämmtlich der Stadt, der König FriedrichWilhelm III, sie zurückgab, nachdem Napoleon sie für Staatseigenthumerklärt, und werden von dieser an Private verpachtet. Auch einige mi-neralische Eisenquellen besitzt Aachen, »»ter denen besonders die hinterdem Schauspielhanse befindliche des Herrn Leuchtcnrath zu bemerken ist,da sie auch zur Anlage eines Badehauses für Eisenbäder benutzt wordenist. Das Wasser derselben riecht und schmeckt, frisch geschöpft, säuerlich-stechend, ist ganz farblos und klar, wird aber bei Einwirkung der Luftallmählig trübe. Mancherlei Hppothesen sind über die Ursache und Ent-stehung der aachcner Mineral-Quellen aufgestellt worden. Am meisten fürsich hat wohl die Annahme, daß ein Vulkan unter Aachen und dem benach-barten Burtscheid sein Feuer in den Eingeweiden der Erde verschlossen halte,

und dasselbe, während die benachbarten Eifelvnlkanc längst auSgelodert,in langsamem Brande ununterbrochen fortdauere, große Wasscrmassenerhitzend, aus denen die aachcner Thermen ausströmen. Dafür zeugen»eben anderen Thatsachen auch die öfteren Erdbeben, welche Aachen undseine Umgebung heimsuchte»; so in den Jahren 813, 823, 823, 1640,1632, besonders aber 1755, wo die Stöße Monate hindurch anhielten,bis am 18. Februar >756 eine starke Erdcrschütterung erfolgte, dieMauer» umwarf und Häuser spaltete. Auch später, 1757, 1758, 1759,1771, 1773 und zuletzt am 23. Februar und 3. Dezember 1828 wurdenmehr oder.minder heftige Erdstöße bemerkt. Hier ist auch der, denGeognosten sehr bekanntenAachener Masse" zu gedenken, eines großen,etwa >5,000 bis 17,000 Pfd. schweren Metallklumpens, der 1762 beimNeupflastcrn vor der Thüre des neuen Bades in der Erde aufgefunden,später ausgegrabcn wurde, und jetzt im Hofe des Negicrungsgcbäudesliegt. Ueber die Entstehung derMasse", ob sie Meteorstein, ob sie(was fast nicht anzunehmen) Kunstprodukt, ob sie vulkanischen Ursprungssei, sind mehrfache Hypothesen aufgestellt. Merkwürdig dabei ist vorAllem die Verbindung des Hauptbestandtheils, magnetischen Eisens, miteiner bedeutenden Quaniuät Arsenik, wie solche in ähnlicher Weise nir-gends vorkommt. (Ein Näheres s. bei Monheim a. a. O. z>»g, >41).Daß jene Quellen Aachen zu einem besuchten Badeorte machen, ist welt-bekannt. Locken die angenehme Lage, die schönen Umgebungen, das hei-tere rheinische Leben schon viele Fremde des Vergnügens und der Erhei-terung halber dahin, so findet dies noch mehr bei den zahlreichen Krankenstatt, die vornehmlich an den heilen Quellen Gesundheit und Lebenslustwieder zu erlangen streben. Bei Magcnbeschwerden, Stockungen in Leber,Milz und Nieren, Harnbcschwerden, Scropheln, Drllscnverhärtungen,rheumatischen und gschtischen Uebeln, Hautausschlägcn, Flechten allerArt, metallischen Vergiftungen u. a. m. ist der Gebrauch der aachcnerHe.lwässcr fast stets von den wunderbarsten Wirkungen begleitet, die oftda Heilung herbeiführen, wo alle anderen Mittel nicht ausreichten.

Unter den Gebäuden der alten Kaiscrstadt steht obenan das im Jahre1353 vom damalige» Bürgermeister Gerhard Chorus in altdeutschemStyle aus großem Quadersteine kühn aufgeführte Nathhaus. (S. dieAbbildung). ES steht auf dem höchsten Punkte der Stadt, wo einst dievon den Normanne» zerstörte Pfalz Karls des Großen stand, und der-selbe höchst wahrscheinlich das Licht der Welt erblickte. Beide Seiten der175 Fuß langen Fronte zieren Thürme, wovon der westliche die Stadt-uhr enthält, der östliche aber, der schon erwähnte, s. g. Granusthurmist, dessen unteres Gemäuer von Vielen für römischen Ursprungs gehaltenwird. Das Rathhaus enthält im Innern drei Gewölbe über einander.Im dritten Stockwerke befindet sich der große Saal, worin im Jahre1743 der Friedensrongreß abgehalten und demzufolge auch der bekannteaachcner Frieden geschlossen wurde. Dieser Saal ist mit dem BildnisseKönig Friedrich Wilhelms iti., und den Bildern Napoleons und seinerGemahlin Josephine (von David und seinen Schülern gemalt) geziert,welche letztere, von Napoleon der Stadt geschenkt, 1815 nach Berlingesandt, erst durch den jetztregierenden König zurückgegeben wurden.Namentlich ist das Bild der Kaiserin interessant und sehenswerth. Außer-dem enthält der Saal noch viele Porträts der beim Congreß von 1748erschienenen Gesandten, wovon die des Fürsten Kaunitz und des LordSandwich die gelungensten sind. Zu den rcichsstädtischcn Zeiten dientederselbe zu den Versammlungen des großen Raths, während der nachOsten anstoßende kleinere Saal zu den Sitzungen des kleinen Raths be-nutzt wurde, und als solcher auch eine kleine, noch vorhandene Kapellehatte, worin vor jeder Nathssitzung Messe gelesen wurde. In frühererZeit bildeten beide Säle mit dem ganze» übrigen Raum des Stockwerksnur Eine Halle, die dann wohl ihres Gleichen im deutschen Reiche suchte.Man hat nun in neuerer Zeit, durch angebotene Zuschüsse des düsseldorferKunstvcreins unterstützt, den großen Saal mit schönen Frescobildern aus