Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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nahm das goldene Kreuz von des Kaisers Brust für sich (es ist jetzt nochin Aachen), dann auch den Stuhl, Evangclienbuch und Schwert, Krone,Zepter und Reichsapfel; die drei ersteren Gegenstände übergab er demaachcner Krönungsstift zur Bewahrung, die anderen führte er mit sichherum, bis er sie zur Rückgabe in Italien dem Erzbischof Heribert vonKöln übergab, dem sie Herzog Heinrich v. Baicrn mit Gewalt abnahm, undder Stadt Nürnberg übergab. So bewahrten Aachen und Nürnberg dieNeichskleinodicn, die bei jeder Kaiserkrönung erschienen, bis sie zuletztvor den Franzose» nach Wien geflüchtet wurden und noch da sind. Schon99V gab Otto dem Pfalzgrafen Eppo von Aachen seine Schwester Ma-thilde zur Gattin; wie die Sage lautet, nachdem Eppo den Kaiser drei-mal im Schachspiel besiegt, und nun eine Bitte für sich frei hatte. DieAdalbertskirche und Stift i» Aachen, die St. Salvators-Kapelle undKloster bei der Stadt verdanken Otto III. ihre Begründung, dessen Leicheauch (1002) nach seinem in früher Jugend zu Paterno in Italien er-folgten Tode auf sein ausdrückliches Verlangen dort in der Münsterkirche,inmitten des Chors, beigesetzt wurde. 1003 wurde zu Aachen sein Nach-folger Heinrich lll, gekrönt, da ihn, der schon das Jahr zuvor zu Mainzdie Krone empfangen, die meisten Reichsstände nicht anerkennen wollten,bis ihm zu Aachen dieselbe aufgesetzt worden sei. Er erzeigte der Stadtviel Gutes, und begründete namentlich dort die Kirche zum heil. Nico-laus. Nach seinem Tode wurde 1024 Konrad II. zu Aachen gekrönt,1028 dessen elfjähriger Sohn Heinrich III., 1056 Heinrich IV. Unterihnen wie unter den folgenden Kaisern (Heinrich V>, gekrönt zu Aachen1099, Lothar, gekrönt 1125, Conrad III., gekrönt 1138) fiel für dieStadt nichts Merkwürdiges vor, das uns die Chroniken aufbewahrt hät-ten. Lothar war übrigens seit Karl d. G. der erste und letzte Kaiser,der zu Aachen starb (1137). Begraben liegt er aber zu Kaiserslautern.Mit Conrad's Nachfolger, Friedrich Barbarossa, begann, wie für soviele deutsche Städte, auch für Aachen eine Zeit hoher Blüthe. NachdemFriedrich 1152 dort gekrönt worden, berief er auf das Jahr 1166 alleweltlichen und geistlichen Großen des Reichs zu einem Reichstage dahin,bei welcher Gelegenheit ein solches Zuströmen von Fremden aus allenWelttheilen stattfand, daß die Stadt sie nicht zu fassen vermochte. Am29. December dieses Jahrs ließ alsdann der Kaiser das Grab Karls desGroßen, das nun seit Otto lll. wieder 166 Jahre verschlossen geblieben,öffnen, Karls Gebeine durch Erzbischof Reinald von Köln und BischofAlexander von Lüttich herausnehmen, sie zur öffentlichen Verehrung ineinen reich gezierte» Kasten legen und, zum Andenken an die feierlicheErhebung, über dem Grabe einen großen Kronleuchter aufhängen. Fried-rich begnadigte auch die Stadt mit besonderen Privilegien, ließ 1169seine» fünfjährigen Sohn Heinrich dort krönen, und befahl 1171, alsdurch die Wollenweberei, deren Ruf schon damals ganz Deutschlanddurchzog, Aachen in solchen Flor gerathen war, daß es seine Einwohnernicht mehr alle zu fassen vermochte, die Vorstädte zu vergrößern, undum das Ganze eine Ringmaner zu ziehen. Nach dem Tode seines Nach-folgers Heinrich VI., x>ls Philipp von Hohenstaufen und Otto vonBraunschweig um die Kaiserkrone stritten, verschloß Aachen, welches stetsden Hohenstaufen getreulich anhing, letzterem die Thore, weßhalb ermit 130,000 Mann vor die Stadt zog, und, nachdem er den eingeschlos-senen Anhängern Philipp's freien Abzug gestattet, 1198 die Krönungerwirkte, welche auch später (1205) dem Kaiser Philipp und seiner Ge-mahlin Irene, und 1215 Friedrich II. zu Theil wurde. Dieser umgabKarls des Großen Gebeine mit einem neuen schöneren goldenen und sil-bernen Kasten, der sie »och umschließt. Doch trafen um diese Zeit auchWiderwärtigkeiten mancher Art die wieder aufblühende Stadt; so na-mentlich zwei heftige Feuersbrünste (1224 .und 1236), die deren größtenTheil, besonders die schönsten öffentlichen Gebäude in Asche legten oderstark beschädigten, und dann (1248) eine große Belagerung durch KönigWilhelni (von Holland), welchem die den Hohenstaufen getreuen Bürger

ihre Thore nicht öffnen wollten. Er erschien deßhalb irit 200,000 Mannvor denselben, und es begann ein Kampf, wie deren die neuere Geschichtewenige kennt. Sechs Monate hindurch erwehrte sich Aachen aller Schreckendes Kriegs, der Wassersnoth (die Friesen in Wilhelms Heer hatten denAblauf der die Stadt durchströmenden Bäche verstopft), des Hungers, bisendlich der letztere zu einer, völlige Verzeihung und Erhaltung allerPrivilegien bedingende» Capitulation zwang. Dann wurde Wilhelmmit großer Feierlichkeit gekrönt, und ebenso später (1257) sein NachfolgerRichard (von Cornwallis). >273 fand, nach Beendigung des Interre-gnums, Kaiser Rudolph's von Habsburg (auch in Schillers bekanntemGedichte gefeierte) Krönung mit der großartigsten Pracht statt, ausge-zeichnet durch den Umstand, daß, als das Zepter bei den Reichsklemo-dien fehlte, und nun die Fürsten den Huldigungseid zu leiste» weigereen,Nudolph das Cruzifir vom Altar ergriff, und auf das Kreuz sich huldige»ließ. Nach der Ceremonie wurden seine beiden Töchter Mechtild undAgnes dem Pfalzgrafcn Ludwig und dem Herzog Albrecht von Sachsenangetraut, und Graf Friedrich von Hohenzollern, derKönige von PreußenStammvater, mit der Burggrafschaft Nürnberg belehnt. Auf drei Meilenum Aachen herum waren damals die Landstraßen wochenlang so überfüllt,daß Einer dem Andern kaum auszuweichen vermochte. Im Jahre 1277wollte Graf Wilhelm von Jülich Aachen, eines unbekannten Grolleswegen, strafen; er überfiel plötzlich mit einer starken Reilcrschaar NachtSdie Stadt, drang durch Verrath ein, und gelangte bis zum Markt.Dort aber sammelten sich die Bürger, trieben die Feinde zu Paaren, undder Graf mit seinen 3 Söhnen wurde auf der Jakobstraße erschlagen,der Graf selbst dort wo jetzt die königliche Post steht, von einem Schmiedemit einer Eisenstange. 1292 wurde Adolph I. (von Nassau), 1298Albrecht von Oesterreich, 1309 Heinrich VII., 1314 Ludwig V. (vonBaiern) zu Aachen gekrönt, wo bei Albrechts Krönung ein solcher Zu-sammenlauf von Fremden stattfand, daß Herzog Albrecht von Sachsenim Gedränge erdrückt wurde. 1353 begann der Bürgermeister GerhardChorus, der größte Bürger, den Aachens Geschichte aufzuweisen hat, denBau des Rathhauses, des großen Brunnens auf dem Markte mit derehernen Bildsäule Karl's des Großen, und des Chors der Münsterkirche.Unter der Negierung König Wenzels, der wie sein Vater Karl IV. zuAachen die Krone empfing, wurde» (1387) daselbst die wehrhaften Män-ner gezählt, und es fanden sich deren 19,821, ohne die unverheiraihetenjungen Gesellen, was einen Begriff von der Größe der Stadt gebenmag, deren Handel damals in hohem Flor stand, und namentlich inVenedig zahlreiche Niederlage» besaß. *) 1409 wurde zu Aachen zwischendem Bischöfe von Lüttich und dem Herzoge von Aremberg Friede ge-schlossen, 1414 König Sigiemund, 1438 Albrecht II., 1442 Friedrich III.dort gekrönt. 1450 wurde» durch französische Einwanderer (aus Amiens)die ersten Messingfabriken und Kupferhämmer zu Aachen angelegt, die einJahrhundert hindurch, verbunden mit den Tuchmanufacturen, der Stadtdie größte Blüthe bereiteten. Doch zeigten sich schon damals (wie fast inallen deutschen Städten um diese Zeit) Unruhen unter den Zünften undderen Aufregung gegen den aristokratischen Magistrat, die dann, späterin Verbindung mit den religiösen Wirren und in diese übergehend, denKeim zum Herabsinken der Stadt von ihrer mittelalterlichen Größe leg-ten. Nachdem nämlich 1486 Maximilian I., 1520 Karl V. dort gekrönt

') Es dürften Pier einige Worte über 'Aachens Verfassung nicht überflüssig sei».Gemäß der kaiserlichen Privilegien war die Stadt freie Reichsstadt, die nurunter dem Kaiser stand, Von ihren Gerichten wurde nur an die Reichsgerichteavpcllirt, und der aachener Schöppcnstuhl war selbst als Appcllationsgerichtfür die umliegende Gegend berühmt. Sogar von Nvmwcgcn in Holland wurdedorthin appcllirt. Die Stadt selbst beherrschte ein großer und kleiner Rath,bei denen das patrijische Element wesentlich war. Unter stc gehörte auch dasGebiet, das s. g. Reich von Aachen, aus IS Dörfern bestehend. Die Bürgervon Aachen genossen durch ganz Deutschland die größten Privilegien. ..die Luftmachte frei in Aachen, sogar die Reichsgcächlctcn". So war es kein Wunder,daß Aachen seiner Zeit «u so hoher Blüthe gelangte.