Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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aus denen einer spätern Zeit vermögen wir uns ein solches zu-sammenzusetzen.

Wie es noch jetzt der Fall ist, so wurde auch schon damalsder ganze weitläustige, an 29'/- Morgen haltende, Klosterhofvon einer hohen Mauer umschlungen, durch welche zwei, mitThürmen befestigte Thore führten, von denen das westliche, dasEder- oder grifter Thor, noch heute vorhanden, das an der Fuldagelegene, welches ehemals zu einer Spiccke und über diese nachGurhagen führte, aber weggebrochen ist. Innerhalb dieser Mauernlagen, außer den sämmtlichen Gebäuden des Klosters, auch dieObst-, Gemüse- und Weingärten desselben. Zu den Gebäudengehörten namentlich zwei Kirchen, von denen gegenwärtig jedochnur die größere, die eigentliche, der Patronin des Klosters, derheiligen Jungfrau, gewidmete Klosterkirche noch vorhanden ist.

Schon der byzantinische Baustyl dieser beinahe in der Mittedes Hofes liegenden Kirche sagt es uns, daß sie das ursprüngliche,von dem Grafen Werner begonnene Kirchengebäude sei, wenn auch,könnte einer der Mönche von Breitenau wieder heraufbeschworenwerden, dieser sie schwerlich wieder erkennen würde; so sehr istsie mißhandelt worden.

Das aus geschliffenen Quadern aufgeführte Gebäude bildetein 220 Fuß langes und 107 Fuß breites, gegen Morgen gerich-tetes Kreuz. Zu den Seiten des gegen Abend liegenden Haupt-eingangs erheben sich zwei mit dem Kirchcngebäude verschmolzeneThürme, auf denen da, wo deren Mauerwcrk sich mit dem desübrigen Gebäudes schließt, ehemals zwei hohe vierseitige Dächeremporstiegen. Der Raum zwischen den beiden Thürmen bildeteine Vorhalle, aus der man durch zwei Rundbogen, welche inder Mitte durch zwei runde Säulen getragen wurden, und überdenen sich drei ähnliche, jedoch kleinere Bogen befanden, in dasHauptschiff der Kirche trat. Wie bei byzantinischen Kirchen ge-wöhnlich, wird auch diese Kirche durch kein Gewölbe, sondernnur durch eine Balkendecke geschlossen. An das 20 Fuß breiteHauptschiff schloffen sich früher auf jeder Seite 12 Fuß breiteBeiseite«, welche zwischen den Thürmen und den Seitenschiffenaufgeführt, etwa drei Viertheile der Außenwände des Haupt-schiffes bedeckten, wogegen die letzteren über dem Dache derBeiseiten von acht, durch Wandsäulcn geschiedene Bogenfensterdurchbrochen wurden. Der untere Theil des Schiffs stand dage-gen mit den Beiseiten durch sieben hohe, von acht viereckigenSäulen gestützten, Bogen 'in Verbindung, die von den verschie-densten, zum Theil noch jetzt erhaltenen, in Stein gehauenenArabesken eingerahmt werden. Von dem achten Pfeiler tratendie beiden, durch die Arme des Kreuzes gebildeten Seitenschiffeheraus, welche, ursprünglich wahrscheinlich zu Kapellen bestimmt,auf der Morgenseite einen halbkreisförmigen Anbau haben, dernach Innen eine Nische bildet. An die Seitenschiffe knüpft sich

das 50 Fuß tiefe Chor, das sich ursprünglich in einem Halb-kreise schloß. Wie das Hauptschiff, so hatte auch das Chor seineBeiseiten, die gleichsam eine Fortsetzung jener, von den Seiten-schiffen ausgehend, ähnlich diesen, in einem Halbkreise endeten.Durch den im Jahre 1508 vorgenommenen Bau traten jedochhier wesentliche Veränderungen ein. Von dem siebenten Pfeilerdes Hauptschiffs an wurden nämlich sowohl die Seitenschiffeals das Chor gewölbt, der Schluß des Chores im halbenSechseck ganz neu aufgeführt und, gleich den äußern Wändender Seitenschiffe, mit hohen gothischen Spitzbogen-Fenstern ver-sehen. Bei diesem Baue wurden die Beiseite» des Chores weg-gebrochen und, wahrscheinlich weil die Kirche zu groß war,zwischen den beiden vorletzten Pfeilern des Hauptschiffs eine nie-dere Wand gezogen, die den übrigen Theil desselben von denSeitenschiffen und dem Chöre trennte. Ob bei dieser Gelegenheitauch die Bciseiten des Hauptschiffes abgebrochen wurden, ist nichtzu ermitteln. Jene Gewölbe wurden durch Malereien, meistArabesken geschmückt, die in ihren noch jetzt erhaltenen Frag-menten von den Künstlern geschätzt werden.

Wenn auch dieser Bau die Kirche schon in ihren wesent-lichsten Theilen verändert hatte, so fand die gänzliche Umgestal-tung derselben doch erst 70 Jahre später durch den LandgrafenWilhelm IV. statt. Dieser Fürst verwandelte nämlich im Jahre1579 die Kirche in einen Fruchtspeicher. Zu diesem Zwecke wurdenicht nur das ganze Gebäude mit fünf Böden durchschieden,sondern auch sämmtliche Fenster und Säulenbogen vermauert,und an deren Stelle Lücken gebrochen, um jene zu erhellen; deruntere Raum aber wurde zu einem Pferdestalle eingerichtet, dernach einem Ueberschlage 70 Pferde zu fassen vermochte. Achnlichwurden die beiden Thürme verwendet, und der rechte zum Ge-fängnisse, der linke aber zur Milchkammer bestimmt. Wahrschein-lich wurden bei dieser Gelegenheit die Beiseiten des Hauptschiffsabgebrochen.

Außer den beiden Hauptthürmen hatte die Kirche auch nochüber dem Ende des Hauptschiffs einen schlanken Holzthurm. Noch1657 waren dieselben sämmtlich vorhanden, und erst später wurdendie erster« ihrer Dächer beraubt und der letztere ganz abgebrochen.

Die eigentlichen Klostergebäude schloffen sich der Nordseiteder Kirche an; auf der Süd- und Ostseite derselben aber lagendie Weingärten des Klosters, welche sich bis zur Fulda herab-zogen und erst 1651 in Baumgärten verwandelt wurden.

Außer der Klosterkirche befand sich auf dem an dem süd-lichen Ende des Klosterhofs liegenden Todtenhof noch eine zweite,den beiden Heiligen Nikolaus und Egidius geweihte kleinereKirche, welche bereits 1321 vorhanden war und nach der Ver-bauung der erstem zur Pfarrkirche erhoben wurde.

Ungeachtet jener Umgestaltung der Kirche eröffnete sich unter