Werner'n war es nicht beschieden, die Vollendung seines Werkeszu erleben. Er starb schon am 21. Februar 1121 und sand indem Chöre der neuen Kirche seine Ruhestätte. Im Vorgefühleseines Todes hatte er noch einen seiner Vasallen, Engelbold,beauftragt, mit Beirath des Abtes und seiner Gemahlin Gisela,so wie der Dienstmannen des Klosters, für die völlige Aus-führung seiner Stiftung Sorge zu tragen. Um diese um sodauernder zu sichern, begab sich Engclbold im Jahre 1123 zudem Erzbischofe Albert von Mainz und übergab demselben dasKloster mit all' seinen Gütern.
Indem dieser nun dasselbe bestätigte und, es von allerArchidiakonat-Gewalt befreiend, unter den unmittelbaren Schutzdes mainzischen Krummstabs stellte, ertheilte er ihm zugleich auchmehrere Privilegien, wie das Recht der Seelsorge, der freienWahl des Abtes und eines Schirmvogtes und der Befreiungvom Zolle innerhalb der mainzischen Lande.
Nur langsam schritten die wcitläuftigen Bauten vorwärts,und auch Drutwin starb 1132, ohne deren Vollendung zusehen, was erst seinem Nachfolger, dem gleichfalls aus Hirsauberufenen Abte Heinrich, vergönnt war. Heinrich war nicht nur eingelehrter Mann, von dem uns Trittheim eine Reihe von Schrif-ten aufzählt, sondern stand auch in dem Rufe einer so besondernHeiligkeit, daß man ihm sogar die Eigenschaft beilegte, Wunderzu thun. Unter anderm erschien ihm (1144) im Traume derMärtyrer Felir und zeigte ihm sein unter dem Gewölbe derKirche schon lange verborgen gelegenes Haupt, welches Heinrichhierauf mit vielem Gepränge erhob und zu den Reliquien seinesKlosters fügte, die schon zwei Jahre früher durch den ErzbischofArnold von Köln mit vier Leibern der elftauscnd Jungfrauenbereichert worden waren. Solche Güter waren die wirksamstenMittel, um Klöster zu heben, und auch Brcitenau empfand diewunderthätigen Kräfte jener Gebeine. Wie sich die Zahl derGläubigen, die, angezogen durch seinen Ruf, hier Beruhigungsuchten, vergrößerte, vermehrten sich auch seine Güter. Auchkamen viele vornehme und gelehrte Männer, selbst einer derreichsten Herren dieser Gegend, der Graf Albert von Schauen-burg, nach Brcitenau und nahmen die Kutte, um hier in Ruheund Frieden ihr Leben zu beschließen.
Im Jahre 1233 erhielt der Abt das Recht, eine Jnful zutragen; so wie das Kloster 1233 die Erlaubniß, während einesInterdikts einen stillen Gottesdienst, nämlich ohne Läuten derGlocken und bei verschlossenen Thüren, fortzusetzen.
Die Zeit der Blüthe von Brcitenau beschränkt sich auf daszwölfte und dreizehnte Jahrhundert. Mit der steigenden Verwil-derung des Mönchölebens schwand gleichen Schrittes im Volkeauch der fromme Eifer zu Schenkungen, und wo man sonstDörfer gegeben, um die Sünden eines ganzen Lebens zu büßen,
begann man, sparsamer werdend, dasselbe durch die Vergabungvereinzelter Renten zu erkaufen. Aber nicht nur größere Erwer-bungen wurden seltener, auch das, was die Klöster besaßen, be-gann sich zu mindern, und durch unordentlichen Haushalt undVernachlässigung sowohl, als durch Habsucht der Nachbarn gingVieles verloren. Auch die Güter des Klosters Brcitenau warenschon im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts auf eine Weisezersplittert, daß Papst Johann XXII. sich 1324 veranlaßt fand,einen Kommissar zur Wiederherstellung derselben zu ernennen undim folgenden Jahre die Zahl der Mönche ans zwanzig zu be-schränken, eine Bestimmung, die später noch mehrere Male wie-derholt werden mußte, bis Erzbischof Gerlach von Mainz aufdie Vorstellung, daß diese Zahl nicht zur Verrichtung des demKloster obliegenden Gottesdienstes genüge, weil etliche Mönchekrank und altersschwach seien, andere aber als Vagabunden her-umschweiften, die Zahl auf 24 vermehrte.
Nachdem in Folge des Verfalls des Bcnedictincr-Ordens(1440) die große Bursfeldcr Kongregation hervorgerufen worden,erschien am 21. August 1457 der Abt von Bursfeld mit demLandgrafen Ludwig I. und vielen Geistlichen zu Brcitenau undreformirte nach den erneuerten Ordensregeln anch diesesKloster.
Im Jahre 1508 wurde das Chor der Klosterkirche erneuert.
Nach einem Bestehen von vier Jahrhunderten erlag gleichallen übrigen Klöstern auch Brcitenau der Reformation. DasKloster zählte damals außer dem Abte Johann Meier und demPrior Theobald Zabel aus Holland 10 Ordens-Personen, welchesämmtlich am 28. Oktober 1527 mit einer jährlichen Fruchtrenteabgefunden wurden und die neue Lehre annahmen.
An Kirchcngcräthen fanden sich neben einer Anzahl vonkirchlichen Kleidern nur noch vier Kelche, eine kupferne Monstranzmit silbernen Bildern, die mit Perlen gestickte und mit edlenSteinen belegte Jnful des Abtes, ein Evangelienbuch und —zwei Heiligenkasten mit etlichen goldenen Spangen.
Wenn auch Brcitenau nicht gerade zu den reichsten KlösternHessens gehörte, so ist es doch immer schon zu den wohlhabend-sten zu zählen, denn außer den Dörfern Gurhagen, Ellcnbergund Buchenwerder, welche ihm ganz zustanden, besaß es nochin 70 Orten Güter und Renten, und seine Gesammtcinnahmewurde 1585 auf 3410((- Fl. veranschlagt. Nach der Aufhebungdes Klosters stellte Landgraf Philipp diese sämmtlichen Güterunter die Verwaltung eines Vogtes und zog die Einkünfte zurfürstlichen Rentkammer. Erst später wurde diese Vogtei in einePachtung verwandelt, die in neuester Zeit bei der Scheidung desStaats- vom Fürsten-Vermögen dem Staate zugefallen ist.
Ueber das Bild, welches Breiten«» bei seiner Säkularisa-tion bot, fehlen uns alle bestimmteren Nachrichten, und nur erst