Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Wilhelms Nachfolger, dem Landgrafen Moriz, dennoch die Aus-sicht, dieselbe ihrem ursprünglichen hohen Zwecke wieder zurück-gegeben zu sehen. Wie drei Jahrhunderte früher Landgraf Ottodem Kloster gegenüber eine Stadt anzulegen die Absicht gehabthatte, so ging Landgraf Moriz 1606 mit dem Plane um, Breitenauselbst in eine Stadt zu verwandeln. Schon war der Plan ent-worfen: sie sollte in regelmäßigen Vierecken aufgebaut werden undden Namen Köln soder lüolonm Hessorum) erhalten; doch sowohldie mit mehreren Kaufleuten zu Köln gepflogenen Unterhandlun-gen, um diese zur Niederlassung in derselben zu bewegen, bliebeneben so erfolglos, als die sonderbare Idee, die Stadt durch 630aus den hessischen Städten ausgehobene Bürger zu bevölkern, sichan ihrer Abentheuerlichkeit zerschlug. Aber wenn auch LandgrafMoriz seinen Stadtplan aufgeben mußte, so verlor er deshalbBreitenau doch nicht aus den Augen und schuf seit dem Jahre1608 aus demselben einen Lustaufenthalt, den er später häufigbesuchte. Beinahe sämmtliche alte Gebäude, namentlich die alte,bereits verfallene Probstei, welche zunächst der Nikolai-Kirche

lag, ein verfallener Kreuzgang und das alte Vogteihaus wurdenabgebrochen und statt deren ein neues Herrenhaus, ein Marstallund eine Jägerei gebaut, der Wirthschafts - Gebäude nicht zugedenken.

Doch alle durch Moriz hervorgerufenen Anlagen, wozu auchLustgärten, Springbrunnen und Teiche gehörten, wurden durchden dreißigjährigen Krieg zum größten Theile wieder zerstört.Schon 1626 fanden Tilly's Raubschaaren auch hierher den Weg.Sie plünderten Breitenau und nahmen der Kirche unter andernauch ihre 3 Glocken, so wie den größten Theil ihrer Büchcr-sammlung. Als aber 1640 die Kaiserlichen von Neuem erschie-nen, gingen alle Wohn- und Wirthschafts-Gebäude in Flammenauf, und nur die beiden Kirchen und eine massive Scheune blie-ben übrig. Die letztere, welche aus dem 16ten Jahrhundertstammt und der Klosterkirche schief gegenüber liegt, wurde, nach-dem die alte Pfarrkirche niedergerissen worden, im Jahre 1791 zurKirche eingerichtet und wird noch gegenwärtig zu diesem Zweckegebraucht.