Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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ZS r e i t e n a «.

Durch den Zusammenfluß der Eder und der hier in den son-derbarsten Krümmungen zwischen engen Thälern sich durchwin-denden Fulda wird eine Landzunge gebildet/ die durch den ober-halb der Mündung aufsteigenden Ellenberg zu einem Delta wird,das an jeder Seite beinahe eine Biertelmeile messend, sich ineiner schönen Ebene ausdehnt, liegt das zum KurfürstenthumHessen gehörige Kloster Breiten«», in den Fluchen der Fuldasich spiegelnd, dem Dorfe Gurhagcn gerade gegenüber. Durchdie hohen jenseitigen Ufer der beiden Flüsse auf sich abgeschlossen,öffnet sich ihm nur gegen Westen, das Thal der Besse hinauf,eine größere Aussicht. Ueber das an der Eder gelegene Griftehinweg, neben dem sich die weißen Gebäude des Hofes Hcidstadtzeigen, erblickt man das Dorf Holzhausen mit seinem spitzenKegelberge, von dem ehemals eine Grafcnburg hcrabschaute, undhinter diesem die stolzen Massen des Langenbcrgs. Schöner nochund größer ist jedoch das Gemälde, welches sich von der Höhedes nahen Ellenbergs vor dem Auge entfaltet. Während dasdurch die beiden Flüsse und deren jenseits steil aufsteigende Ufergleichsam eingerahmte Dreieck von Breitenau sich zu unsern Fü-ßen wie ein bunter Tcppich ausbreitet, öffnet sich südöstlich dasenge romantische Fuldathal; nördlich schweift der Blick überKassel hinaus bis zur Wasserscheide zwischen Diemcl und Fulda,auf der Hohenkirchen aus dem Nebel der Ferne deutlich hervor-tritt, sowie gegen Abend über die schöne Landschaft zwischenKassel und Gudcnsberg mit ihren vielen Basaltkuppen. Im Vor-dergründe den Holzhäuser Berg, mehr links den Lamöberg, Gu-dcnsberg, den Scharfcnstcin, den Maderstein, den Odenberg,und im Hintergrunde und die Aussicht schließend, die gerundetenwaldigen Basalthöhen des Balhornerwaldes und des Langcnber-ges, an welche rechts die Bauneberge und die malerischen Gipfel

des Habichtswaldes sich schließen, aus denen der hohe Herkules,zum Pygmäen zusammengeschrumpft, herüberschaut.

Im elften Jahrhundert lebte in dieser Gegend ein Grafen-geschlccht, dessen Glieder, so weit uns dieselben bekannt sind,sämmtlich den Namen Werner führten, und wovon der letzteGraf Werner IV. war. Da er durch seine Mutter, einer Erb-tochtcr der Grafen von Achalm, bedeutende Güter in Schwabenerhalten hatte, so wird er von den Chronisten meistens alsSchwabe bezeichnet, und nach einem seiner dortigen Güter, derMark Gröningen am Schwarzwalde, als Graf von Gröningcnaufgeführt. In Hessen bewohnte Werner vorzüglich die von ihmselbst erbaute Burg, welche auf dem gedachten Basaltkcgel lag,der sich über dem Dorfe Holzhausen, fünf Viertelstunden nörd-lich von Gudcnsberg, erhebt. Auf dieser Burg faßte er auch denEntschluß zur Stiftung eines Klosters und erwählte dazu jeneim Angesichte derselben liegende breite Aue, welche durch dieVereinigung der Eder und Fulda gebildet wird. Im Jahre 1113legte er den Grund dazu und brachte es iimerhalb sechs Jahrenmit den Gebäuden so weit, daß er dieselben mit Mönchen be-setzen konnte. Wie Clairvaur damals eine Pflanzschulc der Cister-tienscr, so war das alte schwäbische Kloster Hirsau an der Na-gold im Schwarzwalde eine solche fiir die Benediktiner. Schoneinige Jahrzehnte früher war auch Hasungcn von hier aus be-völkert worden. Auch Graf Werner wendete sich jetzt nach Hirsau,wo damals Bruno, der Bruder des Grafen Konrad von Wir-tcmberg, Abt war, und erbat sich von dort die erforderliche Zahlvon Mönchen zur Belebung seiner Stiftung. Am 17. November1119 brachen 13 Hirfauer Mönche, von denen Drutwin zumAbte erwählt worden war, nach Hessen auf, wo ihnen GrafWerner mit hoher Freudigkeit sein Breitenau übergab. Aber