Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Kaufes aufbewahrt wurden; Landgraf Friedrich ll. gestaltete esnach Erbauung des Museums zu einem Eadettenhause um, Kur-fürst Wilhelm I. aber räumte es, nachdem das Cadettcncorpsin die Kriegsschule verlegt werden war, dem Oberstcuercolle-gium ein).

In der Schloßstraße steht die lutherische Kirche,welche in den Jahren 1734 1738 in einem höchst einfachenmodernen Geschmacke von der lutherischen Gemeinde errichtetwurde. Johann Heinrich Tischbein beschenkte diese Kirche imJahre 1767 mit zwei Gemälden, die Verklärung Christi undChristus am Kreuze in der Finsterniß vorstellend; wozu späternoch die kleinere Copic von desselben Künstlers Christus amOelberg, durch Professor Robert gefertigt und ebenfalls derGemeinde geschenkt, hinzukam.

In der Fürstenstraße erregt eine moderne Bauruine, diesogenannte Cattenburg, besondere Aufmerksamkeit. An derStelle derselben stand das ehemalige kurfürstliche Resi-denzschloß, dessen südlicher Flügel in der westphälischenZwischenregierung ein Raub der Flammen wurde. Der ver-ewigte Kurfürst ließ daher gleich nach seiner Rückkehr dies al-tertbümliche, in architektonischer Hinsicht wenig interessante Ge-bäude gänzlich abbrechen, um unter dem Namen Cattenburgein neues Schloß im grandiosesten Style an dessen Stelle zusetzen. Der Anfang dieses, wie für die Ewigkeit berechnetenBaues, welcher 552Fuß lang und 402^ Fuß breit istund mit 84 Säulen geschmückt werden sollte, wurde im Jahre1815 nach dem Entwürfe des Oberbaudirectors Jussow, dieweitere Ausführung aber durch den Oberbaumeister Engelhardund später durch den geheimen Oberbanrath Rudolph gemacht.Allein als beim Tode jenes Fürsten (im Februar 1821) erstdas Erdgeschoß nebst einem Theil der ersten Etage und zwarmit einem Aufwande von 1 Million Thaler vollendet war,unterblieb der weitere Fortbau, hauptsächlich aus Rücksicht aufdie ungeheuren Kosten, welche die Vollendung der allzukolossalenAnlagen erfordert haben würde. Und so gewährt die Cattewbürg, welche, ausgebant, vielleicht eins der ersten Residenz-schlösscr Deutschlands sein würde, in ihrer jetzigen Gestalt denAnblick einer mächtigen Ruine und liegt mit ihren Säulen,Maucrbogen und Pilastern, und mit ihrem überall daraus wildhervorwachsendem Gesträuch und Gestrippe fast wie ein auf-gedecktes Stück Pompejis oder Herkulanums da.

Die Fürstenstraße weiter abwärts gelangt man zum Mar-ställer-Platze, welcher von dem daran liegenden Mar-stalle, einem großen massiven Gebäude aus dem 16. Jahr-hundert, seinen Namen hat. Dasselbe besteht aus vier Flügelnund einem neuen Anbau, mit mehreren über das Dach hin-ragcnden Mauerspitzen, worauf Bildsäulen ruhen; die Faeadeziert ein Thurm mit einer Uhr. Es enthält große Ställe füretwa 200 Pferde, eine ansehnliche Sattel- und Geschirrkammernebst Reithaus und Dienstwohnungen. Der Platz selbst istweder schön noch regelmäßig, weil er ursprünglich nicht zueinem solchen bestimmt war, doch ist er gesund und frei. EineZierde des Platzes ist die Escherich'sche Materialhandlung;und weiterhin, wie in klösterlicher Zurückgezogenheit, liegt an derSüdostseitc des Schlosses die Brüdcrkirche, welche vor Zei-

ten den Brüdern des Ordens der heiligen Maria vom BergeKarmel gehörte und angeblich im Jahre 1262, wahrscheinlichjedoch erst 1376, in ihrer gegenwärtigen Gestalt erbaut wurde.Sie hat einen schmalen, von Holz construirten Tkurm underfuhr m den neueren und neuesten Zeiten, besonders imInnern, mehrfache Verbesserungen. Außer verschiedenen hes-sischen Landgrafen liegen auch noch andere angesehene Per-sonen, unter andern zwei Brüder von Schollcy, in dieser Kirchebegraben. An die Brüderkirche stößt der alte Collegi enhof,ein großes massives klösterliches Gebäude, aus drei Flügelnbestehend, welches ostwärts der Schloßruiue nach der Fuldazu liegt und von den Landgrafen Wilhelm VI. (1580) undMoritz (1618) aus den Materialien des alten abgebrochenenKarmeliterklosters erbaut worden ist. Gegenwärtig halten indiesem weitläufigen Gebäude, welches früher auch wegen derdarin befindlichen Rentkammer der Nenthof hieß, verschiedeneStaatsbehörden ihre Sitzungen.

Weiter ostwärts nach der Fulda zu liegt der Markt-platz, ein äußerst lebhafter und mit allen, zum Kauf ausge-stellten, Lebensbedürfnissen reich versehener Platz, welcher auchneuerdings, theils durch neuen Anstrich und Ausbau seiner zumTheil sehr alten Häuser, theils auch durch den Ausbau schönerneuer Gebäude, in seinem äußeren Ansehen viel gewonnen hat.Noch mehr aber wird dasselbe gewinnen durch den Abbruchdes am nördlichen Ende desselben liegenden AltstädtcrRathhauses, eines tbeilwcise sehr alten, im gothischen Styleerbauten Gebäudes. In der großen Rathsstube hängen dieBildnisse der meisten Landgrafen von Hessen, seit Philipp demGroßmüthigen bis ans Kurfürst Wilhelm I.; auch werdenFahnen der Bürgergarde darin aufbewahrt. Ein anderes öf-fentliches, am Marktplatz gelegenes Gebäude, ist der neueStadtbau, welcher im Jahre 1821 auf Kosten der Stadtvon dein geheimen Oberbaurath Rudolph erbaut worden istund noch mit dem aus dem Jahre 1421 herrührenden altenStadtbau nach der Fulda hin zusammenhängt. Dieser langeNeubau enthält außer vielen andern schönen Zimmern aucheinen großen auf jonischen Säulen ruhenden, mit Kronleuch-tern schön decorirten Saal, welcher zu Concerten, Bällen undanderen Vergnügungen, sowie auch zu Versammlungen desKunstvcreins, des Vereins für hessische Geschichte und Lan-deskunde :c. bestimmt ist. In den unteren Räumen dieses Ge-bäudes sind Kramläden eingerichtet; auch befindet sich daselbstein Gasthauszum Stadtbau." Weiterhin, der Fulda ent-lang, steht das Hauptzollamts-Gebäude, ein zum größ-ten Theil neues, schönes und bequemes Gebäude mir vielenDienstwohnungen, welches erst seit dem Anschlüsse Kurhessensan den preußischen Zollverband im Jahre 1831 entstanden ist.

Am nordöstlichen Ende der Altstadt liegt das Zeughaus,ein ganz von Steinen aufgeführtes, alterthümliches Gebäude,welches in den Jahren 1573 bis 1583 vom Landgrafen Wil-helm IV. errichtet worden. An den Hauptsaeaden erblickt mandas in Stein gehauene Brustbild desselben, sowie eine vomLandgrafen Moritz dem Gelehrten, welcher es später ausge-baut hat, selbstverfertigte lateinische Inschrift. Die Länge desZeughauses beträgt 328, die Breite.72 und die Höhe 80 Fuß.