Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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mit einer in Veckerhagen, einem kurhessischen Flecken, gegosse-nen, durchbrochenen, eisernen Thüre verschlossen, woran diekunstvolle Arbeit besonders sehenswert!) ist. Das Aeußere desGebäudes ist im Genre der römischen Paläste der besten Kunst-cpochc; das Atrium und ein kleiner Hof (Jmpluvium) enthältdas Vestibüle und einige Sitzungszimmer. Im Rez de Chausseeliegen die Zimmer des Landesregenten in gothischem Geschmackedecorirt, mit in den Nischchen aufgestellten Statuen von derHand des geheimen Hofrath Ruhl; auch befinden sich daselbstdie Archive und die Wohnung des Pedells. Die Bel-Etage,zu welcher eine breite steinerne Treppe führt, enthält die Zim-mer für die Berathungen der Ausschüsse, aus welchen man zuden Logen im großen Sitzungssaale gelangt, welche ausschließlichfür den Hof bestimmt sind. An das Hauptgebäude schließt sichder große Sitzungssaal, welcher neben dem Raum für 399 Zu-schauer den nöthigen Platz für die Ständemitglieder enthältund vom Gewölbe aus beleuchtet wird. Die Wände sind ge-schmackvoll mit Stuck- und Basreliefarbeitcn von der Handdes Professors Dr. Ruhl decorirt. Nach einer ganz neuenMethode wird dieser Saal durch Luft erwärmt, wozu die Heiz-öfen in den Souterrains angelegt sind.

Die Altstadt, zu der wir nun übergehen, enthält 9 freiePlätze und mehr als 59 große und kleine Straßen, von wel-chen beiden wir aber hier nur diejenigen erwähnen wollen, andenen sich Hauptgebäude befinden.

Zunächst bei dem Königsplatze liegt der St. Martins-(früher, bis 1838) Gouvernements-Platz. Letzteren Na-men führte derselbe von dem daran befindlichen ehemaligenGouvernements-Gebäude, welches gegenwärtig zum Lokale derseit 1832 bestehenden höheren Ge werbschule dient. Außer-dem zieren diesen Platz fast ringsum die schönsten, theils neuaufgeführten, theils reparirten Privatgebäude, worunter beson-ders der Gasthof zum römischen Kaiser hervorprangt.Unendlich viel gewann dieser Platz durch verschiedene neuer-dings mit demselben vorgenommene Veränderungen, insbeson-dere aber durch den in den Jahren 1833 und 1834 bewirktenAbbruch des Tuchhauses und der Hauplwache, welche gegenSüdosten und Süden daran gelegen waren. Die St. Mar-tinskirche bildet nun einen völlig freien Mittelpunkt desselben.Dieser ehrwürdige Dom, gewöhnlich die große Kirche genannt,entstammt dem 14. Jahrhundert. Nachdem bereits früher unterLandgraf Heinrich II., zugleich mit demjenigen Theile vonKassel, welcher den Namen Freiheit führt, auf derselben Stelleeine kleine Kirche dieses Namens erbauet worden war, beschloß1364 Landgraf Heinrich II. und sein Sohn Otto, diese Kirchezur Ehre Gottes, der Jungfrau Maria und des heiligen Mar-tins, als der Schutzheiligen der Kirche, zu vergrößern und zueinem Eollegiatstiste zu erheben. So wurde also das jetzt ste-hende Kirchengebäude in dem genannten Jahre zu erweiternangefangen und innerhalb dreier Jahre wenigstens zum größernTheile vollendet. Dieser Zeit entspricht denn auch die Haupt-bauart der Kirche. Sie ist bis unter das Dach ganz vonQuadersteinen aufgeführt und ruht im Inneren auf 12 mäch-tigen steinernen Säulen. Der größte seiner beiden Haupt-thürme, an der Nordwestseite der Kirche, hat bei einer Höhe

von 290 Fuß drei Umgänge, von denen der zweite erst 1483,der dritte 1564 erbauet wurden. Gegen diesem Thurme über,erhebt sich auf der anderen Seite der Kirche, mitten aus demDache der andere, sehr schmale und weit kleinere Tbnrm. Eindritter Thurm von Holz steht über dem Chöre, welcher erstim Jahr 1434 vollendet wurde. Was das Innere der Mar-tinskirche betrifft, so ging mit ihr, sowie mit allen andernKirchen der Stadt, nach Einführung der Reformation, mancheVeränderung vor. Schon im Jahre 15S5 wurde sie von Land-graf Philipp dem Großmüthigen reformirt. Die Kanzel wurde1575 auf Kosten der Stadt erbauet und 1669 das darüberbefindliche, künstliche Dach verfertigt. In der Mitte der Em-porkirche, der Kanzel gegenüber, ist der fürstliche Stand, mitdem hessischen und hanauischen Wappen und einer Inschriftmit vergoldeten römischen Buchstaben. In den Jahren 1765und 1766 wurde die Emporkirche erhöhet, neue Kirchenständeverfertigt und das Chor unter die Orgel verlegt, auch derAltar, welcher bisher im sogenannten Schiff der Kirche, vorder Sakristei, stand, in die Mitte der Kirche vor die Kanzel,an den Ort, wo er jetzt noch steht, versetzt. Unter demChöre, zu dessen Herstellung 1834 eine namhafte Summe ausder Staatscasse verwendet wurde, befindet sich das Begräbniß-gewölbe der Regenten von Hessen; und zwar ruhen in der so-genannten alten Gruft, welche sich bis unter das Schiff derKirche erstreckt, die Landgrafen von Hessen und andere Gliederder fürstlichen Familie, von Philipp dem Großmüthigen an,in der neuen aber die seit Wilhelm IV. verstorbenen (dievor Philipp dem Großmüthigen ruhen meistentheils in der St.Elisabetbenkirche zu Marburg). Außerdem befinden sich in derSt. Martinskirche noch viele alte und neue Grabmäler ange-sehener Personen. Unter allen Monumenten aber ist dasjenige,welches Landgraf Wilhelm IV. seinen Eltern, dem LandgrafenPhilipp dem Großmüthigen und dessen Gemahlin Christine vonSachsen, im Jahr 1579 errichten ließ, das größte und schönste,wenn gleich im Geschmack der damaligen Zeit mit Allegorienund biblischen Sprüchen zu sehr überladen. Es steht am Endedes Schiffs auf der, der Orgel entgegengesetzten Seite und istaus Marmor und Alabaster verfertigt. Seine Höhe erstrecktsich fast bis an das Gewölbe und seine Breite nimmt dieseganze Seitcnwand der Kirche ein. Zu beiden Seiten stehendie Statuen Philipps und seiner Gemahlin in Lebensgröße.Der Stein, welcher die Gruft bedeckt, ist äußerst kunstreich mitdem hessischen und sächsischen Wappen geziert.

Zwei Hauptgebäude der angränzenden St. Martinsstraßesind: das Hofhospital, (ein Hospital nebst Capelle gründeteschon im Jahre 1297 Mechtildis, die zweite Gemahlin desLandgrafen Heinrich I. zu Ehren der heiligen Elisabeth; dasgegenwärtige aber wurde im Jabre 1587 von Wilbelm IV.neu erbaut, und von ihm, der Landgräfin Elisabeth und Wil-helm VI. noch reichlicher dotirt; es hat seinen eignen Gottes-dienst, welchen der Prediger der Oberneustädter Gemeinde mirversieht) und das ehemalige Cadettenhaus, jetzt Finanz-kammergebäude (ein großes altmodisches steinernes Gebäude,welches Landgraf Carl erbauen ließ; es hieß früher das Kunst-haus, weil darin Seltenheiten und Kunstschätze des Regenten-