Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Fuß im Durchmesser großen Sechseck besteht. Die innerenTheile desselben sind mit Rasen belegt und mit einer Alleevon Kugelakazien umgeben. An demselben stehen das vomKurfürsten WilhelmI. erbaute Fürstenhaus, das Palais desverewigten Landgrafen Friedrich und verschiedene bedeu-tende Privatgebäude. Am Anfange der Wilhelmshöher Alleebefinden sich Zwei massive in dorischem Style erbaute Wacht-häuser.

Von diesem Platze an, welchem die herrlichsten Verschöne-rungen zugedacht sein sollen, wandeln wir nun die schönsteStraße Kassels, die 5100 Fuß lange und 00 Fuß breite-nigsstraße entlang, welche dem Landgrafen Friedrich I., derzugleich König von Schweden war, ihren Namen verdankt.Hauptgebäude an und nächst bei dieser Straße sind: DasFürstlich Hessen - Philippsthal'sche Palais, welchesfrüher von der verstorbenen Kurfürstin bewohnt wurde, jetztaber im Besitz des Kriegsministeriums und Generalstaabs ist.Das Schau spielhans, welches an der westlichen Ecke desFricdrichsplatzes liegt und im Jahr 1700 während der Regie-rung des Landgrafen Friedrich II. von du Ry erbaut wordenist. Es war früher blos ein Opernhaus, später seit 1789, inwelchem Jahre das Komödienhaus abbrannte, wurden auchSchauspiele aufgeführt. Im Jahre 1821 bei dem Regierungs-antritt des jetzigen Kurfürsten wurde dasselbe restaurirt und imInnern glanzvoll eingerichtet. Die Facade des Gebäudes wurdezugleich damals mit einem Peristyle von dorischen Säulen, dieeinen Balkon tragen, versehen und an der Nebenseite ein be-deckter Gang angelegt, der zu den Eingangsthüren sübrt. DasAmphitheater ist sehr geräumig und hat vier Logenreihen über-einander. Die kurfürstliche Loge ist in der Mitte des Hinter-grundes, hat doppelte Höhe und einen Vorsprung. Das Pro-scenium des Theaters hat ans jeder Seite zwei korinthische Pi-laster, zwischen welchen einige Theaterlogen befindlich sind.Das Theater selbst hat -10 Fuß Breite, 43 Fuß Höbe und155 Fuß Tiefe. Die Garderobe ist reich und prächtig, dieDekorationen ausgezeichnet. Das schöne Lokal des Le sein ei-se ums, worin man eine Menge politischer und belletristischerBlätter nebst Journalen, Brochuren und Büchern in allenZweigen der neuesten Literatur findet. Das frciherrlich vonWaitzische Hotel. Das ehemalige Ronr'sche, jetzigeGouvernements-Gebäude. Das Lyceum Fridcricia-num, ein schönes, großes, im neuesten Styl errichtetes, an-sehnliches Gebäude, mit zwei die Religion und den Fleiß vor-stellenden Figuren und den goldnen Namenszügcn des verewig-ten Stifters desselben, des Landgrafen Friedrich II. DieseLehranstalt, welche seit ihrer Einweihung im August 1779 über50 Jahre blühte, quicscirt gegenwärtig. Das kurfürstlicheStaatsministerium, im echt italienischen grandiosen Stylevon dem ehemaligen Baumeister Diede gebaut, mit einer 140Fuß breiten Hauptfaeade, einem großen Balkon über dem Ein-gange, viereckigen Mezzaninen in der zweiten Etage und einemplatten mit einer Balustrade umgebenen Dache. Auch dasInnere, die großen Säle, die breiten steinernen Treppen, anwelchen ein geschmackvoll verschlungenes Geländer herläuft, ent-spricht der hohen Bestimmung dieses Gebäudes.

Wir erreichen nun endlich den Königsplatz, welcherdie bis jetzt durchwanderte obere Königsstraße von der unterntrennt. Er ist dem Range und der Schönheit nach der zweiteunter den Plätzen der Oberneustadt, ist zirkclrund und hat 450Fuß im Durchmesser und 1308 Fuß im Umkreise. Auf seinemMittelpunkt, wo man ein sechsfaches Echo vernimmt und dieAussicht in sechs verschiedene, in seinem Umfange mündendeStraßen hat, stand früher auf einem wasserreichen Brunnendie Statue des Kaisers Napoleon. Rings umher erblickt mandie schönsten Häuser, namentlich außer mehreren Privatgebäu-dcn das ehemaliche Fürstlich H essen - Roten b urgisch ePalais, gegenwärtige Staatsministerium, und das Post-haus. In der Nähe des Königsplatzes bemerken wir nochdie Hof- und Garnisons-Kirche, welche im einfachenmodernen Kirchenstyle in den Jahren 1756 1770 erbauetund erst 1780 mit einem 80 Fuß hohen hölzernen Thurmeverseben wurde.

In der unteren Hälfte der Königsstraße reihen sich wiederrechts und links die schönsten Privatgebäude an; auch liegenan dem anstoßenden Jnfanterieplatze die Jnfanterie-Casernen, vier schöne 540 Fuß lange massive Gebäude,welche zum Theil schon am Ende des 17. Jahrhunderts unterder Regierung des Landgrafen Karl, zum Theil aber währendder französischen Herrschaft und unter Kurfürst Wilhelm II.errichtet wurden und in der Nähe derselben die Kriegs-schule, ein schönes Gebäude, welches während der westphäli-schen Zeit in den Jahren 1809 und 1810 erbaut und zum Lo-kal einer Artillericschule bestimmt, durch den gegenwärtigen Kur-fürsten aber zu dem einer allgemeinen Erziehungs- und Unter-richts-Anstalt für das Cadettencorps und andere Jünglinge,welche sich dem Militärstande widmen wollen, erhoben wurde.

Noch ist ein fünfter Platz übrig, der Garde-du-Corps-Platz, welcher nahe am Königsthore liegt und seinen Namenvon der daranstoßcnden Easerne der Garde - du - Eorpshat. Letztere ist vom Kurfürsten Wilhelm II. bedeutend ver-größert und verschönert worden; der Platz aber wurde neuer-dings zu einer offenen Reitbahn für die Garde - du - Corpsumgcschaffen.

In dieser Gegend der Stadt wurde neuerdings bei derimmer steigenden Bevölkerung Kassels parallel mit der Königs-straße die neue Friedrich-Wilhelmsstraße in einerBreite von 180 Fuß eröffnet, welche in einer bedeutendenLänge mit der neuen Wilhelmshöher-Allee in Verbindung gesetztwerden soll. In der Mitte dieser Straße befinden sich dreiLindenalleen, welche später mit zu den angenehmsten Promena-den Kassels gezählt werden dürsten. Bis jetzt zieren zwei Pa-läste diese Straße, das Schwarzenbergische Haus unddas Ständepalais. Letzteres wurde in den Jahren 1834bis 1836 unter der technischen Leitung des geheimen Oberbau-raths Rudolph, nach dem vom Hofbaudircctor Ruhl entworfe-nen Plane, erbaut. Es ist 96 Fuß lang und 70 Fuß breit,der daranstoßende große Saal aber 90 Fuß lang und 42 Fußbreit. Es war anfänglich in größerer Faeadenbreite entworfen,erbielt jedoch wegen der unzulänglichen Mittel statt der beab-sichtigten 9 Fenster nur 7 in der Fronte. Der Eingang ist