steht mitten in der Rotunde ganz frei auf drei zirkelförmigenStufen. Der Altar ist von weißem ägyptischen Marmor, dieStufen und das ganze Parkett von schwarzem italienischen.Hinter demselben stehen zwei Sarkopbage mit Reliquien heili-ger Leichname, welche Landgraf Friedrich II. bei seinem letztenAufenthalte in Rom vom heiligen Vater zum Geschenk erkaltenKatte. Die geschmackvoll und reich verzierte Kanzel stekt nebender Bogenöffnuug, über deren innerer Seile noch eine schöneGlorie in Stuck mit reicher Vergoldung angebracht ist. DenHintergrund ver Rotunde macht die sehr gute und vollstän-dige Orgel. Von den Gemälden, womit diese Kapelle aus-geschmückt ist, verdienen außer den genannten beiden Altar-stücken, auch die übrigen acht großen von demselben Künstlergenannt zu werden, welche die Leidensgeschichte Christi vor-stellen. Unter der Kapelle ist die Begräbnißstätte des ver-ewigten Landgrafen Friedrich, ikres Stifters, dessen Todestag(3l. October 1785) jährlich durch ein besonderes Seelenamtund durch Auffükrung eines Requiems (gewöhnlich des vonMozart! gefeiert wird.
Noch bemerken wir am untern Ende des Platzes dasFriedrichsthor, eins von den acht Hauptthoren Kassels,welches sonst nur aus zwei schönen mit Trophäen geziertenWachthäusern bestand, unter der jetzigen kurfürstlichen Regie-rung aber durch einen sehr hohen und ganz im antiken Stylegebauten Triumphbogen, welcher mit den Wachtkäuscrn durcheinige Säulen in Verbindung steht, die größte architektonischeSchönheit erhalten bat. Dieser Bogen hat eine Attike, welche,sowie die Bogen selbst, mit Trophäen und Lorbeerkränzen vonBronze geziert ist.
Verfolgen wir nun die an dieses Thor angränzende Belle-vuestraße, so zeigt sich uns im obern Theile dieser Straße,welche vl> Fuß breit ist und nur aus einer Reibe Häusernbesteht, eben darum aber eine herrliche freie Aussicht nach derOrangerie, der Karlsaue, den Feldern und den nahen und fer-nen Hügeln und Bergen eröffnet, das kurfürstliche Schloßund Palais Bellevue. Der ältere Theil desselben ist dasGebäude, welches an der äußersten südlichen Spitze des Ganzenan dem Anfange des Bellevuegartens liegt, der sich längst derBcllevuestraße durch Terrassen von der Höhe in die Tiefe hinaberstreckt. Dieses nicht große Palais hatte der verewigte Kur-fürst wegen seiner wunderschönen Lage und entzückenden Aus-sicht zu seinem beständigen Wohnsitze erkoren. Zur Vergröße-rung des Raumes wurden später mehrere anstoßende Gebäude,unter andern die Malerakademie und das vormalige Palaisdes Landgrafen Friedrich, zu dem Palais Bellevue gezogen unddurch einen bedeckten Arkadenbau damit verbunden. Das Ganze,welches auf diese Weise unter dem Namen des neuen Belle-vue-Palaiö entstand, hat zwar von Außen keine völlige Einheit,enthält aber eine große Menge Säle und Appartements, welchesämmtlich der Würde und dem Glänze eines kurfürstlichen Hofesangemessen sind. Den nach der Frankfurter Straße gelegenenTheil des Palais Bellevue — ein ansehnliches Gebäude, dessenEingang mit sechs dorischen Säulen, worauf ein Balkon ruht,geziert ist — bewohnt die Kurfürstin. In einem andern Theiledesselben befindet sich die kurfürstliche HauptstaatSkasse. Nahe
bei dem Bellevue-Palais liegt die kurfürstliche Bilder-gall erie, welche jetzt aus zwei verschiedenen Gebäuden be-steht, die als Flügel des in der Frankfurter Straße stehendensogenannten Gallerte-Palais angesehen werden können. DieGemäldegallerie, von Wilhelm VIII. gestiftet, gehörte vor dendurch die französische Occnpation erlittenen Verlusten zu denberühmtesten von Deutschland; trotz dem besitzt sie noch außer-ordentliche Schätze, namentlich an Gemälden von den nieder-ländischen Meistern Rcmbrandt, van Dyk, Rubens, Wouvcr-man n. s. w.
Die 5t> Fuß breite, sehr lebhafte Frankfurter Straßeführt uns an dem in der Mitte der Obcrncustadt gelegenenKarlsplatze vorbei, der zwar mcht groß, aber darum be-merkcnswerth ist, weil sich darauf die von Eggers in Rom ausweißem italienischen Marmor gehauene Statue des verewigtenLandgrafen Karl, des Gründers der Oberncustadt, befindet.Die 9 Fuß hohe Figur ist stehend und im römischen Costümedargestellt, und ruht auf einem Piedestal von gleicher Höhe.Vor diesem Platze, nach der Frankfurter Straße zu, liegt diefranzösische oder Oberneustädler Kirche, welche Land-graf Karl im Jahr IK98 in einem einfachen, modernen Styleerbauen ließ. Sie hat eine mit Kupfer bedeckte Kuppel.
Die nordwärts an diesen Platz angränzende ^t) Fuß breiteKarlsstraße fuhrt wiederum an dem Wilhelmsplatze vor-bei, welcher 30(1 Fuß lang und I3t)Fuß breit und mit Straßenund Gebäuden umgeben ist. Von letzter« bemerken wir außerdem Hospital der französischxn Gemeinde, einem an-sehnlichen mit einem Glockeubau versehenen Gebäude mit zweck-mäßiger Einrichtung, besonders das Ob erneu städter Rath-haus, das in einem edlen modernen Geschmack nach du Ry'sZeichnung gebaut und mit jonischen Mastern geziert ist, welchedas Frontou tragen. In diesem Gebäude befindet sich gegen-wärtig die Akademie der bildenden Künste, welche voin Land-grafen Friedrich II. nach dem Muster französischer Akademiengestiftet worden ist. Da aber das Lokal dermalen für denUmfang der Anstalt zu klein ist, so sind einstweilen für dieKlassen der Malerei in der Königsstraße noch besondere Ate-liers gemiethet worden; es steht indeß zu hoffen, daß die Aka-demie bald ein ihrer Stellung würdiges Gebäude vom Staateangewiesen bekommen wird. — An den Wilhelmsplatz stößtauch noch der linke Flügel des sogenannten Meß Hauses,welches nach Beendigung des siebenjährigen Krieges von Land-graf Friedrich II. erbaut und in der westphälischen Zwischenzeitmit einer neuen schönen Faeade versehen wurde. Es ist 30t)Fuß lang und bildet im Innern ein vollkommenes Viereck miteiner Menge von Säulen, Gallerien und Zimmern, welchescbr Helles Licht und an beiden Seiten geräumige Kauflädenhaben. In diesem Gebäude, sowie auf dem Wilhelmsplatzeund in den nahe umherliegenden Straßen werden die beioenjährlichen Messen gehalten; auch ist in dem unteren Theile desGebäudes eine beständige Niederlage von schönen moderneuMöbeln, welche eine Gesellschaft von Schreinern unterhält.
Einige Schritte vom Meßhause aufwärts am Wilhelms-platze vorbei gelangt man zu dem Wilkelmshöber Platze,welcher am Wilhelmshöher Thore liegt und aus einem 30(t