Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Im Jahr 1579 hob der Herzog Julius das Kloster aufund vertheilte dessen Güter zwischen der Landcsuniversität Helmstadt und den Kirchen und Schulen in der Stadt.

Das Aegidienkloster stand hierauf lange leer, bis HerzogFriedrich Ulrich 1915 die Stiftsjungfrauen an dem damals zer-störten Klos- oder Clauskloster bei Gandersheim dahin versetzte,und es somit in ein Frauenkloster verwandelte. Im Jabr 1718wurde die Aegidicnkirche zur Garnisonskirche bestimmt; währendder wcstphälischen Zeit (1812) wurde sie leider- zu einem Korn-und Strohmagazin herabgewürdigt und hierauf erst im Jahre1839 in ihrer früheren Schönheit wieder hergestellt. Ihre ge-genwärtige Bestimmung ist, ein Tempel der Kunst zu sein; in-dem ihre herrlichen Räume zu Kunst-und Gcwerbcauestellungen,Musikfcsten und sonstigen öffentlichen Feierlichkeiten benutzt werden.

Die älteste unter den jetzt bestehenden Kirchen der Stadtist die Maguikirche, welche schon im Jahr 1939 unter Mark-graf Ludolpb gegründet ward, jedoch ihre jetzige Größe erst inder letzten Hälfte des fünfzebuten Jahrhunderts erhalten hat.Sehenswürdigkeiten derselben sind: das Denkmal des ersten pro-testantischen Predigers in Brauuschwcig, Heinrich Lange, dieGemälde der Reformatoren und der große Altar von inländi-schem Marmor.

Die größte Kirche der Stadt ist die Brüdern- oder Ulrichs-kirche, welche im dreizehnten Jahrhundert erbaut wurde und denersten Namen von den Barfüßcrmönchcn, welche auch Franzis-kanerbrüder hießen, den zweiten Namen aber nach ihrer Verei-nigung mit der Gemeinde der 1544 niedergerissenen Ulrichskircheempfing. Das Schiff ist 124 Fuß lang nnd mit zehn achtecki-gen gothischen Pfeilern zur Tragung des Gewölbes versehen;das Chor ist 97 Fuß laug und 32 Fuß breit. Der Hochaltarist im gothischen Geschmack 1955 erbaut, der untere, aus älte-rer Zeit hcrstammende Theil aber ein Meisterstück altdeutscherHolzschnitzerei. In der Sakristei befinden sich die Bildnisse Lu-thers und Melanchthons in Lebensgröße, Originalgemälde vonLucas Cranach.

Die Petrikirche verdankt ihren Ursprung Heinrich demLöwen, der sie statt der von ihm niedergerissenen Petrus undPauluSkirche in der Burg hier errichten ließ. Der Thurm der-selben ward 1811 vom Blitz getroffen, und brannte ab. ImInnern der Kirche ist der Taufstein bcachtungswerth, welcher inForm eines Kelches in Eins gegossen ist und von drei liegen-den Löwen von Messing getragen wird.

Die Michaeliskirche war ursprünglich im Jahr 1157 (alsoschon vor Heinrich dem Löwen von Bürgern dieser Gegend er-baut worden, allein bei der großen Feuersbrunst von 1277wurde auch dieses Gebäude ein Raub der Flammen. Manbaute es jedoch sogleich wieder auf, und vergrößerte eS späterzu wiederholten Malen.

Die reformirte Kirche war ursprünglich eine dem Apo-stel Bartholemäus geweihte Kapelle, deren Erbauung wahrschein-lich ins dreizehnte Jahrhundert fällt. Nachdem einige Zeit nachder Reformation der Gottesdienst in derselben aufgehört hatte,überließ sie der Herzog Anton Ulrich im Jahr 1798 der refor-mirten Gemeinde, welche sie 1719 neu ausbaute. Im Jahr1833 wurden die Thürme dieser Kirche durch den Sturm be-schädigt und darauf abgebrochen.

Die katholische Kirche wurde vom Herzoge Anton Ulrichnach seinem Uebertritt zum Katholicismus Anfangs 1711 imneuren Style erbaut und 1715 eingeweiht.

Im Ganzen wird jetzt in 19 Kirchen, wovon 8 dem lu-therischen, 1 dem reformirten und 1 dem katholischen Cultusgehören, Gottesdienst gehalten.

Von den übrigen Gebäuden der Stadt bemerken wir noch:das Neustadt-Rathhaus, ein stattliches, von Quadernaufgeführtes Gebäude, welches auch eine Bibliothek enthält; dasHaus des Herrn Demmer, eines der ältesten der Stadt, dasbesonders wegen seiner alterthümlichcn Verzierungen an den äu-ßeren Balken der oberen Stockwerke sehenswert!: ist und deßhalbauch öfters von Fremden abgezeichnet wird; ferner ein altes,durch eine Wallfischrippe bezeichnetes Haus am alten Pctrithore,worin der Erfinder der nach ihm benannten Mumme, dies Ge-tränke 1498 zuerst braute.

Von öffentlichen Denkmälern besitzt Braunschweig bis jetztnur zwei: das Denkmal der Schill'schen Krieger vordem Steinthore, welches zum Andenken von 14 Kriegern desSchill'schen Corps, die 1899 auf dieser Stelle von den Fran-zosen erschossen wurden, durch die milden Beiträge der Braun-schweiger errichtet wurde, besteht aus einem 29 Fuß hohen, miteinem eisernen Kreuz geschmückten, reich ornirtcn Postamente,dessen Ecken durch eiserne Kanonen geschützt werden, welchedurch Ketten verbunden sind.

Später ist auch das, bisher zu Leyden aufbewahrte Hauptdes heldenmüthigcn Ferdinands von Schill hier neben den Ge-beinen seiner Gefährten beigesetzt worden. In der Kapelle desnebenstehenden Jnvalideuhauscs, welches von einem Krieger desSchill'schen Corps bewohnt wird, ist auch die von Sticglmaicr inMünchen modellirte und gegossene Bronzebüste Schills, so wieauch das Bildniß Andreas Hofers, das des Erzherzogs Carlvon Oesterreich und des Herzogs Friedrich Wilhelm von Vraun-schweig nebst einigen Waffen SchillS aufgestellt worden.

Die 99 Fuß hohe Pyramide aus gegossenem Eisen aufdem Walle, welche 1823 zum Andenken der Herzöge Carl Wil-helm Ferdinand und Friedrich Wilhelm errichtet wurde, ist vondem im October 1849 verstorbenen, hochverdienten Ober-Bau-rath Krähe entworfen worden, dem Braunschweig auch sämmt-liche Anlagen der Wallpromenade verdankt. Diesen beidenDenkmälern soll sich in der Folge noch ein drittes, zu EhrenLessings anschließen, dessen Ruhestätte bis dahin nur noch durcheinen einfachen, unwürdigen Grabstein auf dem Kirchhofe derMagnikirche bezeichnet wird. Dieses Monument wird aus einervon Rauch auszuführenden kolossalen Bronzestatue des gefeiertenDichters bestehen.

Unter den Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, derenBraunschweig eine reiche Menge besitzt, heben wir nur dasHerzogliche Museum als die großartigste hervor. Es wur-de in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von Herzog Karlerrichtet und enthält ein Kabinet mit einer schätzbaren Samm-lung von Kupferstichen, Holzschnitten, Handzeichnungen und der-gleichen, zwei Säle mit antiken und anderen plastischen Bilder-werken darunter das berühmte Mantuanische Gefäß aus einemmit Reliefs geschmückten Onyr, wahrscheinlich ein antikes Opfer-gefäß. Leider hat Herzog Karl bei seiner Flucht im Jahr 1839