im Innern mit künstlich verzierter Decke, sowie die übrigenRäume dieses Gebäudes werden zu Meßständen gebraucht. Ne-ben dem Altsradtrathhause ist der (feit 1679 gleichfalls als Meß-local benutzte) Autors Hof, der von einer jetzt nicht mehr vor-handenen Kapelle den Namen hat, welche die Braunschweigerin Folge eines 1374 ausgebrochenen Aufstandes bei ihrer Wie-deraufnahme in den Hansebund dem heiligen Autor zu erbauenverpflichtet wurden. Auf der andern Seite der hier zunächststehenden St. Martinokirche finden wir das landschaftlicheHaus mit dem Sitzungssaal der Landstände in einem einfachen,aber großartigen Style. Eine ziemlich vollständige Portrait-Sammlung aus der braunschweigischen Negentcnfamilie giebtdiesem Gebäude noch ein besonderes Interesse.
Zunächst an den Altstadtmarkt stößt der Kohlmarkt, derdeßhalb auch in Verbindung mit demselben zum Meßplatze ge-braucht wird, von wo aus sich dann die Messe in die nahe gele-genen Straßen ausbreitet. In der Nähe des Kohlmarkts liegt dasGewandhaus, welches in der Messe zum Tuchhandel benutztwird und daher auch seinen Namen erhalten hat. Von histori-schem Interesse ist unter den Zimmern desselben die Patricier-stube, das sogenannte Kliphaus; in den unteren Räumen desGebäudes abwärts befindet sich der Weinkeller.
In der Mitte der Stadt liegt der Burg Play, so genanntnach der ehedem hier gelegenen Burg Dankwarderode, welchezur Entstehung der Stadt Braunschwcig die erste Veranlassunggab, indem sich unter dem Schutze derselben allmählig ein offe-ner Ort ansiedelte, der, weil Dankwarderode (nebst der nahegelegenen Burg Hohewort bei Melverode zu den Besitzungender Brunonen gehörte, den Namen Brunswick (Bruno's Wiek,krunones vieus) empfing.
Die ehemaligen Befestigungen des Platzes durch Mauern,Thürme, Graben und Thore ist bis auf wenige Spuren fastgänzlich verschwunden. Auf dem Platze steht das sogenanntegroße Mosthaus (eigentlich Moyshaus, soviel als Zeughaus),die alte Residenz der Braunschweigischen Herzöge, welche jetztals Caserne benutzt wird. Vor demselben befindet sich der ehrneLöwe, welchen Heinrich der Löwe 1172 hier aufrichten ließ.Ueber die Verfertigung (ob er orientalischen oder deutschen Ur-sprungs sei?), über die Bedeutung, ja sogar über die Stellungdesselben ist viel gestritten worden. Die Sage läßt ihn ein Bilddesjenigen Löwen sein, welchen Heinrich aus Palästina mitge-bracht hätte und der die Spuren seines Schmerzes über den Toddes Herzogs den Steinen neben der nordöstlichen Thür der Dom-kirche zu einem dauernden Wahrzeichen eingedrückt habe.
Die südliche Seite des Platzes wird durch die Domkirchebcgränzt, welche auch St. Blafius- und Burgkirche genanntwird. Sie ist im edlen einfachen Rundbogenstyl von Heinrichdem Löwen an der Stelle der den Aposteln Petrus und Paulusgeweihten Kirche, 1172 erbaut; nur die beiden Scitenhallcn,die südliche und nördliche, gehören in eine spätere Zeit und ent-sprechen nicht der Schönheit des übrigen Gebäudes. In demSchiff der Kirche ist das Grabmal Heinrichs des Löwen undseiner Gemahlin Mathilde, mit den Lebens großen Figuren der-selben in Stein gehauen und unfern davon das des HerzogsLudwig Rudolph und seiner Gemahlin mit in Zinn gegossenenFiguren. In der Krypta unter dem hohen Chöre befindet sich
das herzogliche Erbbegräbniß, in welchem die steinerne BildsäuleHeinrichs des Löwen, der steinerne Sarg der Markgräfin Ger-trude, der des Herzogs Leopold, welcher einen heldenmüthigenTod in der Oder fand :c., besonders sehenswerth sind. Vonsonstigen Merkwürdigkeiten enthält die Kirche einen kleinen Al-tar, der von 5 hohlen metallncn Säulen getragen wird, dieehemals Reliquien enthielten; einen 7 Centner schweren, 16 Fußhohen und 15 Fuß breiten Leuchter von Messing, der mit 7Armen versehen und dem goldnen Leuchter der Stiftshütte nach-gebildet ist, beide Werke von Heinrich dem Löwen herrührend;außerdem eine sehr ausgezeichnete Orgel und ein vortrefflichesGeläute. Auf der Südseite der Domkirche ist in den Jahren1836 und 1831 durch das Abbrechen der ehedem neben dersel-ben befindlichen Johanniskapclle sowie der Kreuzgänge und an-derer Gebäude, ein schöner großer Platz entstanden, der jetztzum Paradeplatz benutzt wird.
An diesen stößt die ehemalige Domprobstci, welche bis zurVollendung des Restdenzschlosses eine Zeit lang zur HerzoglichenWinterwohnung benutzt wurde und am anderen Ende desselbenliegt das Stadthaus, die Wohnung des Stadtdirectors.
Auf dem Hagenmarkt sind die Katharinenkirche unddas Schauspielhaus die merkwürdigsten Gebäude. Ersterezeichnet sich besonders durch einen fast 366 Fuß hohen, schön ge-bauten Thurm aus und ist auch im Innern durch die Glasma-lerei hinter dem Hochaltar, welche in drei Fenstern Christus amKreuze mit Maria und Johannes, die Opferung Jsaaks, undMoses mit der ehrnen Schlange darstellt, vorzüglich beachtungs-werth. Letzteres ist auf der Stelle des ehemaligen Rathhausesvom Hagen durch Herzog Anton Ulrich 1696 erbaut und gehörtzu den größeren Gebäuden dieser Art im nördlichen Deutschland.In neuerer Zeit ist es durch den Hofbaurath Ottmer geschmackvoll im Innern verziert und durch die Theatermaler Beuthcrund Weiß mit schönen Dekorationen versehen worden.
Der Wollmarkt hat als vorzüglichsten Schmuck die An-dreaskirche, welche um das Jahr 1266 von Kaufleuten, die ent-weder Krüppel waren oder blos so hießen, erbaut worden seinsoll. Sie hat den höchsten Thurm der Stadt, welcher sich imJahre 1544 bis zu einer Höhe von 426 Fuß erhob, jetzt aber,nachdem er mehrmals vom Gewitter beschädigt worden, nur 319Fuß hoch ist. Auf der Westseite ist er durch eine große schöngearbeitete steinerne Rose geziert und unter der Kuppel mit einersichern Gallerie versehen, von welcher man eine schöne Ausfichtüber die Stadt und die ganze Umgegend genießt.
Unter den übrigen merkwürdigen Kirchen Braunschweigs,erwähnen wir zunächst die Aegidienkirche, welche um dasJahr 1113 durch die Markgräfin Gertrnde, Erbin der Brunoni-schcn Besitzungen nebst dem dazu gehörigen Mönchskloster zuEhren der Jungfrau Maria und der beiligen Autor und Aegi-dius gegründet wurde, zeichnet sich durch die Schönheit ihresBaustyls, durch große Einfachheit in ihrer ganzen Construction,besonders durch ihre hohen, schlanken Säulen, und den ehrwür-digen hohen Chor, dessen Säulencapitäle mit wunderbaren Thier-gestalten phantastisch verziert find, vor allen Kirchen Braunschweigsaus. Ihre gegenwärtige Umgestaltung rührt aus dem vierzehn-ten und fünfzehnten Jahrhundert her, da das ursprüngliche Ge-bäude im Jahr 1278 durch den Brand gänzlich zerstört wurde.