dieses unschätzbare Kunstwerk mit hinweggeführt. Von großemWerthe sind auch noch ein ausgezeichnet schönes Crucifix in El-fenbein von Michel Angelo, und die berühmte Predigt des Jo-hannes in der Wüste, von Albrecht Dürer in Speckstein geschnit-ten. Ein dritter Saal enthält die berühmte Majolikasammlung,ein vierter endlich mehre Gegenstände aus China und von denSüdsceinseln. In einer besonderen Abtheilung find jetzt die Mi-neralien-Conchilien und die zoologischen Sammlungen aufgestelltworden, welche früher die Gemäldesäle beengten. Diese kost-bare Gemäldesammlung besteht ihrem Hauptstamme nach aus derberühmten Salzdahlumer Gallerie, welche nach der Rückkehr derwerthvollsten Bilder aus Paris in den Räumen des Museumsund dreier daranstoßender Zimmer nur nothdürftig aufgestelltwerden konnte.
Als Anhang folge hier noch Einiges zur Geschichte Braun-schweigs.
Die älteste Urkunde in welcher der Name Brunswick, abernur als Naine einer Villa vorkommt, ist die Stiftsurkunde derMagnikirche vom Jahr 1031.
Nach dieser Zeit ging es durch Heirath in den Besitz derWelsen über, unter denen es zu seiner eigentlichen Bedeutunggedieh. Vor allen ist es Heinrich der Löwe (1146 —1105)der sich um Braunschweig die größten Verdienste erwarb. Ererhob es nicht allein zuerst zur Stadt, sondern vereinigte auchdie einzeln Theile, deren Umfang man aus der Lage der schonvor seiner Zeit erbauten Magni- und Michaeliskirche ermessenkann, zu einem Ganzen; fügte den Hagen hinzu, erbaute ander Stelle der Petri und Pauluskirche den Dom, gründete dieKatharinen-, Petri- und vielleicht auch die an der Stelle derMartinskirche früher befindliche Marktkirche und verlieh der soerweiterten Stadt mehrere Privilegien.
Durch Heinrichs des Löwen Sohn, Kaiser Otto IV., er-hielt Braunschwcig zum Lohne für die gegen ihn bewiesene Treue,die Zollfreiheit durch das ganze deutsche Reich. Diese Begün-stigung sowie die Betriebsamkeit und die glückliche Lage derStadt an dem Haupthandelswege zwischen dem Süden und Nor-den hob den Wohlstand derselben in kurzer Zeit so außerordent-lich, daß es schon im Jahr 1247 dem 1241 von Lübeck undHamburg gestifteten Hanscbunde, als dritte Bundesstadt beitre-ten konnte.
Der Reichthum der Braunschweiger führte bald Verlangennach Unabhängigkeit herbei, und wirklich gelang es ihnen auch,bei den beständigen Geldverlegenheiten ihrer Fürsten, nicht nurfast alle Gerechtsame derselben auf die Stadt an sich zu brin-gen, sondern auch außerhalb der Stadt bedeutende Besitzungenpfandweise von denselben zu erwerben.
Indeß fehlte es auch nicht an inneren Streitigkeiten in derStadt selbst, indem sich die Gilden zu wiederholten Malen ge-gen den Rath auflehnten. Der heftigste Aufstand fand im Jahr1374 statt; in demselben verlor der Bürgermeister Tile vonDamm (dessen Wohnung die sogenannten 7 Thürme auf demAltstadtmarkt waren) und mehrere andere Patrizier ihr Leben.Zur Strafe dafür ward die Stadt aus dem Hanscbund gesto-
ßen , aber erst nach 8 Jahren unterwarf sie sich den ihr gestell-ten demüthigenden Bedingungen.
Noch verderblicher für die Stadt wurde ihr Bestreben, sichder Landeshoheit der Herzöge zu entziehen und sich zur freienReichsstadt zu erheben, zumal als gegen das Ende des fünfzehn-ten Jahrhunderts durch die Erfindung des Schießpulvers, durchdie stehende Söldncrmiliz, durch den ewigen Landfrieden unddurch engeres Aneinanderschlicßen die Macht der Fürsten sichüber die der Städte zu erheben begann, und noch überdieß durchdie um dieselbe Zeit veränderte Richtung des Welthandels,Braunschweigs Wohlstand fühlbar abnahm.
Gleichwohl widerstand es fortdauernd, selbst unter den hef-tigsten Kriegsstürmen des 16. und 17. Jahrhunderts, allen Er-oberungsvcrsuchen seiner Fürsten, bis endlich Herzog RudolphAugust mit den übrigen Braunschweig-Lüneburgischen Fürsten1671 deßhalb eine Uebereinkunft traf. Ein Heer von 20,000Mann ward nun gegen die Stadt geführt. In dieser selbstaber, standen gerade damals übermäßiger Verschuldung wegen,die Gilden dem Rathe so feindlich gegenüber, daß sie nach kur-zem Widerstande denselben sogar zwangen, die Stadt dem Her-zoge zu unterwerfen. Wenn nun auch aus dieser Veränderungder Dinge für Braunschweig manche Vortheile erwuchsen, als:die Beschränkung der Patrizier, die Abstellung des Gildeunfugs,die bessere Ordnung im städtischen Wesen, die Uebernahme derSchulden von Seiten des Herzogs zc., so schwanden doch mitdem Verluste der Unabhängigkeit zugleich auch Handel und Wohl-stand; mehrere der reichsten Familien verließen die Stadt, vieleHäuser standen leer und wurden in Magazine verwandelt. Eineglänzendere Zeit nahte sich Braunschweig erst unter der langenund glücklichen Negierung des Herzogs Karl (1731 — 1780).Von den vielen Einrichtungen dieses Fürsten war für die Stadtbesonders die Verlegung der Residenz von Wolfenbüttel nachBraunschweig (1753), die Stiftung des Collegiums Carolinium(1745), die Verbesserung des Armenwesens und die Beförder-ung der Fabriken von den wichtigsten Folgen. Den höchstenGlanz und Wohlstand erreichte indeß Braunschwcig mit der Re-gierung des durch seine Regentenweisheit ausgezeichneten Her-zogs Karl Wilhelm Ferdinand (1780 —1806). Ihm verdanktdie Stadt viele der schönsten Bauwerke und die Begründungder reizenden Umgebung der Stadt durch die Abtragung desWalles. Die Gewerbe blühten, Fabriken entstanden, und auchder Handel hob sich zu einer vielleicht selbst die 15- Jahrhun-derts überragenden Höhe. Dieß Alles, erzeugte einen Wohl-stand, den selbst weder die unglückliche Zeit der Fremdherrschaft(1807 — 1813) noch die spätere von außen her bewirkte Be-schränkung des Handels und der Gewerbe vernichten konnte.Die darauf folgende Regierung des Herzogs Friedrich Wilhelm(1813 bis 1815) war leider zu kurz und mit kriegerischen Zu-richtungen zu sehr angefüllt, als daß die guten Absichten dessel-ben für das Wohl des Landes und der Stadt hätten zur Aus-führung kommen können. Unter seinem Sohn und Nachfolger,dem Herzog Karl erlebte darauf Braunschweig 1830 eine Ka-tastropbe, welche die Zerstörung des Nesidenzschlosses und dieVertreibung und Absetzung des jungen Regenten zur Folge hat-te. An seine Stelle trat sein Bruder der Herzog Wilhelm, des-sen Regierung Brannschweig bereits so manche Wohlthaten,insbesondere die neue Einrichtung des Städtewcseus und dieI Verbesserung und Begründung vieler städtischen Institute verdankt.