Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Z5 r a u n s

e h w e i g.

öraunschweig, Haupt- und Residenzstadt des Herzog- -thums gleichen Namens, mit nahe an 40,000 Einwohnern,liegt in einer großen wohlangebauten Ebene an der in mehreArme sich theilenden Ocker. Von Weitem, besonders vom Nuß-berge aus, wo sich die Stadt in ihrer Breite darstellt, gewährtsie durch ihre vielen hohen und stattlichen Thürme einen groß-artigen Anblick, und von Norden her gesehen, geben ihr derElm und das Harzgebirge auch einen schönen landschaftlichenHintergrund. Sehr freundlich aber erscheint sie dem eintreten-den Fremden durch die geschmackvollen Wachthäuser an denThoren und noch vielmehr durch die gartcnähnlichcn Promena-den, in welche die demolirten Festungswerke rings um die Stadtverwandelt worden sind. An der Stadt selbst verwischt sich zwardas Altcrthümliche immer mehr durch Neubauten; jedoch sinddiese meist in einem sehr einfachen Geschmack, ohne Rücksicht aufschöne Faeaden oder sonstige architektonische Verzierungen auf-geführt. Die Straßen, deren es über 100 giebt, laufen frei-lich meist in gebogener Richtung, haben aber vor den Straßenvieler großen Städte den bedeutenden Vorzug, mit Trottoirsvon großen Steinplatten durchweg versehen zu sein. Die brei-teste Straße ist setzt die Wilhelmsstraße, welche vom nördlichenSeitenflügel des Herzoglichen Schlosses an, vor dem äußerstgeschmackvollen, neuen, massiven Theater-Intendantur-Gebäudevorbei, sich in mäßig gebogener Linie nach Norden hin bis zumöffentlichen Hospitale ain Wendenthore erstreckt.

Unter den öffentlichen Plätzen nimmt der Schloßplatzjetzt den ersten Rang ein, seitdem sich an der Stelle des imSeptember 1830 zerstörten Schlosses ein neuer Palast, nachdem Entwurf und unter der Leitung des Hofbauraths Ottmererhoben hat. Der Bau desselben begann im Frühjahr 1831und wurde dem Haupttheile nach in sechs Jahren vollendet.Dieser Mittelkörpcr des Schlosses ruhet auf einem durch mehrals 4000 Pfähle gesicherten Fundamente. Die Hauptmasse desganzen Baues bildet die 400 Fuß lange und mit Einschlußder Balustrade 80 Fuß hohe Hauptfaeade mit ihren zurücksprin-genden Flügeln, welche die 220 Fuß langen Seitcnfacaden bil-den. Die Hauptfaeade hat 3 Risalite, vor denen sich, von derBel-Etage an, 10 korinthische Säulen bis zum Giebel erheben.Die Balustraden der Eckrisalite werden mit Statuen, das Gie-belfeld des mittleren Risalits aber mit Basreliefs, nach denZeichnungen Ottmers, geschmückt werden. Dieses Giebelfeld wirddurch 6 korinthische Säulen getragen, auf deren beiden Seiten .noch 2 gewundene Siegessäulen emporstreben, und über ihmerhebt sich eine Plattform, worauf demnächst, da leider bis jetztnoch immer der wesentlichste Theil der äußeren Decoration fehlt,Und sogar die projectirtcn, im Cirkel vorspringenden Colonna-den und Eckpavillons nicht einmal ausgeführt worden sino, dasViergespann des Sonnengottes, nach einem vom Professor Rauchangefertigten Modelle, thronen wird. Wie Größe, Pracht und ^

" feierlicher Ernst den Charakter der Hauptfaeade bezeichnen, soliegt der nördlichen Seitenfaeade, welche auf den Schloßgartenund die Wilhelmsstraße geht, und die Zimmer des Herzogs ent-hält, die Idee eines Sommeraufenthaltes zum Grunde, der, voneiner blühenden Natur umgeben, in ebenso gefälliger als origi-neller Form hervortritt. Achtzehn jonische Säulen gereichen hierden Bogenfenstern der untern Etage, worüber 18 Genien von5 Fuß Höhe schweben, zum reichste« Schmucke, sowie ein 120Fuß langer Balcon, welcher in der Bel-Etage vor den Fensterndes Herzogs durchgeht. Das ganze Gebäude ist aus den schön-sten Steinquadern in griechischem Style erbaut. Die vorherr-schende Architektur ist die korinthische und der Reichthum dersel-ben spricht sich nicht blos im großen Ganzen, sondern auch inallen einzelnen Verzierungen aus, von der Zeichnung der Or-namente, der Mannigfaltigkeit der Capitäle, der Gliederung derGesimse und Etagengurtc bis zum Gefüge der einzelnen Qua-dern. Tritt man nun durch das imposante Hauptportal, so ge-langt man zunächst in die mit 22 dorischen Säulen geziertePrachthalle, aus der man dann auf der, zwischen Säulen kühnemporstrebenden Haupttreppe zu der von oben erleuchteten unddurch 32 jonische Säulen getragenen Rotonde hinansteigt. Vordieser, welche mit ihren Balkons 72 Fuß im Durchmesser und60 Fuß Höhe hat und den übrigen Festsälen als erste Vorhalledient, gelangt man unmittelbar in den reich geschmückten Haupt-saal von 48 Fuß Höhe und 73 Fuß Länge, woran sich rechtsdie Wohnzimmer, links die übrigen Festsäle schließen.

Von den übrigen Plätzen der Stadt war der Altstadt-markt bis jetzt der schönste. Er bildet ein längliches Viereckund ist fast in der Mitte durch einen schönen Springbrunnengeschmückt, der aus drei metallenen über einander befindlichenBecken besteht, welche gothische Verzierungen, Wappen und In-schriften enthalten; im Westen aber wird er durch die Martins-kirche und das Altstadtrathhaus begränzt. Erstere, deren Er-bauung in das dreizehnte Jahrhundert fällt, zieren zwei hohe,in langen Spitzen auslaufcnde Thürme. Das Innere derselbenaber bietet außer der an der Südseite gelegenen, mit der zier-lichsten und edelsten Architektur ausgestatteten St. Anncn-Capelle,und allenfalls außer der, mit Marmorreliefs versehenen Kanzelund dem Taussteine, nichts architektonisch Interessantes dar.Das Rathhaus, welches im dreizehnten Jahrhundert erbaut ist,gehört unstreitig zu den schönsten gothischen Gebäuden dieser Art.Es besteht aus zwei massiven Hauptgebäuden, welche einen rech-ten Winkel gegen den Altstadtmarkt bilden. Jede der beidenHauptfaeade« hat 4 Gewölbe, von welchen die eine Hälfte lei-der zugemauert ist, und darüber 4 offene Lauben, die durch dieLeichtigkeit ihrer Bauart dem Gebäude ein sehr schönes Ansehengeben. An den 9 Pfeilern der Bogenlaube sind die steinernen5 6 Fuß hohen Bildsäulen der sächsischen Kaiser und einiger^ Herzöge mit ihren Gemahlinnen angebracht. Der große Saal

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