Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Godehard an. Die Kirche, kreuzförmig und durch Säulen undPfeiler in drei Schiffe getheilt, das wahre Vorbild von demdurch Kaiser Lothar II. zu KönigSlutter gegründeten Dome,wurde alsbald auch aufgehoben; allein im Jahre 1816 derkatholischen Pfarrgcmcinde zurückgegeben, weil ihre ursprüng-liche Pfarr-Capclle zum heil. Nicolaus in Privathände überge-gangen war; die klösterlichen Gebäulichkeiten werden fetzt zuStaatsgefängnissen und zu Gerichtsstubcn fürs Amt Steurwald-Marienburg benutzt.

Durch die Urbarmachung des Brühls, von den Benedik-tinern des ebengedachten Klosters ausgegangen, waren in dieserGegend Bebauungen entstanden; Bischof Conrad II, gewannvon denselben einen ziemlichen Flächenraum und stiftete hier imJahre 1236 ein Dominicaner-Kloster. Sein Bestand ging mitder Einführung der Reformation zu Grunde, daS Kloster wurdealsbald in Bürgerhäuser umgewandelt, die Kirche verblieb aberbis 181 t> dem lutherischen Cultus und ist fetzt, wie gesagt, einKornmagazin. Unfern von diesem Gebäude am Fuße des um-mauerten Bischofsitzes (der Burg, im uiedersächsischcn Borch,daher die Burgstraße) fanden im Jahre 1656 die Carthäuser,welche im Jahre 1632 mit Schwert und Brand aus ihren vorden westlichen Mauern der Stadt gelegenen einsamen Zellengetrieben waren, ihr Asyl. Die hier Anfangs in Noth undDürftigkeit errichteten Wohnungen sollten in der Folge durchmassive Gebäude ersetzt werden; allein kaum waren die Söhnedes heil. Bruno mitten im Bau begriffen, so lös'te sie ein am4. August 1777 erlassenes Suppressions-Decret auf. Der Fondwurde zur Gründung eines Priester-Seminars verwendet; dieGebäude im Jahre 1806 zu einem Armcnhause eingerichtet,welches dermalen eine Pfleg- und Arbcits-Anstalt, eine In-dustrie-Schule, eine Apotheke für Arme, ein Krankenhaus undeine Klein-Kinder-Pflcg-Austalt umfaßt.

Nordwestlich auf dem höchsten Punkte der Stadt ragt dieseit 1810 profanirte St. Michaelis-Kirche mit ihrem, den inder Burgstraße hinangehenden Wandrern riesenhaft erscheinendenBaue mächtig empor; neben ihr bestand bis 1803 eine Bene-dictiner-Abtci, deren prachtvollen und umfangSreichcn Gebäudeseit 1827 zur Heilung und Aufbewahrung von Gcmüthskrankeneingerichtet sind. Die unter der Kirche befindliche Crypta, inder das Grabmal des erlauchten Stifters St. Bcrnward miteinem wunderbaren Qucllwasser zu sehen ist, dient noch zumkatholischen Gottesdienste. In einiger Entfernung von dieserAnstalt gen Westen liegt eine zweite, welche seit 1833 fürunheilbare Gemüthskranke besteht, und deren Bänlichkcitennur eine Erweiterung der ursprünglichen Wohnungen von büßen-den Schwestern sind, wovon schon Erwähnung geschehen; indeßihr Gotteshaus ist dem katholischen Cultus verblieben und seit1812 zur vierten Pfarrkirche erhoben. Unter den in derselbenaufbewahrten Kunstschätzen und Kostbarkeiten verdienen zweivon dem heil. Bernward gegossene Leuchter wegen ihrer Metall-Eomposition hier besonders hervorgehoben zu werden.

Vor dem äußersten Südthcile der Altstadt, dem Brühle,d ehnt sich in oblongartiger Richtung gegen Süd-Ost die Neu-stadt aus uud enthält cilf gerade Straßen mit einfachen Holz-häusern. Ehemals war sie durch Wall, Mauer und Grabenvon der Altstadt getrennt, allein nach dem im Jahre 1583 zu

Stande gebrachten Unions-Receß, wodurch die beiden Städtemit einander vereinigt worden sind, hat man diese Befestigungs-werke allmählig abgetragen, so daß dermalen auch nicht diemindesten Spuren von ihnen mehr wahrgenommen werden.Sie hat eine im gothischen Styl aufgeführte und 1486 demheil. Bekenner Lambert geweihte dreischiffige Kirche, dem luthe-rischen Cultus angehörend; die in einiger Entfernung von ihrgelegene St. Annen-Capelle ist seit 1836 durch ein Bürgerhausverdrängt worden. Neben der Kirche liegt ein großer Markt-platz mit einem Springbrunnen; an der Stelle des Rathhansessteht eine Privatwohnung. Außer der am wcstöstlichcn Eingängedieser Stadt gelegenen Großvoigtci, dem ehemaligen Sitze deshildcsheimischen Dompropstcs, der als regierender Herr überselbige herrschte und dem daneben liegenden Gebäude für diehier bestehenden zwei Freimaurer-Logen hat sie nichts bcmerkens-werthes aufzuweisen.

Werfen wir nun einen Blick auf die Geschichte der StadtHildesheim, so ersehen wir aus selbiger, daß ihr Ursprung,allmähliges Emporblühcn bis zur dermaligen Größe sich infolgenden Hauptzügen zusammenstellen läßt. Hildesheim an-fänglich eine Villa, deren Bewohner,, um Schutz uud Nahrungzu suchen, sich neben dem hierher verlegten Bischofsitz angesie-delt hatten, wuchs alsbald zu einem großen Weiler heran, derin Folge erlittener feindlichen Ucberfälle schon im 12tcn Jahr-hundert, wo nöthig, hier und da mit Mauern umgeben wurde.Durch Gründung von Stiften und Klöstern dehnten sich mehruud mehr die Bebauungen des Orts aus und im I3ten Jahr-hundert sehen wir Hildeöhcim schon als Stadt der deutschenHansa beitrcten. Die Inwohner, später in sechs Beuerschastengetheilt (gegenwärtig bestehen sie aus neun, weil die Neustadtin drei getheilt ist), wurden bis zum Jahre 1448 von zwölfNathmännern, Consule», regiert, nachher traten ein Bürger-meister und 24 Rathsherrcn an ihre Stelle, welche man jährlichwählte, indeß dieses Reglement erlitt in der Folge noch einigeAbänderung. Die Bischöfe übten durch ihre Advocati dasj oberste Gericht über den Rath und die Bürgerschaft aus, alsaber späterhin der Rath oftmals die Schwächen seines Fürstenmerkte und Geldnoth den geistlichen Gebieter zwang, bei ihmHülfe zu suchen, kamen die Regalien, wie die Münze, dasWeingelb, die Gerichte, das Zoll und Geleit als Verpfändungin seine Hände, ja es ging endlich so weit, daß er sich seinesFürsten Herrschaft entzog und ihm die Huldigung versagte.Die Macht des Fürst-Bischofs war durch den im Jahre 1523zu Quedlinburg gehaltenen Vergleich und durch die Einführungder Reformation (1542) fast gänzlich gebrochen, kaiserliche Er-lasse suchten zwar dieselbe unter Androhungen mit Acht undOber-Acht, wo möglich, wieder zu heben; allein der Rath warfsich mit der Stadt in den Schutz der braunschweig'schen Herzögeund behauptete zuletzt durch die ihr verschiedentlich gewordenenPrivilegien den Rang einer Reichsstadt.

Der älteste bebaucte Bezirk des jetzigen Stadtweichbildesist derjenige, auf welchem die Domkirche mit ihren Curien,Vicaricn-Wohnungcn und sonstigen Häusern und Buden liegt;er wurde mit dem NamenFreiheit Immunität" bezeichnetund über selbige übte nur das Domcapitel die Jurisdictionaus. Durch ei» Dictat Napoleons wurden die Immunität-