Unter den Brücken, welche über die Leine führen, zeich-net sich in Rücksicht des Baues die beim Cleverthore aus,welche von Steinen aufgemauert ist und von einem 80 Fußweiten Bogen getragen wird.
Die Umgebungen von Hannover verdienen schön genanntzu werden. Wir erwähnen vor Allem die Punkte, welche amhäufigsten zu Spazicrgängen und Besuchen benutzt werden.
Der zum Theil abgetragene und mit Bäumen besetzteStadtwall bietet an verschiedenen Punkten, wenn auch keineweite, doch angenehme Aussichten dar. Zu den vorzüglicherengehört die, welche der Standpunkt an dem königlichen Lusthauseauf dem Rcitwalle nach dem Cleverthor, der Leine und der obengenannten Brücke gewährt. Dieser Pavillon von seinem Er-bauer, dem General von Wephe, „Weyhen-Löbc" (Laube)genannt, ist auch dadurch merkwürdig geworden, daß in dem-selben am 10. März 1770 dem Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz, welcher damals darin wohnte, die Königin Louise vonPreußen, und Ihre jetzt regierende Königliche Majestät, Friede-rike, geboren wurden.
Die Eilenriede ist ein herrlicher Lustwald, ganz nahebei der Stadt, welcher außer den schönsten Spaziergängen auchmehrere sehr beliebte Ruhepunkte darbietet, namentlich: das NeueHaus, ein besonders zur Sommerszeit vielbesuchtes Wirthshaus,am Eingange des Parks, den Listerthurm und Stürendcif, zweigastliche Förstcrwohnungcn, den Pferdethurm, die Bischoföhol, denDöhrener Thurm (die fünf zuletzt genannten Punkte waren ehe-dem zu der Landwehr der Stadt gehörige Warten) u. s. w.
Nahe bei dem gleichfalls im Bereiche der Eilenriede lie-genden Kirchroder-Thurm (ehedem auch eine Warte, die „RoderLandwehre" genannt) befindet sich in dem Dorfe Kirchrode der1679 aus landesherrliche Kosten angelegte Kirchröder Thier-garten mit einem freundlichen Forsthause, von dessen Portaleman die Aussicht in den Garten zu genießen Pflegt.
Einen angenehmen Spazierganz bietet auch der Pfad dar,welcher an der Leine stromaufwärts unter den am Ufer stehendenschattenreichen Bäumen nach dem Schnellen Graben, einemkünstlichen Wasserfalle, führt. Die Leine stürzt hier, wenn siesehr angeschwollen ist, mit starkem Gebraust aus dem hohenFlußbette in das weit tiefere Bette der Jhme. Das aus Sand-stein aufgeführte 1651 von Joh. Duve vollendete Werk bestehtaus drei Verschlügen, über welche starke Pfeiler errichtet sind;in die Pflaster sind Bohlen in vertikaler Richtung eingerammt,um das zu heftige Andringen des Wassers abzuhalten.
Vielbesucht ist ferner der Schwefelbrunnen bei demDorfe Limmer, dessen Quelle 1779 von dem Botaniker Ehr-hardt entdeckt wurde. Außer dem Badehause befindet sich dortein Logier- und Speisthaus, sowie ein zweites Wirthöhaus.Auch ist ein für gesellige Vereine bestimmter Pavillon vorhanden.Die Anlagen bei dem Brunnen haben sich in neuerer Zeit sehrverbessert, und auch der Weg von der Stadt hat durch die An-pflanzung einer Obstbaumallee gewonnen.
Freunde einer schönen freien Aussicht fühlen sich besondersdurch den Lindner-Berg angezogen. Ehedem befand sich zumSchutze der Landwehr eine Warte daselbst, welche bald nachBeendigung des dreißigjährigen Krieges (1651) von HerzogGeorg Wilhelm in eine Windmühle verwandelt wurde. Wäh-rend des siebenjährigen Krieges ward hier abermals eine Schanze,mit Aufwürfen, Gräben und Gruben, hergerichtet, an welchejetzt aber nichts mehr als die Inschrift „Georgcn-Schanze" überder Thüre gegen Norden erinnert. Um die herrliche Aussichtdieses Punktes in ihrem weitesten Umfange genießen zu können,wurde neuerdings auf dem Berge nebe» der Mühle ein großessteinernes Gebäude ausgeführt. Auf jeder der vier Seiten des-selben bietet sich ein verschiedener Prospekt dar; hier: die Kö-nigsstadt mit ihren Thürmen, Kirchen, Lapellen, Staatsgebäu-den und alterthümlichen Wohnungen, im Hintergrunde umgränztvon der Eilenriede, im Vordergrunde umlagert von dem DorfeLinden; dort: der Harz mit seinem nebelumwölktem Haupte ingrauer Ferne, der Söderberg, die Stadt Hildesheim mit derglänzenden Domkuppel, die Siebenbrüder, der Külf, der Amser-berg, und vor dieser Fernsicht ein anmuthiges und üppiges Thal,durch welches sich die Leine schlängelt, mit den vielbelebten Heer-straßen nach Göttingen und Hameln; aus dem dritten Fenster:der Benter-Berg und der Deister, welche die Scheidewand zwischen den flachen und bergigen Regionen bilden; aus dem vier-ten Fenster endlich: das Dorf Limmer, das königliche LustschloßHerrenhaustn, der Georgen - Garten, der von Wangenheim'scheGarten und die Gegend vor dem Cleverthor und in weitererEntfernung der Jsernhager Kirchthurm, der Kirchröder Thurm,die Mißburg und die Anhöhe bei Liebenau und bei Nienburg.
Eine der herrlichsten Alleen, wohl in ganz Deutschland, istdie Herrenhäuser Allee, welche nach dem königlichen Lust-schlosse in Herrcnhausen führt. Die in vier Reihen schnurgeradegepflanzten und auf daS schönste gehaltenen Lindenbäumc bildendreifache Laubgänge, wovon der mittlere für Equipagen, derzur rechten Seite für Reiter, der zur linken für Fußgänger be-stimmt ist. Ihre Länge beträgt 6828 Fuß, ihre Breite unge-fähr 209 Fuß. Die Ein- und Ausfuhr wird zur Abendzeitdurch Schlagbäume geschlossen.
Am Ende der Allee liegt links der große königlicheLustgarten und an dessen nördlicher Seite das königlicheSchloß zu Herren Hausen. Letzteres 1665 von JohannFriedrich und 1698 unter Georg Ludwig (Georg I.) nach undnach erweitert, besteht aus einem Hauptgebäude und zwei nachdem Garten hingehenden Flügeln. Wenn es auch sonst keinearchitectonische Schönheit darbietet, so ist es doch durch seineehemaligen Bewohner merkwürdig. Ernst August und die hoch-gebildete Kurfürstin Sophie brachte hier einen Theil des Som-mers zu; Georg I. wählte als Kurfürst Herrcnhausen ebenfallszum Sommeraufenthalte, und als König bewohnte er es, wiesein Nachfolger Georg II,, so oft sie aus England ihr deutsches