Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Erläuterung der älteren vaterländischen Geschichte enthält dasArchiv des Nachhauses, welches unter der besonderen Auf-sicht des Magistrats, insbesondere des Stadtdircctors, steht.Sehr wichtig sind hier namentlich die alten von 1358 ange-henden Ncchtsbüchcr, die alten Stadtprotokollbücher, die für dieGeschichte der Verfassung und des Rechts schätzbare Beiträgeenthalten. Ebenso können die bis ins 14. Jahrhundert reichendenstädtischen Rechnungen, pragmatisch bearbeitet, viel Licht überVerfassung und Geschichte verbreiten. Sehr merkwürdig sindauch 12 aus Holz geschnitzte und mit grünem Wachs überzo-gene Tafeln (wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert), welcheeine jede in vier Theile gesondert sind und etwa 60 bis 70Reihen mit einem Griffel eingezeichnete Namen von Männern,Frauen, Kindern, Kirchen, Altären, Boden und Speichern enthalten.Man hat den Ursprung und Zweck dieser interessanten Urkundenoch nicht erforschen können. Auch die Bibliothek des Nath-hauscs ist sehenswerth. Sie besteht aus Stiftungen des Cano-nicus Volkmar von Änderten (1479) und des Hofraths vonReiche (1777), und ist durch die Büchersammlungen des Mino-ritcuklosters (1533), des berühmten Corvin (1553), des Pre-digers Scarabäus (1558), wie auch durch andere Ankäufe und Ge-schenke vermehrt worden. Es finden sich auch mehrere Manuskriptedarin; namentlich die Grupcn'schc bistoria ecclesiastiea Imnno-veraim ante rekormalionem, aus drei Theilen bestehend. Auchist auf dem Rathhause eine der Marktkirchc gehörige Bibliothekvorhanden, welche im 15. Jahrhundert von dem Pfarrer Kon-rad von Sarstedt für dieselbe gestiftet wurde.

Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich auch die beidenMarställe mit dem daran stoßenden Rcithause, wenn auchnicht durch schöne Formen, doch wegen ihrer Größe aus. Diebeiden Marställe hängen nicht an einander, vielmehr werden siedurch eine kleine Quergasse getrennt. Der neben dem Zeug-haus stehende Marstall,der alte" genannt, wurde etwa 1682unter dem Herzog Ernst August erbaut; der zweite neuere Mar-stall cutstand erst 1712; zwei Jahre nachher wurde das anletzteren stoßende Neithaus aufgeführt, hinter welchem die offeneReitbahn liegt. In den Marställe» sind die weißgeborenenPferde, die Jsabellen und die Maulthiere besonders sehenöwcrth;erstere sind arabischer Abkunft und finden sich fast ausschließlichim Besitz des hannover'schen Hofes.

Neben dem älteren Marstalle an der Leine liegt das könig-liche Zeughaus, ehedem ein Beguinenhaus,das Süstern-klostcr" genannt, welches zwischen den Jahren 1643 und 1649von den Herzogen Johann Friedrich und Georg Wilhelm zuseiner jetzigen Bestimmung eingerichtet wurde. Noch steht ander Seite deS Zeughauses, als ehrwürdiges Denkmal der Vor-zeit, der alte graue Thurm, welcher um das Jahr 1357 gebaut

ist und zu den Befestigungen der Stadt gegen die Burg Lauen-rode, im 15. Jahrhunderte auch zum Gefängnisse diente.Wegen der Nähe des Beguincnhauscs führte auch er den NamenBeguinenthurm."

Ansehnliche öffentliche Gebäude sind auch: der Fürsten-hof, ehemalige Burg Lauenrode (woselbst der Kronprinz resi-dirt); ferner das Ernst'sche Palais an der Adolphstraße;das Hotel des Staats- und Cabinets-Ministeriums,welches, gegen das Ende des 17. Jahrhunderts erbaut, zurZeit der wcstphälischcn Negierung seine gegenwärtige äußere Ge-stalt erhielt; die Gebäude des Krieg s - Ministeriums;das Justiz-Canzlcigebäude; ferner die Jäger- und dieGrenadier-Ca ferne, seit 1828 in einem schönen Style er-baut, jede mit einer Fronte von 180 Fuß Länge und zwei denHof einfassenden Flügeln von 111 Fuß Länge, (in der Mittebeider Gebäude steht die Waterloosäule); die Cascrne des Leib-regimcnts; das Gebäude der polytechnischen Schule; das Kran-kenhaus in dem Dorfe Linden, 1832 von Andreä aufgeführt,aus einem Mittelbau und zwei Flügeln bestehend und mit einerdurch eine Dampfmaschine getriebenen Wasserleitung.

Unter den sonstigen Gebäuden verdienen folgende einer be-sonderen Erwähnung: das 1826 erbaute, große und schöneSchützenhaus, unsern der reizenden VillaBella vista" ander Leine; das Gashaus, seit 1824; das russische Dampf-bad, seit 1829, (dieß Haus hat eine Länge von 100 Fuß,nebst zwei 12 Fuß vorspringenden Flügeln von 19 Fuß Tiefeund einem Hinterbau, welcher zwei aus Blockwänden construirteDampfbäder und einen zur Erfrischung für die Gäste bestimmtenSalon enthält; außerdem sind in jedem der beiden Flügel vierandere Gemächer mit steinernen Bädern vorhanden); das neueauf das zweckmäßigste eingerichtete Brauhaus, welches an derStelle des^älteren 1829 niedergerissenenSocictätS-Brauhauses"aufgeführt und 1831 vollendet wurde; die Börse, das ehema-lige gräflich Hardenberg'sche Haus, welches 1814 zu seinemjetzigen Behufe angekauft wurde, mit zwei auf Handel und Ge-werbe bezüglichen Gemälden des genialen Ramberg; das vonWangenheim'sche Haus an der Friedrichsstraße, welches ander Stelle des englischen Clubs in einem großartigen Styleausgeführt und 1833 vollendet wurde; der an der Judenstraßegelegene Ballhof, ein Kaffee- und Spcisehaus, mit demgrößten Saale in Hannover, der im letzten Viertel des 13tenJahrhundert erbaut wurde und den öffentlichen Vergnügungen,Bällen, Concerten, Maskeraden:c. gewidmet ist (im Jahr 1649ließ Herzog Georg Wilhelm den Platz wo jetzt der Ballhof sichbefindet und welcher früher den zu dem Hochaltare der St. Galli-Capelle kauf der Burg Lauenrode) gehörigen St. Gallenhofgebildet hatte, zum Ballspiel einrichten; daher jener Name ic.)