Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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Vaterland besuchten. Auch Georg IV. residirte dort 1821, undKönig Ernst August hat hier mehrfach Hof gehalten.

Rechts neben dem Schlosse steht das große 1692 erbauteOrangeriehaus, das über 200 Fuß lang ist und sonst imSommer zu großen Hoffcsten gebraucht wurde. Die Dccken-stücke, welche Gegenstände aus der Geschichte von Troja dar-stellen, sind von einem Italiener Temaso »l kresco gemalt. Anden Wänden des Saals sind 23 antike Bronzestatuen aufgestellt,unter denen vorzüglich die des Nero ausgezeichnet zu werdenverdient.

Der große, Jedermann zugängliche Garten hinter demSchlosse bildet ein längliches Viereck von 2800 Fuß Länge und1900 Fuß Breite, das vorn durch das Schloß und den Oran-gcriesaal, auf den drei anderen Seiten aber durch einen Wasser-kanal und zum Theil durch eine Mauer eingeschlossen wird.Er ist ganz im altfranzösischen Geschmacke angelegt und allent-halben mit Statuen von Sandstein, Nachahmungen von An-tiken, Grotten, Cascadcn und Fontainen verziert; auch befindetsich ein freies Gartenthcater in demselben. Seine größteMerkwürdigkeit aber ist die berühmte, in den Jahren 171820von dem EngländerCleeves aufgeführte Wasserkunst, welche,außer dem Garten, aus einem von der Leine aus gezogenenCanale das Flußwasser schöpft und durch zwei kleinere Haupt-röhren in paralleler Richtung nach dem Schloßgarten und zwarauf das dem Mittelpunkt des Schlosses gegenüber liegendegroße Wasserbecken leitet. Hier kommt sodann das Wasser ineiner Hauptröhre von 16 Zoll im Durchmesser zusammen. Aufdiese ist die Sprungröhre von 10^ Zoll im Durchmesserbefestigt, aus welcher die aus mehreren Strahlen vereinigteWassersäule, beim Anlassen aller fünf Räder 125 Fuß, bei dreiRädern 85 Fuß in die Höhe schießt. Außer dieser großenWasserkunst sind noch einige kleinere im Garten, denen dasWasser aus zwei durch eine besondere Röhrenleitung mit jenerin Verbindung stehenden Behältern zugeführt wird.

Zur Seite des Schlosses, in einiger Entfernung von derAllee, liegt der Berggarten, eine in Europa berühmte bota-nische Anlage. Den Eingang in denselben bildet ein Pavillonmit einer vergoldeten Kuppel, welcher nebst den daran stoßendenGartenmeisterswohnungen, in den Jahren 1817 und 1818 er-baut, einen angenehmen Ansichtspunkt der Allee bildet.

Neben dem Berggartcn liegt, aber abgesondert davon, derPlantage-Garten, von etwa 20 Morgen Landes, welcherzur Anzucht von Obst- und nutzbaren ausländischen Bäumenund Stauden benutzt wird.

Ein zweites königliches Lustschloß,Montbrillant" ge-nannt, nebst Garten liegt rechts neben der Herrenhäuser Allee.Das Schloß, etwa 260 Fuß lang, ist 1721 von Holz erbaut

und gehörte ursprünglich der Reichsgräfin Sophie von Platen-Hallermund; später ward es von der Landesherrschaft erkauftund bildet jetzt den Sommeraufenthalt des Königs. Der aufdas geschmackvollste eingerichtete Garten, welcher 1107 Fuß langund 810 Fuß breit ist, ist in seinen größeren Parthien demBesuche des Publikums geöffnet.

Nahe bei Herrenhausen an der großen Allee liegt auch derGeorg en-Garten, der in der Mitte des vorigen Jahrhun-derts von dem Feldmarschall Neichsgraf von Wallmoden - Gim-born in einem großen, einfach edlen Style angelegt wurde. Dasvon Steinen aufgeführte Palais, welches zur Sommerresidenzdes Kronprinzen dient, enthält in seinen Sälen eine sehens-werthe Sammlung von Gemälden und Statuen. Unter denAntiken zeichnen sich aus: die Statuen von Perscus und An-dromeda; eine Nymphe; ein junger Bacchus; ein sitzender Sa-tyr; ein auf der Flöte blasender Faun; die Büsten des Juno,des Apoll, Julius Cäsar, Septimius Severus. Von dem me-diceischen Apoll und der mediccischen Venus, sowie von anderenAlterthümern, sind gute Copien vorhanden. Die Bildergalleriehat, außer vielen ausgezeichneten Portraits von Mitgliedernder königlichen Familie, besonders das große von den Gebrü-dern Riepcnhausen in Rom verfertigte Gemälde aufzuweisen,welches die Vertheidigung des Kaisers Friedrich I. und desPapstes Hadrian IV. gegen den Angriff der rebellischen Römerdurch Heinrich den Löwen darstellt.

Der königliche Garten in Linden, der zum Gemüse-und Obstbau benutzt wird, enthält einen Pavillon, von welchemman die Aussicht auf die nach Limmer führende Chaussee, aufdas Gaswerk, die Stadt, die Herrenhäuser Allee und Herren-hausen genießt.

Noch andere zur Zierde der Stadt und Umgegend gereichendeGärten sind, außer dem Gräflich von Alten'schen Garten,der bereits aus älterer Zeit stammt, der von Wangenheim'-sche Garten und Bella vista. Für erstgenannte schöne An-lage hat die Natur durch Niederungen, Anhöhen, kleine Ge-wässer, vor Allem aber durch eine reizende Fernsicht nach denDeistergebirgen, ungemein Vieles gethan; noch mehr aber dieKunst durch Anlegung von Terrassen und Anhöhen, von Pavil-lons und Kiosks, von denen man, inmitten der herrlichstenBaumgruppen und von dem Schmelz köstlicher Blumen umgeben,die herrlichste Aussicht genießt. Bella vista, ein überaus freund-licher und anmuthiger Garten, entstand, wie auf den Zauber-spruch einer Fee, vor einigen Jahren aus Heide, Moor undwildem Gestrüpp an den Krümmungen der nach der Königsstadthineilenden Leine. Auch die Wvhngebäude in diesem Park sindmit eben so vielem Geschmack als Eleganz erbaut. Die Schö-pferin dieser Anlagen ist die Frau Ministerin von Schulte.