Großbritanniens. Eine Sammlung von gedruckten und geschrie-benen Zeitungen ist gleichfalls sehr wichtig.
Was die königliche Bibliothek betrifft, so enthält sievorzüglich Werke, welche die Geschichte und das Staatsrechtangehen; doch sind auch andere Fächer nicht unbesetzt. Gründerdieser Büchersammlung ist Herzog Friedrich, welcher sie Anfangsim Herrenhause, später in dreien Zimmern des Schlosses zuHannover aufstellen ließ. Der erste Bibliothekar war TobiasFleischer, welcher zuletzt als königlicher Rath nach Kopenhagenging. Ihm folgte Leibnitz, der in des genannten HerzogsDiensten als Hofrath eintrat und 1676, von Paris nach Eng-land zurückkehrend, seinen Posten in Hannover übernahm. ZweiJahre darauf ward die Bibliothek durch die Sammlung desMartin Fogelius vergrößert. Kurfürst Ernst August ließ sienun zuerst in ein anderes Gemach des Schlosses, hinten beidem Kloster, und später in ein dem Schlosse gegenüber gelege-nes Haus transportiren. Im I. 1696 ward sie abermals durchden literarischen Nachlaß des Hofraths von Westenholz vermehrt.Um indeß die Bibliothek für Leibnitzen bequemer zu placiren,ward 1699 auf der Schmiedestraße ein geräumiger Saal fürdie Büchersammlung nebst Wohnzimmer für den Bibliothekargemiethet, der sich nun der Bücher wie seiner eigenen bedienenkonnte. Drei Jahre nach Leibnitzens Tod (1719) kam sie end-lich in das Archivgcbäude, und erhielt nun durch seine Privat-bibliothek einen wichtigen Zuwachs. Die geringe Summe aber,die, besonders seitdem die Göttingensche Bibliothek zum Haupt-augenmerk genommen wurde, zur Fortsetzung dieser Bücher-sammlung angewandt werden konnte, vorzüglich aber der Geld-mangel während der feindlichen Besetzung des Landes, haben esveranlaßt, daß manche Lücken in vielen und fast allen Fächernnicht ausgefüllt sind. Alles, was das Hannöverische insbesondereangeht, ist ziemlich vollständig gesammelt und in dem einenZimmer neben dem großen Saale aufgewahrt. In dem an-deren Zimmer daneben befinden sich die Handschriften, die demBibliothekar besonders anvertraut sind. Unter diesen sind sehrviele, welche die Geschichte und das Staatsrecht des hannö-verischen Landes betreffen. Unter die Merkwürdigkeiten derBibliothek gehören: eine sehr seltene und alte Ausgabe desOlcero <Ze olliciis, auf Pergament gedruckt, bei Joh. Fust inMainz 1465; eine plattdeutsche Bibel, 1494; ein griechischesNeues Testament, in ^eaäemia Oomplutensi 1514 gedruckt;eine Luther'sche Uebersetzung des Neuen Testaments, 1522 zuWittenberg gedruckt; Gottfried Arnold's Ketzerhistorien, 1766;ein Lreviarium von Kaiser Karl V. an Heinrich VIII. vonEngland geschenkt; ein chinesisches Werk; einige arabische Oo-ckiees zc.; serner die Copien von den in der Wolfenbüttel-schen Bibliothek im Original vorhandenen gemalten Lebensbe-
schreibungen der beiden Augsburger Bürger, Mathias und VeitConrad Schwarz, Vaters und Sohns, in welchen diese — beideBuchhalter im Fugger'schen Comptoire im 16- Jahrhundert —die merkwürdigsten Fälle aus ihrem Leben dem Costüme derZeit gemäß bildlich darstellen ließen; Leibnitzens Manuskripte,sein Ercerptenschrank und der Lehnstuhl, worin der berühmteWeltweise am 14. November 1716 vom Schlage gerührt ward;auch das Buch, das Leibnitz im Augenblick des Todes in derHand hielt und zwei Portraits des großen Mannes (das eineetwa aus seinem 46sten, das andere ungefähr aus seinem 66stenLebensjahre) :c. In dem Bibliothekgebäude wird außerdem einesehenswertste Sammlung von Braunschweig-Lüneburgischen Mün-zen aufbewahrt, welche von dem Abt zu Loccum, Gerhard Mo-lam, angelegt und von Georg II. 1744 für die Bibliothek an-gekauft wurde. Das seltenste Stück darunter ist die Münzedes Grafen Otto von Hoya.
Das an dem Marktplatze und an der Markt- und Köbel-ingerstraße liegende Rath Haus ist zu verschiedenen Zeiten ge-baut. Der älteste Theil desselben, von 1439, ist die an derMarktstraße liegende Gicbelseite. In technischer Hinsicht merk-würdig, findet sie sich in Mollers „Denkmälern deutscher Bau-kunst" abgebildet. Ueber dem (früher eine große gewölbte, jetzteine unweit kleinere Thüre bildenden) Eingänge, welcher zumjetzigen Locale des Stadtgerichts führt, ist als Fronton einmerkwürdiges altes Basrelief zu sehen, welches wahrscheinlichdie uralte Strafe des Luderziehens darstellen soll. Der, nachdem Markte liegende, die Länge des Hauses einnehmende Theilist 1455 erbaut. An demselben stand bis vor etwa 36 Jahrenals Ausbau ein viereckiger Thurm. Noch jetzt ist die Stelle,wo er sich befand, an dem um das Haus laufenden Fries zusehen, indem hier die Wappen fehlen. Im Jahre 1568 endlichwurde der an der Köbelingerstraße liegende Theil erbaut, undzwar auf der Stelle, wo früher der Gerberhof und die Stadt-wage sich befanden. Dieser Theil enthält die Laube, eine offenesteinerne Halle, welche nachdem sie schon längst ausgehört hatte,zur öffentlichen GerichtSstätte zu dienen, noch vor wenigen Jahrenan Markttagen von Handeltreibenden benutzt ward, jetzt aber einein die Tiefe führende Treppe in sich aufgenommen und zu einemPortale des Rathswcinkcllers sich umgestaltet hat. An dieserSeite des Rathhauses befinden sich auch einige der bisherigenCriminalgefängnisse, welche aber jetzt in das neu erbaute, imHofe des Rathhauses stehende Gebäude verlegt sind. Bei derLaube liegt die große Treppe, welche auf den Saal führt, derin alten Zeiten zu Hochzeiten diente, gegenwärtig aber währendder Jahrmärkte zu Ausstellungen von Kaufmannswaaren benutztwird. Neben demselben war früher eine, 1476 zu Ehren desheil. Jacobs gestiftete Capelle. Höchst interessante Urkunden zur