Das Opernhaus ist in Hinsicht seiner Bauart unter dievorzüglicheren Schauspielhäuser in Deutschland zu rechnen. Eswurde unter der Regierung von Kurfürst Ernst August erbautund 1690 darin die erste Oper gegeben. Der für die Zuschauerbestimmte Theil des Gebäudes stellt einen Halbzirkel mit 5 übereinander liegenden Logenreihen dar, welcher das Parterre, dasParquet und das unmittelbar an das Proscenium grenzendeOrchester umschließt. Die königliche Hauptloge befindet sich inder Mitte der zweiten Logenreihe; außerdem werden von derköniglichen Familie drei Logen benutzt, welche theils in der zwei-ten, theils in der ersten Logenreihe liegen. Kennern der Male-rei wird der große Vorhang, ein Meisterbild des königlichenHofmalers Joh. Heinr. Namberg einen hohen Genuß gewähren.Er ist 42 Fuß breit und 33 Fuß hoch. „Apollo führt" — solauten des genialen Meisters eigne Worte der Erklärung —einem sich aus der Nacht der Barbarei erhebenden Lande aufdem Sonnenwagcn die tragische und die komische Muse zu. Diedas Haupt des Gottes umgebende Sonne zertheilt durch ihreStrahlen die verfinsterten Wolkon. Auf dem weißen Rosse(das Wappen Hannovers) ruht der volle Glanz der Sonne.Ein alter Deutscher erblickt das Licht der Aufklärung, und indemer seinen Sohn aus der sumpfigen Höhle emporzieht, reißt ersich selbst die Ebershaut vom Kopfe. Neben dem alten Deut-schen am Obelisk ist das Medaillon Königs Georg III., amPostamente der bekannte Spruch des Ovid (Lp. ex konto II.,ep. 9. v. 47 sg.)
Micisse Läeliter artes
Lmollit inores, nee 8init esse leres.
In der Ferne wird ein antikes Theater erbaut. Das vondemselben Künstler später gemalte Proscenium stellt Kunst undNatur als die vereinten Hüter der Bühne dar. Auf der einenSeite steht der Genius der Natur und der Wahrheit mit derStatue der Isis und hält den Schauspielern den Spiegel derWahrheit zum beliebigen Gebrauch entgegen; auf der anderenSeite ist eine Sylphide mit den Attributen der Künste beladen.Die Deckengemälde vollendete Ramberg erst im Jahre 1821.In den vier Füllungen sind vier Musen mit kleinen Genien grup-pirt zu sehen. — Ueber dem Theater steht ein weiblicher Ge-nius, die Lenitas darstellend; sie erinnert das Publikum ancivilifirende Nachsicht." Der leider! nicht ausgeführte Plan desgeistreichen Mannes war, die Strahlen der Sonne auf demVorhange über der Mitte des Prosceniums auf dem Plafond,wo jetzt die Musen sich befinden, fortlaufen und in Wolken sichverlieren zu lassen, wo dann Gruppen schwebender Figurenangebracht werden sollten.
Dem Schloß gegenüber liegt das Palais Sr. Majestätdes Königs. Der mittlere Theil desselben wurde bereits 1752
in einem großen Style erbaut. Die beiden Flügel entstandenerst später, der eine aus dem ehemaligen von Sodeschen Hause,der andere aus einem anderen Privathause. Im Jahr 1819wurde das Gebäude vergrößert und zugleich im Acußeren undInneren neu und geschmackvoll verziert, und 1837 und 1838 istes abermals umgebaut und geschmückt worden.
Das landschaftliche Haus, mit der bedeutungs-schweren Inschrift: kosteritati, eines der vorzüglichsten Ge-bäude in Hannover, wurde von 1709 bis 1711 ursprünglichfür den Kurprinzen Georg Ludwig erbaut, dessen Namenschiffreauch noch jetzt über der Hauptthüre zu sehen ist. Als daraufdie landesherrliche Familie ihren dauernden Wohnsitz in Eng-land aufschlug, acquirirten es die kalenbergischen Landständeund richteten es zu ihren Versammlungen und zu den Woh-nungen der Landräthe und Deputirtcn ein. Im Jahr 1808brannte das Gebäude aus. Während der westphälischen Zwi-schenregierung ward die Gensd'armerie in die Nebengebäudeverlegt; später kam der Packhof hierher, und erst nach der Ver-treibung der Franzosen ward das Haus wieder ausgebaut undnunmehr zu den Versammlungen der allgemeinen und der Ka-lenberg - Grubenhagen'schen Stände, sowie des Schatzcollegiumsdes Königreichs bestimmt. In der letzten Zeit wurde ein neuerThronsaal, zur Eröffnung der Reichstage, neben dem Haupt-gebäude aufgeführt.
Das königliche Archivgebäude an der Esplanadewurde in den Jahren 1713 bis 1725 aufgeführt. Es lehntesich damals mit seinem Rücken an den dort befindlichen Wall.Als daher dieser 1767 abgetragen ward, wandelte man dieRückseite zur Vorderseite um und verlegte auch die drei Ein-gangsthüren dahin. Das Erdgeschoß und die zweite Etage desGebäudes enthalten die auf die Geschichte des Herrscherhausesbezüglichen Documente; das im Mansarden-Dache befindlicheStockwerk aber enthält die über 100,000 Bände starke könig-liche Bibliothek in einem großen Saale und zwei Zimmern;außerdem auch die dem Herzoge von Cambridge gehörendeBüchersammlung.
Die in dem königlichen Archive aufbewahrten Acten überdie mit anderen Staaten abgeschlossenen Verträge über Friedens-schlüsse, Ncichstagsverhandlungen :c., die Correspondenzen ver-schiedener Fürsten und Diener, die Nachrichten über die Erzie-hung der Prinzen, Landtagsacten und dergl., enthalten vielewichtige Nachrichten. Mehrere Sachen sind 1716 aus dem Ar-chive des ErzbiöthumS Bremen von Stadc nach Hannover ge-bracht worden, und in der kleinen Archiv-Bibliothek finden sichmehrere Chroniken und viele Handschriften, auch von Leibnitz, be-sonders dessen Briefwechsel mit der Kurfürstin Sophia, der Erbin