denen von dem Körper des Heiligen nur dieser Daumen fehlensoll, dem König Georg I, 100,000 Ducatcn bieten ließen.Von den übrigen Kostbarkeiten dieser Sammlung ist ein Perga-mentcoder in Quart, wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert,der die Evangelien für die Sonntage und Heiligenfeste enthält,ferner ein Kreuz von gediegenem Golde mit 25 Edelsteinenund 334 reinen Perlen zc. zu nennen.
Die Aegidienkirche kommt bereits 1241 vor. Das ältereGebäude wurde indeß schon vor 1347 abgebrochen und am TageMaria Verkündigung 1397 das neue zu bauen angefangen, wiedieß eine, an einen Pfeiler der Außenseite der Kirche, nach derOsterstraße hin, befestigte Inschrift bezeugt. Im Jahr 1701 ge-schah dasselbe mit dem alten Thurm der Kirche, an dessen Stelleein neuer trat, der 1717 vollendet wurde. Vielfache Klagenüber beengten Raum veranlaßte endlich, daß, nach Wegräumungder inneren alterthümlichen Verzierungen und der runden stei-nernen Säulen, diese Kirche seit 1825 völlig neu eingerichtet unddabei zugleich freundlich ausgeschmückt wurde. Im Thurm derKirche wird eine Bibliothek verwahrt. An der Außenseite derKirche ist sieben Wächtern des Döhrncrthurms, die bei einervon den Herzögen Heinrich und Erich dem Aeltercn 1480 beab-sichtigten Ueberrumpelung der Stadt durch an den Thurm ange-legtes Feuer verbrannt sind, ein Denkstein gesetzt. Auf diesemsind sieben an einem Hügel knieende Männer in kurzer Kleidungdargestellt, mit der Ueberschrift: Al Rikcn und jhi Armen, tatiu densen Todt erbarmen 1490. Darüber befindet sich dashannövrische Stadtwappen und über diesem die KreuzigungChristi abgebildet. — Wilh. Blumenhagen erwähnt dieses Denk-mals in einer seiner Novellen.
Die Kreuzkirche (ehedem die «neue heil. Gcistkirche"genannt) wurde 1333 eingeweiht. Sie enthielt Anfangs siebenKreuzgewölbe, an welche 1490 noch drei im Norden der Kircheund 1500 vier weitere angebaut wurden. Der Thurm, wel-chen 1030 ein Sturmwind zerstört hatte, wurde von 1652 — 54in seiner jetzigen Gestalt wieder aufgebaut; in derselben befindetsich die der Kirche gehörende Bibliothek. Außer den Bildnissenvon Luther und Melanchthon und mehrerer Prediger sowie außereinigen Epithaphien findet sich noch in dieser Kirche ein vonNamberg gemaltes Altarbild. Auch diese Kirche ist vor einigenJahren im Innern völlig umgewandelt und dem neueren Ge-schmacke gemäß verziert worden.
Die königliche Garniso nskirche ist aus der alten heil.Geistkirche, welche ehedem zu dem neben der Kirche liegendenHospital St. Spiritus gehörte, am Anfange des vorigen Jahr-hunderts für die militärische Besatzung der Stadt eingerichtetund am 10. Dec. 1730 zu diesem Zwecke eingeweiht worden.Unter der westphälischen Regierung war sie eingegangen. Sie
enthält manches Kriegs- und Siegeszeichen, namentlich die Fah-nen der vormaligen englisch-deutschen Legion.
Die St. Johannis-Hof- und Stadtkirche ist die ein-zige lutherische Kirche in der Neustadt. Der Anwachs der Neu-stadt, besonders aber die Religions-Veränderung des HerzogsJohann Friedrich, in Folge welcher den Katholiken die Schloß-kirche eingeräumt worden war, veranlaßte den Bau dieser Kirchein den Jahren 1666 bis 1670. Der Thurm der Kirche, der sichdurch eine gefällige Bauart auszeichnet, ist von 1692 —1702gebaut. Die Verzierungen des Altars und die Gemälde derEmporkirche sind ein Geschenk von Johann Duve, einem um dieStadt verdienten Bürger. Die Ncustädter Kirchengemeinde selbsthat, zum Andenken an das Friedeusfest vom 24. Juli 1814, zweisilberne Altargefäße verehrt. In dieser Kirche befindet sich, indem von den Stühlen gebildeten Gange linker Hand vom Altar,der Grabstein Leibnitzens mit der einfachen Inschrift: „Osssliöjdnitii." Lange wußte man nicht, wo die Gebeine des großenMannes ruhten!
Sämmtliche bisher genannte Kirchen gehören dem evange-lisch-lutherischen Kultus an. Die reformirte und die katholischeGemeinde besitzen eine jede nur eine Kirche; das gottesdienstlicheGebäude der ersteren liegt nahe am Waterlooplatze und bietetim Aeußern und Innern das Bild großer Einfachheit dar; dasder letztern aber ist nach dem Modell der St. Peterskirche inRom, welches noch in der Kirche aufbewahrt wird, kmit Auf-wand in den Jahren 1710 — 1718 erbaut worden. Auch dieisraelitische Gemeinde besitzt ein geschmackvolles, sehenswerthesGotteshaus, welches erst vor einigen Jahren an die Stelle der1704 erbauten, älteren Synagoge getreten ist.
Das Schloß wurde 1636 an der Stelle, welche bis da-hin das 1288 gestiftete Minoritenkloster eingenommen hatte, zubauen angefangen. Von der Klosterkirche, die 20 Gewölbehatte, wurde ein großer Theil noch in das Schloß gezogen.Der älteste Theil des Schlosses, welches nach und nach immermehr erweitert wurde, ist derjenige, der neben der Kirche ander Leinstraße steht; derjenige, in welchem das Opernhaus sichbefindet, ist später gebaut; der nach der Schloßstrasse sich erstre-ckende Flügel ist seit dem am 5. April 1741 stattgefundenenSchloßbrande wieder erbaut und 1746 beendigt. Nachdem diesGebäude seit 1803 von französischen Generälen und Officierenabwechselnd bewohnt und darauf unter der westphälischen Herr-schaft zu einer Caserne für Soldaten eingerichtet und der Stadtgeschenkt worden war, wurde es seit 1817 in einem großarti-gen Style restaurirt. Es ist, obwohl noch nicht im Baue voll-endet, höchst sehenswerth; Geschmack und Pracht wetteisern beiden Anordnungen im Rittersaale, in den Thronsälen und imGemache des Staatsraths.