Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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gegenüber. An die letztere Straße welche der alten Richtungdes Walles folgt, stoßen zwei ziemlich große Plätze (zwei ehe-malige Bastionen), von denen der eine, derGcorgenplatz,"mit Bäumen bepflanzt, der andere mit einer der Altstadt gehö-rigen Windmühle besetzt ist. Der übrige Theil des Walles istmit Bäumen besetzt und bietet an verschiedenen Puncten ange-nehme Aussichten dar. Zu den vorzüglicheren gehört die, wel-che der Standpunkt an dem königlichen Lusthause auf dem Wallezwischen dem Stein- und Cleverthor nach diesem, auf die Leineund Brücke gewährt.

Außer der Friedrichs-, Georgs-, Adolph-, Kalenberger-,Lein- und Ostcr-Straße haben die übrigen Straßen Hannoverskeine besondere Breite; ja die der Altstadt sind größtcntheilseng und krumm.

Einen überraschend schönen Totalanblick der Stadt hatman, außer von den Stadtthürmen und der Waterloosäule, vondem Landhause auf dem Lindnerbcrge und auf dem LustschlosseBellavista.

Von den Gebäuden der Stadt wollen wir zuerst diesehenswerthestcn Kirchen, sodann das Schloß und die übrigenbedeutenderen öffentlichen und sonstigen Gebäude beschreiben.

Unter den Kirchen verdient die St. Jacobi- undGeorgii- oder Marktkirche als die älteste und ehrwürdigstezuerst erwähnt zu werden. Wann dieselbe entstanden sei, läßtsich zwar nicht angeben; doch wird ihrer bereits 1238 erwähnt.Ueber den Bau des Thurmes aber ist eine früher unter derOrgel befestigte, jetzt in der Sacristei befindliche metallene Tafelmit einer Inschrift vorhanden, wornach er 1350 seinen Anfanggenommen hat. Er bildet ein aus gebrannten Steinen erbautesViereck von 300 Fuß Höhe, welches sich in vier dreieckigeSpitzen endigt und dann noch einen zweiten kleineren Thurmträgt. Drei jener Spitzen enthalten eine jede die Figur einescolossalen Cirkels, welcher im Osten das Zeichen des pythagori-schen Fünfecks im Süden und Norden aber ein cabbalistischesSechseck umschließt. Ueber der Cirkelfigur schwebt ein Kreuz,unter derselben aber ist ein Kreuz und die Figur eines V, beidewieder von kleineren Kreisen umgeben, wahrzunehmen. An derWestseite des Thurmes befindet sich eine kleine Eingangsthür,mit einem dreieckigen Giebel, zu dessen Seiten die steinernenStatuen der beiden Heiligen der Kirche stehen; rechts die desheiligen Georg, wie er den Lindwurm tödtet, links die des hei-ligen Jacob im Pilgerkleide. Der Schild des Ritters Georgträgt als Emblem ein Tempelherrnkreuz. Der heil. Jacob zeigtmit seiner linken Hand auf einen Anker hin, der auf der rech-ten Seite seiner Brust ruht. Auch an und in der Kirche selbstbefinden sich mehrere Zeichen, welche auf eine Errichtung der-selben durch den Freimaurerorden schließen lassen. Auf der

Südseite derselben ist nämlich ein Sonnenzeiger angebracht, der,außer der Jahreszahl 1555, die Buchstaben U, k. 8. undzwischen denselben die Figur eines V und über einander liegendein Winkelmaß lind eine Maurerrichtwage enthält. In derKirche aber findet sich nahe beim Hochaltar eine große, sauberaus Holz geschnitzte Schüssel mit dem blutenden Haupte des Jo-hannes, welche jedenfalls ein sehr hohes Alter verräth. Sie istmit lebendigen Farben angestrichen, und zeigt auf dem breitenSchüsselrande in Mönchsschrift die Worte: ösptista ssuctus cko-Imimes, mit goldenen Buchstaben aufgetragen.

Die königl. Schloßt« pelle ist der übriggebliebene Theilder ehemaligen Minoritcn-Klosterkirche, welche um 9 Gewölbegrößer war; die noch stehenden 11 Gewölbe derselben sind jedesungefähr 00 Fuß hoch. In dieser Kirche wurde unter der Re-gierung des Herzogs Christian Ludwig, am 10. Juli 1642, dieerste lutherische Predigt gehalten. Allein 1665, nach dem Regie-rungsantritt des zur katholischen Religion übergetretenen Her-zogs Johann Friederich, wurde die Schloßkirche den Barfüßernwieder eingeräumt, die alsbald noch zwei Meßaltäre in die Kircheund einen in eine Klause unter dem Hauptaltare setzten, sichselbst aber eine Wohnung im Schlosse einrichten ließen. Dochnach dem Tode dieses Herzogs 1679 mußten sie auch schon wie-der die Schloßkirche und das Schloß räumen, worauf am 27.Juni 1680 von neuem der evangelische Gottesdienst eingeführtward. Unter der westphälischen Negierung wurde 1812 derGottesdienst ganz aufgehoben und erst am 5. Dec. 1813 wie-der hergestellt. Die Kirche selbst wurde 1695 verschönert, undist unter der Regierung des Königs Ernst August höchst ge-! schmackvoll decorirt und mit Heizapparaten versehen worden.^ Sie enthält als Altarblatt ein vorzügliches Gemälde von LucasCranach, das die Kreuzigung des Erlösers darstellt. Auch istin derselben eine von dem Hofmaler Ramberg, bei Veranlassungdes Friedensfestes im Jahre 1814, verfertigtes Gemälde, denFriedensengel darstellend, aufgehängt. Unter dem Altar befin-det sich die königliche Gruft, die Herzog Johann Friederich ein-richten ließ. Hier ruhen: Johann Friederich, seine Tochter AnnaSophia, der Kurfürst Ernst August, dessen Gemahlin Sophia,> der König Georg I , dessen Bruder der Bischof Ernst Augustund die Tochter des Königs Wilhelm IV. Zu den Merkwürdigkeiten, die in der Schloßkirche ausbewahrt werden, gehörteine Sammlung von Reliquien und anderen Heiligthümern,insbesondere von solchen, welche Herzog Heinrich der Löwe vonseiner Fahrt ins heilige Land 1172 zurückgebracht und ur-sprünglich der Stiftskirche St. Blasn in Braunschweig anver-traut hatte, von wo sie aber durch den katholischen Herzog Jo-hann Friedrich hierher kamen, namentlich der Daumen desheiligen Markus, für welchen, wie man sagt, die Venetianer,