W a n n o v e r.
-Hannover, Hauptstadt des Königreichs Hannover, mitetwa 30,000 Einwohnern (mit Inbegriff des Militärs), liegtin einer ebenen wohlangebauten Gegend an der Leine, welchedie ganze Stadt in zwei nicht ganz gleiche Theile scheidet. Dergrößere davon, am rechten Ufer der Leine, bildet, mit einigenam linken Ufer befindlichen Bezirken, die Altstadt, der übrigeTheil am linken Ufer, die Neustadt, auch „Kalenbcrger Neu-stadt" genannt. Die Altstadt wird gewöhnlich in die eigentlicheAltstadt und in die Aegidien-Ncustadt abgetheilt, welche letztereschöner und regelmäßiger gebaut ist. Als Vororte betrachtetman das Dorf Linden und die Gartengemeinde, wovon ersteresdurch die mit der Leine sich vereinigende Jhme von Hannovergetrennt wird, und letztere mit den 10 Ortschaften, in die sievor einigen Jahren eingetheilt wurde, die Stadt fast auf allenSeiten umschließt.
Wir wollen in unserer Beschreibung zuerst von den öffent-lichen Plätzen, sodann von den Gebäuden und zuletzt auch vonden Umgebungen der Stadt reden.
Unter den öffentlichen Plätzen zeichnen sich die älte-ren: die Marktplätze (der am Altstädter Nathhause, der in derAegidien-Neustadt, der Holzmarkt und der in der Kahlenberger-Neustadt), der Mühlenplatz vor dem Schlosse am linken Lcin-ufer, der Platz auf dem Berge und ein freier Platz vor demReithause, weder durch ihre Größe, noch durch Schönheit derGebäude aus, und, mit Ausnahme des in der Aegidien-Neustadtbefindlichen Marktplatzes („Heudenmarkt"), fehlt es ihnen selbstan Regelmäßigkeit. Dagegen sind durch die Schleifung derFestungswerke einige andere Plätze entstanden, welche durchihre Lage und Einrichtung wesentlich zur Verschönerung derStadt beitragen. Diese sind: der Waterlooplatz (früher „dieEsplanade" genannt) und in gewissem Sinne auch die Frie-drichs- und die Georgsstraße.
Der Waterlooplatz, welcher sich vor dem Residenzschlosseausbreitet, bildet ein längliches Viereck, das in der Mitte frei,auf der nördlichen, östlichen und südlichen Seite aber mit reihen-weise gepflanzten Bäumen besetzt und am westlichen Ende mit
einem Bosquet geschlossen ist. Die Hauptzierde dieses Platzessind Leibnitzens Ehrentcmpel und die Waterloosäule; an denSeiten stehen drei großartige Caserncn, und bald wird das Ar-senal auch dort erbaut werden.
Leibnitzens Ehrentempel erhebt sich auf einer sanftaussteigenden Anhöhe, und besteht aus einer erhabenen Rotunde,deren Kuppel auf zwölf Mischen Säulen von Sandstein ruht.Das ganze Gebäude hat eine Höhe von 38 Fuß 10 Zoll undenthält, ohne die davor liegenden Stufen zu rechnen, im Durch-messer 31 Fuß 8 Zoll; die Säulen sind, mit Basis und Capi-tälcn, 20 Fuß hoch und 2 Fuß 2'/- Zoll dick. An dem FrieSder Kuppel ist die von Hepne angegebene Inschrift: „OenioliSibnitii" mit stark vergoldeten metallenen Buchstaben angebracht.In der Mitte der Rotunde und von einem eisernen Gitter um-geben, steht, auf einem Postamente von weißem carrarischenMarmor, die aus derselben Masse verfertigte colossale Büstejenes unsterblichen Mannes, welcher in Hannover lebte, wirkteund starb *). Den Riß zu dem Tempel entwarf Hofrath Ram-bcrg, welcher auch den 1790 ausgeführten Bau leitete. DieKosten des Monuments (5000 Rthlr.) wurden durch Samm-lungen aufgebracht; die Unterhaltung desselben aber geschiehtaus königlichen Mitteln.
Die Waterloosäule, welche zum Andenken an die inder Schlacht bei Waterloo gefallenen hannövrischen Krieger inden Jahren 1826 —1832, nach einer Zeichnung des Oberhof-baurathö Laves und unter dessen Aufsicht, errichtet wurde, hat,bei einem Umfange von 12'/- Fuß im Durchmesser, 162 FußHöhe und ist im Inneren mit einer Treppe von 190 Stufenversehen; auf der Spitze der Säule selbst schwebt eine geflügelteVictoria. Die Kosten dieses Monuments wurden durch freiwilligeBeiträge und durch Zuschüsse aus der Landescasse bestritten.
Die Friedrichs- und die Georgsstraße bestehen einejede aus einer Reihe schöner Häuser mit geschmackvollen Anlagen
*) Er wohnte in Hannover in dem alterthümlichen Hause an derKaiserstraße.