send Personen können recht gut im Zuschauer-Saal placirtwerden; bei dreihundert Köpfen mehr ist aber schon das Hausgedrängt voll.
Das zweite Theater, auch Steinstraßen-Thea-ter genannt, weil es in einem Hofe der Steinstraße liegt, istzwar nur klein, so daß es meist die sich zahlreich einfindendcnZuschauer nicht fassen kann, hat jedoch ein recht freundlichesInnere und läßt uns manche Unbequemlichkeiten übersehen,sobald der Vorhang sich gehoben. Es werden hier in der Re-gel nur Lustspiele, Vaudevilles, Operetten und Lokalpossen zurAufführung gebracht, und die Darstellung solcher Stücke istmeisterhaft zu nennen. Man kann jetzt sagen, es gehörtzum guten Ton, den ersten Rang ves zweiten Theaters zubesuchen, denn täglich findet man daselbst die feine Well Ham-burgs versammelt. Nur Schade, daß das Haus zu klein ist!Wie wir jedoch hören, wird diesem Uebelstande sehr bald abgehol-fen werden, indem Herr lülnn-les iVluurieo, der Direktor deszweiten Theaters, mit nächstem Jahre ein größeres prächtigesHaus zu diesem Zwecke zu erbauen beabsichtigt. Von der all-gemein bekannten Thätigkeit und einsichtsvollen Handlungs-weise dieses tüchtigen Direktors läßt sich das Beste erwartenund wünschen wir daher von Herzen, daß dies Projekt rechtbald in's Leben treten möge.
Das Apollo-Theater auf der großen Drehbahn stehtmeistentheils ganz unbenutzt da. Nur dann und wann dientes Athleten, Magikern und derartigen Kunststückmachern zumSchauplatz. — Neben diesem Theater erhebt sich der Apollo-Saal, der wegen des cdeln Stpls seiner Bauart schon alleingesehen zu werden verdient. Dieses Lokal wird häufig zu Con-certen, Bällen und Maskeraden benutzt, wozu es sich aller-dings auch trefflich eignet; doch steht es auch zu Privat-Verei-nen und großen Gesellschaften dem Publikum zu Diensten.
Oe ff entliche Tanzsäle findet man außerdem: in derNeustädter Neustraße bei P. Ahrens, ans der großen Dreh-bahn bei Dor gerloh und auf dem Valentinskamp im blötel<>e Ilome. Diese 3 Tanzlokale sind von ansehnlicher Größeund namentlich die beiden ersten davon äußerst elegant dccorirt;bei P. Ahrens ist sogar der ganze Saal durch Gas erleuchtet.Doch sind gesammtc Säle nur Versammlungsorte hiesigerFreudenmädchen. Das zahlreich sich dort einfindende männlichePublikum ist gemischt — gehört den höhern wie den niedernStänden an — und giebt dem leidenschaftslosen Beobachtereinen starken Beweis von Hamburgs Sittenlofigkeit und Unzucht.
Der angenehmste, reizendste VergnügungSort von Ham-burg ist wohl unstreitig der Elb-Pavillon. Er liegt zwi-schen dem Millernthor und dem Stintfang auf der Elbhöheund bietet eine herrliche Ausficht auf die Vorstadt St. Pauliund die Elbe dar. Eine noch schönere Augenweide verschafftman sich aber, wenn man vom Elbpavillon einige Schritteweiter südwestlich nach dem Stintfang geht. Alles wasnur Kunst und Geschmack bei solchen Naturanlagcn an Voll-kommenheit liefern können, wurde hier ausgeführt. Der
äußerste Punkt dieses sogenannten Stintfangs gewährt diegroßartigste, bezauberndste Aussicht. Dicht vor uns der großemit Seeschiffen jeder Art gefüllte Hafen — ein wahrer Ma-stenwald ! — dann die verschiedenen Arme der Elbe und derenInseln, so wie in weiter Ferne das bergige Ufcrland Hanno-vers. — Ein Seitenblick zeigt uns rechter Hand das naheliegende Altona mit seinem Hafen(s. d. Abbild.); und auf demganzen Wege an der Elbe bis Altona hin sehen wir ein lustigesGetümmel uud reges Treiben des Schiffervolks. Auch das Ge-woge und Gedränge der Menschenmassen dicsscit und jenseitdes Millernthores, namentlich zur Zeit, wo das Glöckchen dieThorsperre verkündet, zeigt von hier aus betrachtet ein komischesBild. fs. d. Abbild.) — Der Elb-Pavillon ist in den Som-mertagen vom Morgen bis in die Nacht dem Publikum ge-öffnet. An mehreren Abenden der Woche findet dort Vaurhallstatt; ein vollständiges Orchester bemüht sich durch mancherleimoderne Musik-Kunststückchen das Trommelfell der Zuhörer zukitzeln und abwechselnd wieder durch Strauß'sche und Lanner'-sche Walzer die Füße der Damen in Bewegung zu setzen.Außer diesen musikalischen Abendunterhaltungen, denen manfür wenige Schillinge beiwohnen kann, werden auch öfters ge-schlossene und öffentliche Bälle im Elb-Pavillon veranstaltet.Die Bewirthnng, trotz den vielen Gasten, prompt und gut,was bei andern ebenso zahlreich besuchten Lolalen hier seltender Fall ist.
Vom Elb-Pavillon aus haben wir schon die nahe Vor-stadt St. Pauli erblickt, — wem daher daran liegt, dieselbemit ihrem allbekannten „Hamburger Berg" näher zu be-trachten, der folge mir gleich die Elbhöhe hinab und durchdas Millernthor hinaus. Hier fängt schon das Gebiet vonSt. Pauli an und mit ihm auch ein ganz neues, originellesLeben und Treiben. Einige Schritte vor dem Thore befindetsich zunächst der Trichter, ein kleines, trichterförmig ausHolz gebautes Häuschen mit einem hübschen Garten, wo Er-frischungen aller Art zu haben sind, und der besonders Abendsstark besucht zu werden pflegt. Von hier aus übersieht manden vielfach belebten Hamburger Berg; Matrosen, Schiffs-bauer, Handwerker, Trödeljuden und die niedrigste Sortefeiler Nymphen — alles Bewohner dieser Vorstadt — tum-meln sich hier des Nachmittags und Abends, besonders anSonn- und Feiertagen wild herum. Auf der einen Seite desHamburger Bergs — linker Hand, wenn man nach Altonageht — stand vor einem Jahre noch kein einziges Haus. Ineiner Reihe hölzerner Buden zeigten da Menschen und Thiereihre Kunstleistnngen. Jetzt sind nun zwar an der Stelle dieserBoutiken Häuser errichtet, doch dienen dieselben ebenfalls nurden Kunstreitern, Seiltänzern, Taschenspielern, Komödianten,wilden Thieren und allerhand Gauklern zum Obdach wie zumSchauplatz. Vor jedem der Häuser erblickt man unter großenAffichen und Aushängeschildern einige von den kunstübendenMitgliedern der Gesellschaft oder Bande in den fantastischstenAnzügen, das Antlitz weiß und ziegclroth geschminkt. Alle