Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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schönstes Gotteshaus. Ihre Länge beträgt 245 Fuß und ihreBreite 18V Fuß; der ganze Thurm ist 456 Fuß hoch. DasGebäude steht ganz frei und macht sowohl durch sein einfachgroßartiges Aeußcre, als durch den keineswegs überladenen,höchst spmetrischen, hellen innern Raum einen imposantenEindruck und hat in jeder Hinsicht das Gepräge eines ächtprotestantischen Gotteshauses. Außer diesen fünf Hauptkir-chen besitzen wir noch mehrere Nebenkirchen und jede Vorstadthat außerdem ihr eigenes Gotteshaus. Wenn die Hamburgerdaher sonst nur für das Kirchenbesuchen gestimmt wären, sofehlte es ihnen keineswegs an vielfacher Gelegenheit, demGottesdienste beizuwohnen; leider ist aber keine unsrer Kirchenso recht mit andächtigen Leuten gefüllt; man trifft in dieserBeziehung nur Ertreme im Hamburger National-Charakter.Der größte Theil der Hamburger dient dem Mammon undweihet sich nicht oft dem wahren Gottesdienste zweien Her-ren kann man ja nimmer in Wahrheit dienen. Ein andrerfreilich nur sehr schwacher Theil der hiesigen Einwohnerhuldigt dem Pietismus und besucht nur dann die Kirche, wenneiner der Prediger, die sich zu derselben Secte bekennen, denGottesdienst hält.

So nachlässig der Hamburger die Kirchen besucht, so re-gelmäßig und pünktlich verfügt er sich täglich nach der Börse.Die alte Börse, dem Rathhause gegenüber, konnte nichtmehr die Menge der Handelsleute und Spekulanten fassen;der größte Theil dieses Publikums mußte zur Börsenzeit aufder Straße stehen und dort seine Geschäfte abmachen, es wardaher äußerst nothwendig, ein neues Haus zu diesem Zweckzu gründen. Man bauete dann unglaublich schnell die neueBörse auf dem Adolphsplatze. Dieses Prachtgcbäude, seiteinem Jahre eingeweiht, ist mit vollem Recht der Stolz derBörsenherren und erwirbt sich verdientermaßen die Bewunde-rung aller Fremden. Die Länge der neuen Börse beträgt249 und ihre Breite 178 Fuß. Die Hauptfaeade ist demAdolphsplatze zugekehrt (s. d. Abbild.). Mehrere Eingängeführen zu dem für das Börsenpublikum bestimmten Versamm-lungSsaal. Dieser Saal ist sehr geräumig, hell und freund-lich ähnlich dem der Pariser Börse; das Licht empfängter durch große aufrecht stehende Fenster von oben. An allenvier Seiten schließen sich 25 Fuß hohe Bogengänge an, unterdenen sich die Plätze und einige Comtoire der verschiedenenMakler befinden. Ein gegen den Saal offener breiter Corri-dor umgiebt denselben in der zweiten Etage auf allen vierSeiten (s. d. Abbild.), und neben ihm befinden sich mehrereSäle und Zimmer zu dem Gebrauch der Commerz-Deputation,zu Versammlungen der Kaufmannschaft, zu Auctionen vonActien und zur Lektüre und Conversation der Abonnenten be-stimmt. Auch findet man dort oben stets alle Arten Erfri-schungen und sonstige Nestaurationsartikel vor.

Unter andern öffentlichen Gebäuden verdienen noch er-wähnt zu werden: 1) daS Rath Haus, ein großes massivesGebäude, das fast im Mittelpunkte der Stadt, an und über

dem Bassin liegt, wo sich die Elbe und Alster vereinigen.In dem Rathhause befinden sich außer der Rathsstube: Ver-sammlungssäle der Oberalten und Hundert und Achtziger,mehrere öffentliche Bürcaur und Kanzeleien, und dann dassogenannte Gehege, woselbst man an den Rathstagen Sach-walter und sonstige Geschäftsleute versammelt findet; mannennt dieses Gehege auch wohl die Advokaten- Börse. Vordem Rathhause, neben der Hauptthüre, ist der ehrlose Block,ein im Boden befestigter Pfahl, auf welchem Pasquille undSchandschriften verbrannt und selbst auch die Verfasser der-selben oftmals zur Schau gestellt wurden.

2) Die Bank, ein einfaches Gebäude neben dem Rath-hause, seit 1826 erst erbauet, zeichnet sich durch seine zweck-mäßige innere Einrichtung aus.

3) Das Eimbeck'sche Haus, im Dornbusch und inder kleinen Johannisstraße belegen. Dieses colossale alte Ge-bäude hatte von jeher mancherlei Bestimmungen. Man trifftdarin die Büreaur der Haupt-Accise und des Hauptzoll-Amtes,ferner die Audienz-Zimmer mehrerer Gerichte und verschiedeneActuariate und Archive.Unter dem Eimbeck'schen Hause be-findet sich der Rathsweinkeller und vor demselben, in ei-ner Nische, ein aus Sandstein gehauener freundlich lachenderBacchus; doch ist dieser Weingott keinesweg als ein Meister-werk der Skulptur zu betrachten.

4) Das Waisenhaus in der Admiralitätsstraße miteiner vorderen Facade von 236 Fuß. Dieses schöne massive,drei Stockwerk hohe und mit einem Spitzthürmchen geschmückteGebäude gereicht in jeder Hinsicht unsrer Stadt zur größten Zierde.

Oeffentliche Belustigungs-und Erholungsörtertreffen wir in reicher Anzahl innerhalb und außerhalb derThore Hamburgs. An Vergnügungen hingen die Hamburgerschon in den frühesten Zeiten und wir finden in den ältestenGesetzen unsers Staats bereits Verordnungen dagegen. DieserHang eine Folge des die Sitten verweichlichenden Handelsund der aus ihm entspringenden Wohlhabenheit hat inneuerer Zeit noch weit mehr zugenommen. Die großen undkleinen, dem Vergnügen geweihten Lokale sind stets mit Gästenüberfüllt und machen in kurzer Zeit ihre Eigenthümer reich.Höchstens könnte man unser neues Schauspielhaus, dasStadttheater, als Ausnahme aufstellen; doch liegt es nichtan mangelnder Schaulust des Publikums, wenn dieses Hausjetzt öfters leer ist, sondern an der gegenwärtig von den Her-ren Cornet und Mühling geführten Direktion des ehemals soweltberühmten Schröder'schcn Kunstinstituts, indem uns nurhöchst selten Genüsse der Art, wie man in einem Stadttheaterersten Rangs zu suchen wohl berechtigt ist, von diesen Herrendargeboten werden. Das neue Schauspielhaus, seit dem3. Mai >827 eröffnet; liegt in der Dammthorstraße. Es istein großes massives Gebäude von 135 Fuß Breite und 196Fuß Tiefe, und hat die Form eines länglichen Vierecks (s. d.Abbild.). Die innere Einrichtung des Hauses ist großartigund bietet dem Besucher alle Bequemlichkeiten dar. Zweitau-