man daher auch hier die meisten Spaziergänger und müßigherumschlendernden Stutzer und Modedamen. In den Pa-villons am Alsterbassin summt und brummt es früh undspät als wie in Bienenstöcken; deS Morgens sind sie Börsender Geschäftsleute, deS Nachmittags und Abends aber dienensie der schönen Welt zum Kenckez-vous und zur Belustigung.Man trinkt daselbst dann seine Tasse Kaffee, genießt einGläschen Eis und freuet sich an dem bunten Bild, das diesesMenschentreiben bietet. An schönen Sommerabenden sitzen dieGäste gedrängt vor diesen Erfrischungshallen; die verschieden-artigsten Spaziergänger gehen musternd auf und ab und wer-den eben so wieder von den Sitzenden beäugelt und bekrittelt.Wird so eine Scene nun durch das Mondlicht noch beleuchtet,so glaubt man sich in eine andre Welt versetzt und sicher kannder Fremdling dann mit Hamburg wieder ausgesöhnt werde»,wenn er auch noch so wüthend erst am selben Morgen durchdie schmuzigen Krumm- und Quergassen der Altstadt sich durch-winden mußte. — Der neue Jung fern stieg, das westlicheUfer des Alsterbassins, ist die Fortsetzung des eben geschildertenSpaziergangs und prangt auf der einen Seite mit eleganten,durchgängig neu erbauten Häusern. Hier ist ebenfalls, abernicht an der Alsterseite, sondern mitten zwischen den stolz sicherhebenden Pallästen, ein sehr besuchtes Erfrischungslokal, dieAlsterhalle des Herrn Giavanoli. Dieses nur aus einemeinzigen großen, hohen Saale bestehende Gebäude ist ganznach französischem Gaschmack construirt — ähnlich den glän-zenden Kaffeehäusern des lloulevai-ä ckes Italiens — und mitden Portraits der namhaftesten hiesigen Schauspieler, sowiemit Illustrationen zu verschiedenen classischen Werken deutscherDichter und einer Anzahl großer Spiegel decorirt. Abendswird es auf das Prachtvollste erleuchtet und bietet einen maje-stätischen Anblick dar. — Kehren wir nun um und gehen wie-der den alten Jungfernstieg hinauf, so erblicken wir von hierals Verlängerung desselben die neu angelegte Bergstraße(s. d. Abbild.), eine merkliche Anhöhe, auf deren Gipfel ziem-lich frei die St. Pctrikirche liegt. Die Bergstraße hat dieschönsten und bequemsten Wohnhäuser auszuweisen und werdendie Logis daher nur sehr theuer hier vermiethet. Die unterstenStockwerke der Häuser find dort zu eleganten Läden eingerichtetund bieten alle Bedürfnisse der Toilette sowie die größten undkleinsten Lurusartikel in reicher Auswahl dar.
Die St. Pctrikirche mit ihrem 4IK Fuß hohen Spitz-thurme ist in den Jahren 1139 — 1195 erbaut und das äl-teste Gotteshaus in Hamburg. Diese Kirche enthält eine vor-treffliche Orgel, eine Menge alter Denkmäler, Heiligenbilderund Gemälde, und unter andern Antiquitäten auch das höl-zerne Standbild einer Frau mit dem Booköbüdel (mit einemGebetbuch in einem Beutel) — ein Wahrzeichen von Hamburgfür die reisenden Handwerker. Im Thurm, dessen Spitze erst15lli vollendet wurde, befindet sich ein Glockenspiel, welchesmit der Thurmuhr in Verbindung steht und alle halbe Stundeeine Choral-Strophe spielt.
In der Nähe der Pctrikirche, aus dem Platze wo früherder Dom stand, erhebt sich jetzt das Johanneum, die la-teinische Stadtschule. Dieses ist die älteste und berühmtesteBildungsanstalt Hamburgs; denn schon im Jahre 1529 wurdesie durch Dr. Bugeuhagen eingeweiht. Ursprünglich befand siesich am Plan, in dem untern Theile des vormaligen Johau-nis-Klosters, und erst 1837 wurde der neue Schulbau aufdem Domplatze begonnen. Dieses neue, ein großes Viereckbildende Gebäude, (s. d. Abbild.) ist seit 181V schon vollendet undgereicht jetzt der Stadt zur wahren Zierde. — In der obernEtage des Johanneums befindet sich die große Stadtbibliothek.
Hinter dem Johanneum mögen wir uns nun wenden,wohin wir wollen, überall treffen wir die geräuschvollsten, ihrerBeschaffenheit nach schon hinlänglich bekannten Straßen derAltstadt. Auf der einen Seite die große Steiustraße mit Fisch-und Hökcnweibern oder sonstigen iVIgnüianüs ambulsnts bestän-dig garnirt. Auf der ander» Seite die ruhigere Domstraßeund am Ende derselben nach dem Schoppenstehl zu die Bai-risch-Bier-Brauerei des Herrn Kichn, die sich der größten An-erkennung von Seiten des bierliebenden Publikums zu erfreue»hat. Von Kiehu aus sind wir mit einem Sprunge auf demalterthümlichcn Fisch markte, wo wir aber statt frischer Fischenur »och lahme Droschkengäulc finden. Der Haupt-Fischhandelist nach dem Hopfen markt verlegt. Dort wimmelt es täg-lich von Käufern und Verkäufern; und nicht nur Fische werdenhier ausgeboten, nein, in der Mitte dieses Platzes erhebensich auch große Fleischhallen (s. d. Abbild.), wo man das auS-gewählteste Fleisch antreffen kaun. Um diese Hallen herumsitzen die Bauern mit Gemüse und Geflügel jeder Art undkeine Köchin wird unbefriedigt oder gar mit leerem Marktkorbeden Hopfenmarkt verlassen.
Neben dem Hopfeumarkt steht die St. Nikolaikirchemit einem 1VV Fuß hohen Thurm im holländischen Geschmack.Die Thurmspitze ruht auf 8 stark vergoldeten kupfernen Kugelnund hat ebenfalls ein Glockenspiel, welches aber weit volltö-niger alS das auf St. Petri klingt und meisterhaft vermittelsteiner Claviatur zu bestimmten Zeiten des Tages und bei feier-lichen Hochzeiten oder Leichenbegängnissen gespielt wird. —Sehenswerth ist in dieser Kirche das Altarblatt: Christus betetam Oelberge, von Bendiren 1829 gemalt.
Außer genannten beiden Gotteshäusern zählt Hamburgnoch drei Hauptkirchen, nämlich: die im östlichen Theile derStadt belegene St. Iacobi-Kirche ohne besondere Merk-würdigkeiten; höchstens verdient erwähnt zu werden) daß derThurm derselben wegen Baufälligkcit 18V9 abgetragen und1826, nachdem der größte Theil der Baukosten durch eineCollekte zusammengebracht war, ein neues im gothischen Styl— ähnlich dem der Wiener Stephanskirche — erbaut wurde.Ferner: die St. Catharinenkirche, die südlichste in Ham-burg, mit einem 390 Fuß hohen Thurm; und endlich: diegroße Michaeliskirche, die Kirche der Neustadt, unser