Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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rum die meisten Straßen krumm und eng sind und ist dieserUebelstand deshalb auch nicht so leicht zu beseitigen; doch kannman nicht entschuldigen, daß auch das Pflaster unsrer Straßensich größtcntheils in einem so erbärmlichen Zustande befindet,daß man bei jedem Schritte Hals und Bein risquiren muß.Trottoirs sind selten und könnten auch, außer in der breitenSteinstraße, nicht gut an vielen Orten mehr angebracht wer-den, da, wie gesagt, die Hautstraßen zu eng sind; doch könnteman öfters die Umpflastcrung vornehmen und wenigstens dieWege für Fußgänger an den Seiten der Häuser besser imStande erhalten. Durch das mindesten jeden Sonnabendstattfindende Abwäschen der Häuser wird gar noch die halbeStraße unter Wasser gesetzt, und wehe dem Fremden, der,mit dieser Sitte nicht vertrauet, sich arglos an solchen Tagenauf die Straßen begiebt.

Eben so schlecht wie das Pflaster ist auch unsre öffent-liche Beleuchtung, die sich Jahr aus Jahr ein, immer nurnach dem Kalender richtet. Wenn daher unglücklicherweise imWctterbüchlein Mondschein steht, der umwölkte Himmel aberdie Strahlen Luna's nicht zum Durchbruch kommen läßt, dannwill ich keinem Menschen rathen, bei Nacht die einsamen engenTwicten Hamburgs zu betreten. Zur Zeit, wo kein Mond imKalender und am Himmel steht, erleuchtet mattes, dunkelgelbesOcllicht unsre Straßen. Die hellere Gasbeleuchtung wirdöffentlich noch nicht gebilligt und ist bis jetzt nur erst in einigenPrivatlokalcn eingeführt.

Die Wohnungen der Hamburger stehen ebenfalls anSchönheit und Bequemlichkeit den Häusern anderer großenStädte sehr weit nach. Selbst unsre öffentlichen Gebäude sindmeist noch in dem eckigen, altgothischcn oder dem viel widriger»?holländischen Geschmack des vorigen Jahrhunderts construirt.Mit den Privathäuscrn steht es noch schlechter. Die Woh-nungen der Reichen sind zwar massiv und auch bequem gebaut,doch kann man sehen, daß sehr oft der Geschmack durch denReichthum irre geleitet ward und wir können in der That nursehr »venig Häuser schön nennen. Mitten unter den Woh-nungen der Reichen erheben sich leichte Gebäude von Fachwerkmit hervorspringenden Etagen und durch zahllose Fenster ver-unstaltet. Ich habe so ein Haus immer mit einem Glaskastenoder Treibhaus verglichen. Außerdem giebt es noch eine MengeHäuschen und Hütten, kaum 8 Fuß breit, in den sogenanntenGängen und Höfen. Jene, die man fast nur in der Neu-stadt findet, sind enge Schlupf-Gäßchcn, in denen in der Regelgar kein Wagen fahren kann. Sie zeichnen sich durch diekläglichsten Häuser, durch unerträglichen Schmutz und Gestank,elendes Pflaster und abentheuerliche Krümmungen aus. Höfesind die bebauten Hintcrplätze mancher Häuser. Ihr Eingangist gewöhnlich überbaut, dabei oft dunkel und so niedrig, daßman nur tief gebückt darin gehen kann. Der untere Raumder in diesen Gängen und Höfen stehenden Gebäude bildet so-genannte Buden oder Wohnhäuschen für die ärmste Klasse.Ferner bewohnt man in Hainburg die Keller, welche vermit-

telst einer eigenen mit hölzernem Regendach überwölbten Treppeihren Eingang von der Straße haben. Natürlich sind solcheWohnungen höchst unbequem und ungesund und in den niedri-gen Gegenden der Altstadt sogar gefährlich, wenn unvermuthethohes Wasser eintritt und alle Keller überschwemmt.

Die bewohntesten und belebtesten Straßen sind: der großeBurstah, die Bohnenstraße, der Neuewall, die Steinstraße,der alte und neue Steinweg, die beiden Reichenstraßen, dieJungfcrnsticge und die neustädter Fuhlcntwiete. Hier sindmcistentheils die untern Stockwerke der Häuser als Laden ein-gerichtet und nicht selten trägt ein solcher Laden jährlich l5W30ttt) Mark Miethe. Unter den neu angelegten Straßenzeichnen sich der neue Jungfernstieg, die Amelungsstraße, dieneue Gröningerstraße, die Esplanade und die Bergstraße durchihre Regelmäßigkeit besonders aus und machen diese Straßenauch eine Ausnahme von dem, was ich oben im Allgemeinenvon Hamburgs Straßen gesagt habe.

Die stets unbeständige, feuchte Witterung, welche in un-serer Stadt vorherrscht und jedem Fremden den Aufenthalthier auf längere Zeit verleiden muß, ist den Hamburgernschon zur zweiten Natur geworden. Diese gehen ruhig ihrenGeschäften nach, ohne sich viel um Regen und Sonnenscheinzu kümmern höchstens macht ihnen der Wind manchmal zuschaffen; und unternimmt der Hamburger eine Vergnügungs-tour in der Umgegend so ist er gleich auf Alles, was da kom-men kann gefaßt. Man bewaffnet sich, wenn gleich die Sonnescheint, mit Regenschirmen oder Ueberröcken und bietet somitkühn den Wetterschauern oder Abendfrösten Trotz.

Was Hamburgs Märkte oder Plätze anbetrifft, so könnenwir davon nichts Rühmenswerthes sagen, denn auch kein ein-ziger von ihnen ist der Art, daß er der Stadt zum großenSchmuck gereichte. Auf den Hopfenmarkt der wenigstensviel Eigenthümliches hat werde ich später noch einmal zu-rück kommen und will nun vorerst den geneigten Lesern unsreSehenswürdigkeiten zeigen.

Ich beginne mit Hamburgs größter Zierde: dem Allst er -bassin und den dasselbe begränzenden Jungfern stiegen,Partien?, um die uns selbst Paris trotz seinen Boulevards be-neiden muß. Der alte Jungfernstieg, das südwestlicheUfer des Alsterbassins, (s. d. Abbild.) besteht aus einem mitzwei Reihen großer Linden bepflanzten Spaziergange aufder einen Seite der breite von Wagen jeder Art wimmelndeFahrweg und jenseit desselben eine Reihe alter würdiger Häuser,zwischen welchen die berühmtesten Gasthöfe, als: die StadtPetersburg",Uötel äe Uussie",Stadt London" und Streits-Hötel" sich hervorthun; auf der andern Seite aber der in tau-send kleinen Wellen sich kräuselnde blaue Wasserspiegel desinnern Alsterbassins. Dieses fast seeähnliche Wasser mit seinenstolz auf ihn? herumschwimmenden Schwänen und den mitbuntfarbigen Wimpeln geschmückten Böten und Gondeln trägtnicht wenig zu den Annehmlichkeiten dieser Promenade bei.Zu jeder Jahreszeit und zu allen Stunden des Tages trifft