sowie durch die Blockirung der Elbe wurde aller Handelsver-kehr gehemmt und der Wohlstand der Bürger sank immer tie-fer. Die Erbitterung des Volkes wuchs jetzt aufs Höchste undbrach endlich am 24. Februar 1813 in einen großen Tumultaus. Der Divisionsgeneral Carra St. Cpr dämpfte zwaran demselben Tage wieder den Aufruhr, fühlte sich jedoch garnicht mehr sicher mit seiner 18U0 Mann starken Besatzung,und als sich gar noch das Gerücht verbreitete, daß ein starkesrussisches Armee Corps im Anmarsch gegen Hamburg sei, ver-ließ er am 12. März mit seinen Truppen die Stadt. — Am18. März zog nun auch wirklich der russische Oberst von Tet-tenborn mit seinen Kosacken unter dem lautesten Jubel desVolkes in Hamburg ein. — Trotz Errichtung der hanseati-schen Legion und der Bürgergarde konnten sich jedoch dieNüssen nicht lange hier behaupten und mußten schon wiederam 2ll. Mai das hamburgische Gebiet verlassen. Hierauf rück-ten sogleich die Franzosen unter dem Marschall DavoustPrinz von Eckmühl und dem General Vandamme miteinem starken Heere in die Stadt, erklärten dieselbe außer demGesetz sbors <le In loi) und erpreßten von den unglücklichenBürgern eine Summe von 48 Millionen Franken. —
Erst nach der Entthronung Napoleons, im Jahre 1814,erschien für Hamburg der Tag der Erlösung. Es erhielt durchdie verbündeten Monarchen von Neuem wieder seine Unab-hängigkeit und alte Verfassung. Jetzt blühen wieder Handelund Schifffahrt, und Eintracht und Zufriedenheit sichern denvon Jahr zu Jahr sich mehrenden Wohlstand der Bürger. —Der Staat Hamburg wird in Stadt und Gebiet einge-theilt. — Die Stadt selbst, welche gegenwärtig über 12U,0WEinwohner zählt, hat zwei Theile: die Alt- und Neustadt,oder fünf Kirchspiele und zwei Vorstädte: St. Pauli n. St.Georg. — Der Boden, ans dem Hamburg erbant ist, be-steht theils aus morastigen der Elbe abgewonnenen Inseln,theils aus dem sandigen, hügeligen Ufer der Elbe. Die ganzeStadt ist mit Kanälen oder Fleeten — natürliche und künst-liche Arme der Elbe und Alstcr — durchzogen und wird durchselbige in mehrere Inseln getheilt. Diese Fleete sind für Ham-burg von der größten Wichtigkeit; sie erleichtern sowohl dieHerbeischaffung des zum Kochen und zur Reinigung erforder-lichen Wassers, als wie sie auch allen Unrath aus den Häu-sern in sich aufnehmen. Sie gereichen ferner den Feucr-Lösch-anstaltcn zum größten Nutzen und befördern bedeutend denGüter-Transport, indem die meisten Fleete hinter den Häusernwegfließen und die Kaufleute daher leicht mit geringen Kostenihre Waaren auf Schiffen und Böten nach dem Lagerplätzebringen lassen können. Dieser vielen Kanäle wegen hat manoft schon unsere Stadt mit dem stolzen Venedig verglichen.
Die noch zu Anfang dieses Jahrhunderts Hamburg umge-benden Festungswerke sind jetzt gänzlich abgebrochen und vondem Kunstgärtucr Altmaun ans Bremen zu höchst anmuthigenSpaziergängeu eingerichtet. Der vormalige Wallgraben isttheilweise ausgcdämmr und umgicbt als friedlicher Stadtgraben
die herrlichen Wallaulagen, dient auch zugleich zum Schutzder Stadt-Accise.
Jenseit des Stadtgrabens liegt im Osten die VorstadtSt. Georg, im Westen die Vorstadt St. Pauli; erstere istdurch 3 Thore: das Deichthor, Steiuthor und Ferdi-nand st hör, letztere nur durch das Alton aer- oder Mil-lernthor von der Stadt getrennt. Außer genannten vier Tho-ren zählt Hamburg noch fünf: das Dämmt hör im Norden,das Brookthor und Sandthor im Süden, und das Ber-linert hör- und Lübcckerthor, aus der Vorstadt St. Georgaus die Landstraßen nach Berlin und Lübeck führend. Dieseneun, fast sämmtlich schön verzierten Thorausgänge werdenjeden Abend, je nach der Jahreszeit, zu einer bestimmten Stundegesperrt. Eine Glocke giebt das Signal hierzu und Niemanddarf dann ein und auspassiren, bevor er nicht am Thore erstdas gesetzlich bestimmte Sperrgeld ausgegeben. Der Erlös derThorsperre ist eine Haupteinnahme der Stadt und beträgt nichtselten jährlich über eine Million Mark. Für manchen Bürgerist diese Einrichtung eine beschwerliche Last; die arbeitende Klassewird namentlich oft hart dadurch gedrückt und es ist sehr zuwünschen, daß diese erzwungene freiwillige Abgabe mit derZeit gänzlich aufgehoben werde. — An den Thoren sind zu-gleich die Büreaur der Stadt-Accise und gewisser AmtSmeister,welche das Einschmnggeln auswärts gearbeiteter Effekten, sowiedes nicht in der Stadt gebackcnen Brodes zu verhindern suchen.
Der größere, westliche Theil Hamburgs gränzt an denHauptarm der Norderelbe und dort liegt der große für See-schiffe bestimmte Hafen: NummelHafen oder Niederbäumgenannt. Der von Südost nordwestwärts in die Stadt drin-gende Arm der Elbe bildet den Oberhafen und dient haupt-sächlich den flachen Lastschiffen, die aus Berlin, Magdeburgund selbst aus Böhmen hierher kommen. Auch findet mandort die vielen „Ever" und andere Fahrzeuge, welche Gemüse,Obst, Milch u. s. w. von den obern Elbiuscln nach Hamburgbringen. Außer- oder unterhalb des Oberhafens befinden sichnoch der alte und neue Hol; Hafen, vorzüglich für die mitBauholz beladencn, von der Oberelbe kommenden Schiffe undFlösse bestimmt.
So sehr nun anch alle diese Außenseiten und nächstenUmgebungen jeden Fremden für Hamburg einnehmen mögen,so unangenehm berühren ihn gewiß die innern Theile der Stadt.Hier findet man, namentlich in der Altstadt, meist unregel-mäßige, kurze, krumme Straßen und enge, dunkle, dumpfigeTwictcu skleinc Straßen oder Gassen). Kaum können inHamburgs Hauptstraßen zwei Wagen bequem neben einanderfahren; ja es giebt deren sogar, wo das Begegnen und Aus-weichen der Fuhrwerke nur mit Noth geschehen kann. Leiderist dicS gerade in den Straßen der Fall, welche beständig vonMenschen wimmeln. Hier ist, besonders an den Wochenmarkts-Tagc», das Gehen wirklich mit Lebensgefahr verknüpft. —Die oben geschilderte Beschaffenbcit des Bodens, auf demHamburg erbaut wurde, mag wohl der Hauptgrund sein, wa-