Druckschrift 
4 (1843)
Entstehung
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drängenden Gefahren. Der Kaiser, welcher die Protestantenwieder mit den Katholiken vereinigen wollte, hatte eine Schriftanfertigen lassen, die den Name»Interim" erhielt. In die-sem Buche war bestimmt, was die Protestanten lehren undwie sie ihren Gottesdienst einrichten sollten, bis eine Kirchcn-versammlnng in ihrer Angelegenheit einen Ausspruch gethan.Die protestantischen Städte, welche sich in Karls Gewalt be-fanden, waren gezwungen, hieses Interim als ein Gesetz an-zunehmen; die Hamburger aber, denen es der Kaiser ebenfalls1548 zugesendet hatte, verwarfen es gänzlich. Karl drohtenun mit der Reichsacht, verhieß jedoch gleichzeitig Schutz gegenDänemark, wenn man ihm nur eine namhafte Summe Geldanschaffte. Der Dänenkönig verlangte ebenfalls von HamburgGeld, und die Gegner des Kaisers, die protestantischen FürstendeS Schmalkaldischen Bundes erbaten von Hamburg, da essich seit 1536 zu ihrer Partei bekannte, Geld und Unterstützungjeder Art. Schutz gegen Dänemark oder gegen den Kaiser konntenaber die Hamburger keineswegs von diesen kleinen Potentatenerwarten. Durch kluge Anwendung von Geldsummen hatteder Senat bisher noch immer alle jene Dränger beschwichtigt undabgehalten, da nahm plötzlich (1563) die mißtrauische Bürger-schaft zu ihrem großen Nachtheile dem Senate die Verwaltungder Staatskasse ab und übertrug diese den aus ihrer Mitteerwählten K ämmereibürgcrn. Nun fehlte es nicht anHader und Unfrieden und der Senat war nicht mehr imStande die niedere Lolksklasse zu belehren und zu beruhigen.Alle Nccesse des 16. Jahrhunderts sind voll von Klagen derBürgerschaft, die sich nicht in die zur Erhaltung der Stadtnothwendig darzubringenden Opfer fügen wollte. Unter denfortwährenden inneren Zwistigkeitcn wurde aber das Gemein-wesen vollständiger ausgebildet und 1663 das Stadtbuch denveränderten Umständen gemäß eingerichtet.

Der dreißigjährige Krieg, der fast über alle StädteDeutschlands Noth und Schrecken verbreitete, war für Ham-burg nur von großem Vortheile. Unzählige Familien suchtenSchutz und Aufnahme in der wohlbefestigten Stadt, veran-laßten die Anlegung ganzer Straßen und beförderten auf mancheArt den Wohlstand der Hamburger. Die nahe bei Hamburggelegene Stadt Altvna verdankt auch dieser Periode ihreEntstehung und Blüthe.

Die Zänkereien zwischen dem Senat und der Bürgerschaftdauerten noch immer fort und der Senat behauptete sich nurmit Hülfe des Kaisers gegen die unruhigen Bürger, so wiegegen Dänemark, dessen Macht von Jahr zu Jahr gefährlicherward. Der Graf von Windisch-Gräz kam 1674 als kai-serlicher Commissarius in Hamburg an und brachte unter strengenMaßregeln den nach ihm benannten Neccß zu Stande. DieOb er alten, die sich entschieden für den Windisch-GräzerNeceß erklärten, machten sich dadurch beim Volke verhaßt undwurden bald suspendirt; einer von ihnen, Nikolaus Krull,nuttlerweile zum Senator gewählt, wurde sogar der Stadtverwiese». Die Bürgerschaft, von ihren Stellvertretern ver-

kauft und verrathen, befand sich in einem rathlosen Zustande;da erhoben sich (1677) zwei beliebte Bürger, Cord Jastramund Hieronymus Snitger als Vertheidiger des Rechts.Die Volksmenge erkannte sie als ihre Führer an und leisteteihnen freudig Gehorsam. Arglos und unbekannt mit politischenRänken ließen sich aber diese beiden Volksführcr mit dem dä-nischen Residenten Pauli in Unterhandlungen ein, zu welchensie nach den Gesetze» und Recesscn nicht berechtigt waren. Erstals König Christian V. mit einem starken Heer gegen Ham-burg andrang und mit den Schlüsseln zu Hamburgs Thorenzugleich die Erbhuldigung von der freien Stadt verlangte, dagingen Snitgern und Jastram die Augen auf. Sie entsagtennun zwar dem gefährlichen Bunde und halfen selbst die hart-bedrängte Vaterstadt vertheidigen, wurden aber doch, beson-ders durch Umtriebe des elenden Bürgermeisters Meurer derVerrätherei beschuldigt und 1686 mit dem Schwcrdte hinge-richtet. Das Blut dieser Unglücklichen vermochte aber nochnicht die Flammen der Zwietracht zu löschen. Es begannenjetzt die Streitigkeiten in kirchlichen Angelegenheiten, und Ein-kerkerungen, Enthauptung oder Verbrennung waren an derTagesordnung. Erst 1712, als der Hauptreceß, das ei-gentliche Fundamental- oder Grundgesetz des FreistaatesHamburg zu Stande gebracht wurde, kehrten Friede und Einig-keit in die empörte Stadt zurück.

Während des ganzen 18. Jahrhunderts herrschten nunRuhe und Zufriedenheit unter den Bürgern Hamburgs. Selbstder französische Revolutionskrieg war für Hamburganfangs eine ergiebige Quelle zu kühnen Speculationen undwurde erst in der Folge eine drückende Bürde für Rath undBürgerschaft.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts zogen sich aber schwere,düstere Wolke» über der sorglosen Stadt zusammen. KaiserPaul I. von Nußland hatte, um England Trotz zu bieten,die bekanntenordische Neutralitäts-Convention" mitDänemark, Schweden und Preußen abgeschlossen, und letztge-nannte Macht wollte Hamburg mit ihren Truppen besetzen.Als nun der Senat noch über diese Angelegenheit diskutirte,erschienen »»vermuthet dänische Truppen unter dem Feldmar-schall, Prinz Karl von Hessen, vor den Thoren der Stadt;und nur Pauls I. plötzlicher Tod und Nelsons Scesieg vorKopenhagen retteten Hamburgs Unabhängigkeit und zwangendie Dänen zum Abzug. Aber bald traten wichtigere Bege-benheiten für die Stadt ein; denn 1866 besetzte der franzö-sische Marschall Mortier ganz unerwartet dieselbe mit italie-nischen Truppen, und 1811 ward sie sogar durch ein DekretNapoleons dem französischen Kaiserreiche als eineguteStadt" einverleibt. Der Senat legte sein Amt nieder; diebürgerlichen Collcgien wurden aufgelöst und am 22. Februartrat eine französische Municipalität und eine französische Ge-richtsverwaltung in Funktion. Von diesem Augenblicke an be-gannen die Hauptdrangsale der Stadt Hamburg. Durch diestarken Einquartierungen und fortwährenden Kontributionen,