Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Calw.

^alw, die Hauptstadt des Oberamtsbezirks gleichen Namensim Königreich Würtemberg, unmittelbar am Fuße des Schwarz-walds, mit 4300 Einwohnern, größtentheils protestantischerKonfession. Die Nagold, ein bei Urnagold Oberamt Freudcn-stadt entspringendes Flüßchen, theilt sie in die obere undin die untere Stadt; dicht mit Nadelholz bewachseneBerge legen sich zu beiden Seiten hart an sie an. Dieauch auf unserm Bild besonders hervortretende Kapelle des heil.Nikolaus auf der obern Brücke über die Nagold ist wegen ihresAlters und ihrer Bauart sehenswerth. Papst Leo IX. weihte sieim Jahre 1052 bei einem Besuche, den er der Gräfin vonCalw, seiner Schwester, machte. Außer der Stadt in dem Thalegegen Hirschau, nehmen dem Flusse entlang freundliche Spazier-gänge den Wanderer auf, während er auf den Bergen roman-tische Partien zahlreich findet und auf einem derselben sind selbstnoch schwache Spuren der alten Burg Ealw, der ehemaligenResidenz der Grafen von Calw, welche im Jahre 1000 beinaheganz abgetragen wurde. Die Grafen von Calw waren eines derältesten und angesehensten Geschlechter in Schwaben. Schon frühezeichneten sie sich durch geistliches Wirken aus, und von 1055 1057 saß ein Graf von Calw unter dem Namen Victor II.sogar auf dem päpstlichen Stuhle. In der letzten Hälfte desdreizehnten Jahrhunderts starb jedoch mit dem Grafen Gottfriedder Calwische Stamm aus. In der ersten Hälfte des vierzehnten

Jahrhunderts erwarb die Grafschaft Calw Graf Eberhard vonWürtemberg von den Grafen von Schelklingen (1303) unddenen von Tübingen (1345). In dieser Zeit hob sich schon dieThätigkeit der Gewerbe, und die sich häufig wiederholende Feuers-und Wassersnoth, Krieg und Pest vermochten nicht die Industrie,nachdem sie einmal feste Wurzel geschlagen, wieder zu vernichten.Schon im Jahre 1327 war bei der Stadt eine Walkmühle,1454 erhielt sie den Marktzoll, 1540 wurde bereits ein sehrstarker Handel mit Wollezeugen ins Ausland getrieben, und 1050vereinigten sich Färber und Handelsleute zu einer Gesellschaft underhielten vom Landesherrn eine eigene Ordnung. Andere Gesell-schaften bildeten sich für den Holzhandel, für den Bergwerks-betricb, für den Salzhandcl u. s. f. und brachten durch geschick-ten Fleiß große Wohlhabenheit in die Stadt. Noch jetzt beigänzlich veränderter Lage des Gewerbebetriebs und des Handelsnimmt Calw wenn auch nicht mehr den frühern, so doch immereinen höchst bedeutenden Rang in der vaterländischen Industrieein. Noch blüht dort die Tuch- und Wollenzeugmanufactur undder Holzhandel. Außerdem bestehen mechanische Wollenspinncrcien,Strumpfwebereien und Wollenstrickcreicn, Färbereien, Gerbereienund andere Gewerbe. Ein lehrreiches Beispiel des Gewerbebe-triebs durch gesellschaftliches Zusammenwirken hat Calw unsererjetzigen in Aktienvereinen noch wenig erfahrenen Zeit schon frühgegeben.