Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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Welken stein

und die

befestigte Stadt Geißlingen.

Die Geschichte der Grafen von Helfenstcin der ehemaligen Be-wohner des jetzt dem Königreich Würtemberg einverleibten SchlossesHelfenstein, dessen artistische Darstellung sich unser Bild nebstder zu jener Zeit gleichfalls befestigten und ebenfalls an Würtem-berg gefallenen Stadt Geißlingen zur Aufgabe machte, ist reichan den interessantesten Begebenheiten, und verweisen wir die sichfür die Geschichte des Schwäbischen Adels im Mittelalter in-teressirenden Leser auf die im Jahre 1840 in Ulm erschienene,von Hrn. H. F. Kerler herausgegebene Geschichte der Grafen vonHclsenstein, welchem gediegenen Werke unsere kurze Uebersichtentlehnt ist.

Lehr- und thatenreich ist die Geschichte der Grafen vonHelfenstein, der ehemaligen Bewohner des Schlosses Hel-fenstein, welches unser Bild nebst der zu jener Zeit gleichfallsbefestigten Stadt Geißlingen darstellt.

Der eigentliche Kern der ehemaligen Grafschaft Helfen-stcin war das obere Vilsthal, und zwar von Wieseustaig (um'sJahr 861) an bis über Süßen hinunter nicht ferne von Göp-pingen. Die Grafen breiteten sich aber auch gegen Geißlingenaus und das über dieser Stadt stehende Schloß hieß Helfenstein.Auf der Schwäbischen Alp erstreckten sich ihre Besitzungen vonder Blau bis über die Brenz hinaus, und sie waren demnachHerren eines bedeutenden Landstriches in der Mitte von Schwa-ben, zwischen dem Neckar und der Donau, sechs Meilen lang.Wieseustaig, Geißlingen, Blaubeuren, Heidenheim gehörten in

ihrer Blüthezcit ihnen und deutsche Könige und Kaiser ehrtenund belohnten, oder verfolgten und befehdeten sie, je nachdemder eine oder andere Kaiser Ursache hatte, ihnen günstig oderabgeneigt zu sein, oder die Grafen dem Kaiser sich fügten oderPartei gegen ihn nahmen.

In der Mitte und am Ende des vierzehnten Jahrhundertssta nden sie auf dem Gipfel ihrer Größe, von da an sanken sieaber rasch! Liebe zum Glänze hatte sie zur Verschwendung vcrleitet, und nach dem Tode Kaiser Karls IV., als den Grafenallmählig ihre Einkünfte vom Reich unter den folgenden Kaiserngeschmälert wurden und Unglücksfälle das Haus trafen, fandensie sich genöthigt, ihre besten Güter an ihre Nachbarn zu ver-äußern. Endlich blieb dem letzten Grafen von Helfenstcin, Ru-dolph, welcher im Jahre 1627 starb, auch nicht viel mehrals Wiesenstaig übrig.

Die Stadt Geißlingen kam in Folge dessen unter UlmischcHerrschaft, deren Schicksal sie theilte. Selbständig ist sie aberdurch die zahlreichen und künstlichen Produkte der dortigen Holz-und Beindrcchsler. Ziehen auch bis jetzt noch fremde Kaufleuteden größeren Nutzen hieraus, indem sie sie unter dem Namenvon Nürnberger Waaren in den Welthandel bringen, so istdoch den Bcrfertigern ihr Gewinn nicht ganz und die Möglichkeitgar nicht zu nehmen, ihrer Heimath neben der Produktion auchden Handel und den daraus fließenden Vortheil in die Händezu geben.