Druckschrift 
3 (1842)
Entstehung
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und im Revolutionskriege 1796 und 1800 eroberten die Fran-zosen die Stadt, welche kurz vorher 1793 durch einen Brandgroßen Schaden erlitten hatte. Im Jahre 1803 kam die Stadtunter württembergische Herrschast und ist setzt der Sitz eines,zum Jartkreise gehörigen Oberamts.

Gmünd unterscheidet sich in seiner Bauart von anderenehemaligen Reichsstädten sehr zu seinem Vortheil, es hat breite,reinliche Straßen und mehrere stattlichen Gebäude, die altenMauern aber stehen nur noch zum Theil und die Gräben sindmeist in Gärten verwandelt worden.

Von den 18 Kirchen und Kapellen, welche Gmünd einstzählte, werden nur noch 6 benutzt. Die größte ist die Pfarr-kirche zum heiligen Kreuz, welche 1351 bis 1377 in gothischemStyle ganz von Quadern aufgeführt wurde. Ihr Gewölberuht auf 22 Säulen, zwischen welchen 16 Altäre stehen, ihrezwei hohen Thürme aber, welche am Charfreitag 1497 ein-stürzten, wurden nicht wieder aufgebaut. Viel älter als sie istdie St. Johanneskirche, im byzantinischen Style schon im eilf-ten Jahrhundert erbaut, wo die Mönche des benachbarten Klo-sters Lorch bis 1297 den Gottesdienst besorgten, worauf erstGmünd eine eigene Pfarrei erhielt. Ihre Wände sind, wiedie anderer gleichzeitigen Kirchen, mit einer Menge sonderba-rcr hieroglyphischcn Figuren geschmückt; man sieht hier den so-genannten Zweifelsstrick, ein Männchen mit drei ineinandergeschlungenen Brezeln, einen Mann, dem der Teufel die Nasewegreißt, viele zahmen und wilden Thiere u. f. w.; auch ist inder Kirche ein altes Gemälde, welches die Burg Hohenstaufenzu einer Zeit darstellt, wo Gmünd selbst noch nicht eristirte.Der schlanke, hohe, vier- und achteckige Thurm der Kirche heißtder Schwindelstein und ist weit hin sichtbar. Neben ihr stehtdie noch ältere St. Veitskapelle, vielleicht die Kirche des vonAbt Fulrad von Saint Denys gestifteten Klosters. Auch dieKirche zum heiligen Geist, jetzt Spitalkirche, ist sehr alt. Inder Kirche des 1140 von Konrad III. gestifteten Augustinerklo-sters wird setzt der protestantische Gottesdienst gehalten. Dieschöne Kirche des 1284 gestifteten Dominikanerklosters aberdient zum Pferdestall, das Kloster selbst zur Artillerickaserne.Das Franziskancrkloster ist zu Schulen eingerichtet, das Kapu-zincrkloster mit seiner Kirche abgebrochen, die St. Ludwigskir-che aber beim ehemaligen Franziskaner-Frauenkloster in ein

Magazin verwandelt. Ausserhalb der Stadt an der Straßenach Aalen steht das 1240 gestiftete Dominikaner NonnenklosterGotteszell, in dem sich jetzt das vorzüglich eingerichtete Haupt-Zuchthaus des Landes befindet. Auf der entgegengesetzten Seiteaber ist auf einem Berge die berühmte Wallfahrtskapelle St.Salvator zu sehen, eigentlich 2 übereinander stehende in Felsengehauene Kapellen, zu denen ein Weg führt, an dessen Seitedurch Kapellchen die Leidensstationen Christi bezeichnet sind.Das Rathhaus wurde 1793 in schönem modernem Style, dasjetzt in eine deutsche Schule umgewandelte Waisenhaus 1768erbaut. Ferner sind zu bemerken: die beiden Spitäler, dasGeräthhaus, das Kornhaus, die sogenannte Schmalzgrube, wosich merkwürdiger Weise neben der lateinischen Schule auch dasStadttheater befindet. Die öffentlichen Lehranstalten sind guteingerichtet, seit 1819 befindet sich in Gmünd auch eine vor-zügliche Blinden- und Taubstummen-Anstalt und seit 1827 einkatholisches Schullchrerseminar. Jeden Sommer zieht die Ar-tillerie von Ludwigsburg nach Gmünd und stellt in dessen Nä-he Schießübungen an.

Gmünd hat gegenwärtig nicht viel über 6000 Einwohner,kaum die Hälfte seiner früheren Bevölkerung, wovon die Pro-testanten etwa den zehnten Theil ausmachen. Ihr Hauptge-werbe, das schon zu den Zeiten der Hohenstaufen emsig betrie-ben wurde, war die Verfertigung von Gold- Silber- und Bi-jouterie-Waaren, welche früher auch ins Ausland stark verführtwurden, wie denn Gmünd dafür allein aus Italien jährlicheine halbe Million Gulden zog. Allein in neueren Zeiten istdieser Erwcrbszweig und mit ihm die Einwohnerzahl sehr ge-sunken. Denn andere Städte begannen mit Gmünd in diesemArtikel glücklich zu concurriren, den Verkehr mit Polen undRußland verminderte daS russische Mauthsystem sehr, Oester-reich aber verbot die Einfuhr der Gmünder Waaren ganz undda diese an Gehalt und Güte abnahmen, wurde auch ihr Ab-satz immer geringer. Ausser einer Silberfabrik zählt man ge-genwärtig noch 64 Meister mit 110 Gehülfen und die Gold-und Silberstickcrei, mit welcher sich 15 Personen weiblichenGeschlechts beschäftigen, hat noch immer ziemlichen Absatz, auchnach Baden und Baiern. Einen weiteren Erwcrbszweig bil-det das Beschlagen hölzerner Tabackspfeifenköpfe, welche inder Nachbarschaft verfertigt werden. Auch werden in GmündWachslichter, Baumwolle- und Seidenwaaren verfertigt.